Palenque

Im Dschungel von Chiapas liegt eine der berühmtesten und schönsten Mayastätten überhaupt.

Der von den Spaniern Palenque genannte Ort hieß bei den Maya Lakamha‘ (Großes Wasser) und war die Hauptstadt des Reiches Baak. Das Fürstentum wurde von einem „k’uhul ajaw“ (göttlichen König) regiert. Mit Herrscher Pacal (Schild), der im Jahr 615 als Zwölfjähriger inthronisiert wurde, begann Palenques Blütezeit. Ende des 8. Jahrhunderts verließen die Bewohner die Stadt. Das letzte aufgezeichnete Datum ist 799 n.Chr..

Die Eleganz seiner Architektur unterscheidet Palenque von anderen Zeremonialzentren der klassischen Periode (ca. 300-900 n. Chr.). Die Gebäudestrukturen bestehen aus plattformartigen Fundamenten, auf denen steinerne, gestufte Pyramiden errichtet sind, die wiederum steinerne Tempel tragen. Die Dächer dieser Tempel erinnern an Mansardendächer und sind charakteristisch für Palenques Architektur. Die Gebäude sind meist einstöckig, und ihre Wände weisen Relieffiguren und Glypheninschriften auf, die sich auf Ereignisse innerhalb der Herrschergenealogie beziehen.
Größtes Bauwerk der Anlage ist der „Palast“, der mit einer Länge von fast siebzig Metern ebenfalls auf einer abgeflachten Pyramiden-Basis steht. Sein ungewöhnlicher Turm gilt als Wahrzeichen Palenques. Das Prunkstück  der Anlage aber ist der Tempel der Inschriften, dessen Inneres das Grab Pacals birgt. Krypta und Sarkophag gelten heute als grandiosestes Beispiel dieser Bestattungsform außerhalb Ägyptens.

Seit 1987 gehört Palenque zum Weltkulturerbe der Unesco. Um die Grabkammer zu schützen, darf sie von Besuchern nicht mehr betreten werden, jedoch wurde im Museum bei den Ruinen 2007 ein originalgetreuer Nachbau errichtet.

Kaum eine Mayastadt ist so intensiv und kontinuierlich erforscht wie Palenque. Dennoch (oder gerade deshalb) werden ständig neue Entdeckungen gemacht. So steht in letzter Zeit der zur erweiterten Kreuzgruppe gehörende Tempel XX im Fokus der Grabungsarbeiten. In ihm wurde 1999 ein unberührtes Grab, nicht unähnlich dem des Pakal, gefunden, das seit seiner Errichtung um ca. 500 n. Chr. nicht mehr geöffnet oder gar betreten wurde. Durch ein nur zehn mal zehn Zentimeter großes Loch schoben die Archäologen eine Digitalkamera und dokumentierten das Innere. An den Wänden waren stehende Figuren mit Zepter und Schilden zu sehen – anscheinend die Bewacher des Grabes einer Herrscherfamilie. Darauf deuten auch die elf Keramikgefäße und Spuren von Zähnen und Knochen. Ein Wandfresko zeigt eine Herrscherfigur, versehen mit allen Insignien der Macht, das einer Darstellung Pakals im Tempel der Inschriften ähnelt.
Die Grabkammer wurde nach dieser Bestandsaufnahme wieder luftdicht versiegelt. Nun wird weiter der ganze Tempel ausgegraben, der Eingang freigelegt und restauriert. Erst danach wollen die Archäologen mit der grösstmöglichen Sorgfalt die Grabkammer öffnen und eingehend untersuchen.

Der Besuch Palenques und seiner abseits gelegenen Tempel und Bauten ist eine schweißtreibende Angelegenheit. In jedem Fall ausreichend Trinkwasser mitnehmen!