Tlacotalpan

Das kleine Hafenstädtchen an der Mündung des Río Papaloapan im Bundesstaat Veracruz besticht durch die überwältigende Farbigkeit seiner Häuserfassaden, die sich an vielen Stellen zu einer idealen Film- oder Fotokulisse zusammenfügen.

Durch mehrere verheerende Brände zerstört, wurde Tlacotalpan am Beginn des 20. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Die vorerst letzte Katastrophe in der Stadtgeschichte stellte die verheerende Überschwemmung vom September 2010 dar, als 500 historische Häuser von den braunen Fluten heimgesucht und 8.000 Einwohner evakuiert werden mussten.
Dass Tlacotalpan seit 1998 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, trug vermutlich nicht unerheblich dazu bei, dass die alte Postkartenidylle zumindest äußerlich in erstaunlichem Tempo wiederhergestellt wurde. Tlacotalpans zahllosen Arkaden-Gänge bieten nicht nur Schutz vor der gleißenden Sonne, sondern bewirken reizvolle Licht- und Schattenspiele, die Anhängern der Schwarz–Weiß–Fotografie Motive in Hülle und Fülle bieten.

Im Kontrast zur Farborgie der neoklassizistischen Gebäude steht die ruhige, beinahe verschlafene Atmosphäre des Ortes. Nur einmal im Jahr, anlässlich der berühmten „Fiesta de la Candelaria“, ändert sich dies schlagartig. Ende Januar beginnt die Feria (Messe) mit Jahrmarkt, Tanzvorführungen und Märkten. Vom 31. Januar bis 2. Februar ist der Ort überfüllt mit Gläubigen und Feiernden. Paraden von Reitern in traditioneller Tracht der „Jarochos“, wie die Leute aus dem Südteil des Staates Veracruz genannt werden, eröffnen den Reigen. Es folgt eine Prozession riesenhafter Figuren, die sogenannte „Mojiganga“, Messen, Bootsregatten auf dem Fluss, und selbstverständlich wird viel gegessen und getrunken. Auf der Plaza de Doña Marta spielen Musikgruppen den traditionellen „Son Jorocho“, der stark dem kubanischen Son ähnelt. Dazu werden zehnzeilige Stegreif – Gedichte, die so genannten „Decimistas“, deklamiert.
Einen weiteren, fragwürdigen Höhepunkt stellt der „Corrido“ dar, bei dem Stiere von „Vaqueros“ (Cowboys) durch die Stadt und den Fluss getrieben werden. Am 2. Februar schließlich folgt mit dem Geburtstag der Jungfrau von Candelaria der Höhepunkt und Abschluss der Feierlichkeiten: Nach einer Messe im Morgengrauen und dem Geburtstagsständchen, das Mariachi und Jaranero-Musiker darbringen, wird die Statue der Jungfrau in einer Prozession aus der Kirche und entlang der Uferpromenade zu einem Schiffsanleger getragen, wo bereits eine geschmückte Barkasse wartet. Prozessionsteilnehmer stürmen diese oder begleiten sie auf anderen Booten. Die übrigen Zuschauer betrachten das Spektakel vom Flussufer aus.
Spaziergänge entlang des Flussufers gehören bei Einheimischen wie Besuchern zu den Lieblingsbeschäftigungen.

Zu Tlacotalpans Attraktionen außerhalb der Fiesta-Tage gehören die Capilla de la Candelaria am Nordende der Plaza Zaragoza, die Casa de Cabildo – Sitz der Stadtverwaltung – mit ihrem großen Portalbogen, durch den man zum Hafen gelangt, die Iglesia de San Miguel Arcangel, 3 Blocks nördlich der Plaza Zaragoza, sowie die Plaza selbst mit ihrem orientalisch anmutenden Kiosk, der auch als Musikpavillon dient. Auch Tlacotalpan hat wie Vercruz sein – wenn auch kleineres – Agustín Lara Museum, war der 1970 gestorbene Bandleader und Musiker doch ein echter Tlacotalpeño.