Kohunlich

Kohunlich liegt nur wenige Kilometer westlich von Chetumal.

Seinen Namen erhielt der Ort vom Nordamerikaner Raymond Merwin, der die Mayaruinen 69 km westlich von Chetumal 1912 wiederentdeckte. Er war zunächst eine Zusammensetzung aus Cohoon, dem englischen Namen der Corozopalme, die hier verbreitet ist und dem Begriff ridge (Hügelrücken) für die hier typische Landschaftsformation. Der Archäologe Victor Segovia, der hier in den siebziger Jahren arbeitete, wandelte „Cohoon Ridge“ schließlich in Kohunlich um.

Kohunlich ist vor allem für seine großen Stuckmasken berühmt, die durch Strohdächer geschützt im Tempel der Masken stehen. Zudem liegt es wunderschön in einem schattigen Waldstück, so dass man beim Besuch – anders als in vielen anderen Mayaruinen – nicht der sengenden Sonne ausgesetzt ist. An den meisten Tagen kommen sehr wenige Besucher und man hat den Ort annähernd für sich.

Die erste Besiedlung Kohunlichs geht auf die späte Präklassik zurück (300 v.Chr. – 250 n.Chr.). Während dieser Epoche wurden um die Plaza Ya’axná niedrige Plattformen gebaut, die während der Frühklassik mit Monumentalbauten überbaut wurden. Aus dieser Epoche stammt auch Kohunlichs bekanntestes Gebäude, der so genannte Tempel der Masken (Templo de los Mascarones). Namensgebend waren dessen acht große, mit schwarzer und roter Farbe bemalten Stuckmasken auf einer Untermauerung aus Bruchsteinen (mampostería), von denen fünf erhalten sind. Ikonographisch scheinen vier dieser Masken reale Personen darzustellen, denen Atrribute zugeordnet wurden, die mit dem Sonnengott assoziiert sind, während die fünfte Maske einen Jaguar darstellt. Die Mehrheit der heute noch erhaltenen Gebäude und baulichen Strukturen der Anlage stammt jedoch aus der Phase der Spätklassik (ca. 600-900 n.Chr.), als Kohunlich auch seine größte Einwohnerzahl erreichte.
Zu diesen Bauten zählt die Plaza der Stelen (Plaza de las Estelas), der aus zivilen und Zeremonialgebäuden bestehende Komplex Las Vías (Conjunto de las Vías), der Nordwestkomplex (Conjunto Noroeste), sowie die  beiden Conjunto Pixa’an und Conjunto de Los 27 Escalones (Gruppe der 27 Stufen) genannten Wohngebäude der Eliten.

An oder in der Nähe der Bundesstraße 186, die Chetumal in Ost-West-Richtung mit Escarcega verbindet, liegen einige, überaus sehenswerte Mayastätten. Dazu gehören (von Ost nach West) unter anderem Rio Bec, Xpujil, Becan, Chicanná, Hormigüero und Calakmul. Kohunlich ist die östlichste, d.h. am nächsten zu Chetumal gelegene. Für „Maya-Interessierte“ ist diese Region eine unerschöpfliche Fundgrube, kann man hier doch in einem relativ kleinen Gebiet wichtige Mayazentren der verschiedenen historischen Epochen und Baustile besuchen, die weitab der Touristenströme gelegen und dennoch mit dem Mietwagen in kurzer Zeit zu erreichen sind. Während Calakmul die sowohl wichtigste, als auch abgelegenste der Stätten ist, für die man einen ganzen Tag veranschlagen sollte, liegen Chicanná und Xpujil unmittelbar an der Hauptstraße und bieten sich für einen Besuch am späten Nachmittag an.