Cancún

Noch vor 40 Jahren war Cancún ein von der Welt vergessenes Nest am Nordostzipfel der Yucatán-Halbinsel mit weniger als 200 Einwohnern.

Heute hat das Mega-Ressort alleine 200 Restaurants, dazu 26.000 Hotelbetten, durch die jährlich 2 Millionen Touristen geschleust werden und schließlich 300.000 Einwohner in „Cancún Downtown“, die ganz überwiegend direkt oder indirekt von den Besuchern und deren Kaufkraft abhängig sind.
Die Entwicklung zum künstlichen Ferienparadies begann in den 70er Jahren auf Geheiß der mexikanischen Regierung, doch der eigentliche Bauboom setzte erst Mitte der 80er Jahre ein. Heute ist kaum ein Strandabschnitt auf der schmalen Landzunge, die durch die Lagune Nichupte vom Festland und der eigentlichen Stadt Cancún abgeschnitten ist, unbebaut. Der kilometerlange weiße Sandstrand braucht keine Konkurrenz zu fürchten, und das Niveau der Hotels ist weitaus höher als in anderen Hochburgen des internationalen Tourismus. Einkaufszentren im amerikanischen Stil, Restaurants, Diskotheken und Nachtclubs ergänzen das Angebot ebenso wie ein weitgefächertes Sport- und Freizeitangebot.

Allen anderen ist Cancún nur als Durchgangsstation zu empfehlen, sei es auf dem Weg zu anderen Stränden der Riviera Maya oder dem yucatekischen Hinterland. Dank des modernen und stark frequentierten internationalen Flughafens ist Cancún auch ein guter Auftakt oder Endpunkt einer großen Mexiko-Reise.

Wer die Rundumversorgung nach US-Standard und den Komfort internationaler Hotelketten zu schätzen weiß, trifft mit Cancún die richtige Wahl. Der obligatorische Abstecher zu den  weltbekannten Mayaruinen von Chichén-Itzá oder von Tulúm in vollklimatisierten Reisebussen kann ebenso an jeder Hotelrezeption gebucht werden wie Tauchkurse am spektakulären Korallenriff oder Besuche in den „Eco-Parks“ von Xel-Ha und anderen, privat geführten Cenotes.

Der märchenhafte Erfolg Cancúns als „Top Destination“ ist nicht nur auf die Naturschönheiten seiner Umgebung und das kulturelle Erbe der Maya zurückzuführen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Resort-Hotels und die sie begleitende touristische Infrastruktur auch eine gigantische Waschanlage für Drogengelder internationaler Kartelle waren. So verschwand Ende März 1999, wenige Wochen vor Ablauf seiner Amtszeit, Mario Villanueva, seines Zeichens Gouverneur des Bundesstaates Qintana Roo, spurlos. Die Bundesbehörden beschuldigten ihn des Drogenhandels, organisierten Verbrechens, der Geldwäsche und der Erpressung in über 28 Fällen, die auf seine engen Verbindungen zum Juárez-Drogenkartell zurückgeführt werden. Er soll dessen Vertretern während seiner Amtszeit geholfen haben, 200 Tonnen (!) Kokain durch den Bundesstaat zu schleusen und Gewinne aus dem Drogenhandel in Cancún zu investieren. Tatkräftig unterstützt wurde er dabei von einer Börsenmaklerin der New Yorker „Lehman Brothers“. In den folgenden Jahren wurde Villanueva unter anderem in Panama, Belize und Kuba gesichtet, bevor er Ende Mai 2001 – in Cancún – verhaftet wurde.