Guatemala

Als Land des ewigen Frühlings, der Maya und des geheimnisvollen Quetzal-Vogels wirbt Guatemala um Besucher.

Für Europäer birgt dieser Slogan gleich mehrere Missverständnisse. So gibt es in Guatemala, wie in allen Ländern dieser geographischen Zone, faktisch nur zwei Jahreszeiten: Sommer und Winter, bzw. Regenzeit und Trockenzeit. Aber die angenehm warmen Tagestemperaturen und die kühlen bis kalten Nächte des Hochlandes vermitteln tatsächlich das Gefühl immerwährenden Frühlings.
Eine Begegnung mit Guatemalas Wappenvogel und nationalem Symbol – dem Quetzal – dürfte eher unwahrscheinlich sein. Wer sich darauf freut, den prächtigen Bergwaldbewohner zu Gesicht zu bekommen, hat sicherlich in Costa Rica oder Panama weitaus bessere Chancen, gilt er doch in Guatemala als weitgehend ausgestorben.
Das “Land der Maya” schließlich lässt uns an eine untergegangene Kultur denken, deren legendäre Ruinen im Regenwald des Petén verborgen liegen, allen voran Tikal, das als einzige Stätte weltweit die Titel Weltkulturerbe und Weltnaturerbe zugleich tragen darf. Tatsächlich aber ist die Kultur der Maya in Guatemala noch höchst lebendig, ihre Nachfahren stellen die Bevölkerungsmehrheit und haben ihre Traditionen und Bräuche auch im 21. Jahrhundert bewahrt. Die Märkte von Chichicastenango oder Todos Santos sind hierfür ein ebenso eindrucksvoller Beleg wie die zahllosen Feste, an denen Tänzer, Sänger und Musiker in traditioneller Kleidung und Kostümen von schier unglaublicher Farbenvielfalt teilnehmen. Unvergesslich bleiben allen Zuschauern die Prozessionen der Osterwoche, in der die Straßen Antiguas und anderer Städte und Dörfer von kunstvollen Teppichen aus buntgefärbten Sägespänen, Blumen, Blütenblättern, Beeren und Früchten bedeckt sind.
Guatemala ist ein Land von großer landschaftlicher Schönheit. Eine Reihe aktiver Vulkane bildet das Rückgrat des westlichen Hochlandes. Der Lago Atitlán gilt als einer der schönsten Seen der Welt. An seinem Nordufer liegt Gringotenango, im Quiché-Dialekt der Ort der Gringos, wie die Einheimischen Panajachel, die Traveler-Oase mit ihren zahllosen Hotels, Restaurants und Andenkenläden verballhornend nennen. Die ehemalige Hauptstadt Antigua mit ihrer unvergleichlichen Lage, die noch in den Ruinen ihrer Kirchen und Barockfassaden die ganze Pracht des spanischen Kolonialreiches bewahrt hat, die bizarren Kalksteinhöhlen von Lanquín und die natürlichen Badepools und Felsformationen von Semuc Champey, der tropische Flusslauf des Rio Dulce, die Regenwälder des Petén mit den Mayastätten El Ceibal, El Zotz und El Mirador, die mächtige Gebirgskette der Sierra de Cuchumatanes und nicht zuletzt zwei Küsten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: die Karibik-Enklave Livingston mit ihrer typischen Atmosphäre und die schwarzen, unberührten Pazifikstrände. Viele erfahrene Lateinamerika-Reisende beantworten die Frage nach dem Land, in das sie immer wieder gerne zurückkehren werden, spontan mit “Guatemala!” und die Zusatzfrage, was Guatemala denn so besonders mache, mit “die Menschen”.