Präsident Kast und sein Vorgänger Boric

Präsident Kast und sein Vorgänger Boric bei der Amtsübergabe, Bild: Gobierno de Chile, CC BY 3.0 CL, via Wikimedia Commons

José Antonio Kast hat am vergangenen Mittwoch das Amt des chilenischen Präsidenten angetreten. Damit ist er der erste ultrarechte Präsident seit dem Ende der Pinochet-Diktatur. Kast hatte im Dezember 2025 mit 58 Prozent der Stimmen gegen die linke Kandidatin Jeanette Jara gewonnen. In seiner Antrittsrede berief er sich auf göttliche Intervention, Ordnung und konservative Traditionen, kündigte eine „neue Ära“ für Chile an und zeichnete ein Bild eines Landes mit geschwächten Finanzen, wachsendem Drogenhandel und organisierter Kriminalität, obwohl die Wirtschaftsdaten Stabilität zeigen.

Er kündigte ein hartes Vorgehen gegen den Drogenhandel an, stellte einen möglichen Ausnahmezustand in Aussicht und zog aus Spargründen mit seiner Familie in den Präsidentenpalast La Moneda, während Kritiker auf sein deutlich höheres Einkommen im Vergleich zu Vorgängern und den Bruch seines Versprechens zur Gehaltskürzung hinweisen. Kast trat gemäß der vorangegangenen Ankündigung aus seiner Partei Partido Republicano aus, um eine Bündelung der rechten Kräfte zu bewirken. Die rechten Kräfte kontrollieren beide Parlamentskammern, verfügen jedoch über keine Mehrheit der Sitze.

Im Rahmen des Besuchs einer Bildungseinrichtung in Ñuñoa kam es zu einem Schülerprotest gegen Kast, der durch Schüler anderer Schulen unterstützt wurde. Hintergrund waren Drohungen im Vorfeld, protestierende Schüler der Schule zu verweisen. Mindestens einer von ihnen wurde in Gewahrsam genommen. Darüber hinaus kam es zu weiteren Demonstrationen in Santiago und Valparaíso, die durch die Polizei unter Einsatz von Gewalt aufgelöst wurden. Am Abend unterzeichnete Kast mehrere Dekrete, darunter die Erklärung der Grenze zu Bolivien zur militärischen Zone mit verstärkter Überwachung gegen illegale Migration, Hilfen für von Naturkatastrophen betroffene Regionen und die politische Erzählung einer „Notstandsregierung“, die von der Vorgängerregierung mit Verweis auf deutlich höhere Staatskassenstände bestritten wird.

Zudem wird die schnelle Begnadigung von Sicherheitskräften vorangetrieben, die wegen Gewaltverbrechen während des „Estallido social“ 2019 verurteilt wurden. Ein erster Kandidat für eine mögliche Begnadigung ist Hauptmann José Santiago Faúndez Sepúlveda, der wegen der tödlichen Schüsse auf den ecuadorianischen Studenten Romario Veloz verurteilt wurde. Insgesamt wurden bei den Protesten 2019 dreißig Todesfälle durch Polizeigewalt und Militärintervention dokumentiert, über 460 Personen wurden verletzt.