Chichicastenango

Der Besuch eines der berühmtesten Märkte Mittelamerikas gehört zum ‚Pflichtprogramm‘ jeder Guatemalareise.

An Markttagen platzt der Ort im Quiché-Hochland aus allen Nähten. Mehr als tausend Händler und ein Vielfaches an Besuchern, darunter eine stetig wachsende Zahl von (Tages-)Touristen, kommen donnerstags und sonntags nach „Chichi“, wie das einstige Tziguan Tinamit meist verkürzt genannt wird.
Die Stufen der Kirche Santo Tomás – Überreste einer Tempelplattform der Maya – verwandeln sich dann in ein Blumenmeer, über dem Rauchschwaden des rituell verbrannten Kopal-Harzes liegen.
Auch wenn es Neuankömmlingen nicht unmittelbar auffällt, ist Chichicastenangos Markt hochgradig organisiert. Noch in der Nacht bauen die Händler ihre Stände an den Stellen auf, die für die betreffenden Produkte, die verkauft werden sollen, vorgesehen sind. So haben die Obst- und Gemüsehändler ebenso ihr angestammtes Areal wie die Verkäufer von Keramik. Holzarbeiten, Gewürzen und Heilpflanzen, Kerzen, Weihrauch, Ferkeln, Hühnern oder Werkzeugen aller Art. Im zentralen Bereich des Marktes versammeln sich die „comedores“, Essensstände, an denen sich Touristen besser nicht verpflegen sollten, da die Qualität des Wassers, mit denen die Speisen zubereitet werden, den meisten nachhaltig auf den Magen schlagen dürfte.
Ein netter Ort, um dem Marktgewühl vorübergehend zu entkommen und es dennoch weiterhin zu beobachten ist das kleine Café „Casa San Juan – Comida y Arte“ an der Plaza.
Die Herkunft der Marktteilnehmer aus allen Landesteilen lässt sich in Chichicastenango, wie kaum irgendwo anders in Guatemala, an der Vielfalt der Trachten, die Frauen und Männer tragen, ablesen.
Dass Chichicastenango über die Bedeutung seines Marktes hinaus auch ein wichtiges spirituelles Zentrum der Quiché-Maya ist, verdankt es auch dem Fund des Popol Vuh, jener legendären Handschrift, die als heiliges Buch der Maya gilt. Die älteste, bis heute bekannte Kopie wurde hier zu Beginn des 18.Jahrhunderts im Dominikanerkloster hinter der Kirche Santo Tomás entdeckt und von Pater Francisco Ximénez übersetzt. Dem wertvollen Schriftstück, das neben dem Schöpfungsmythos der Quiché-Maya auch Verhaltensregeln enthält, ist auch ein kleines Museum gewidmet. Besucher sind angehalten, die Kirche nur durch den Seiteneingang zu betreten.
Ein wichtiges rituelles Zentrum ist der außerhalb Chichicastenangos gelegene Inschriftenstein “Pascual Abaj”, auf dem Taten des Windgottes Tuhil (Huracan) festgehalten sind. Hier erbitten Einheimische mit Hilfe von Schamanen und Opfergaben um die Lösung ihrer Probleme wie z.B. Krankheiten, Armut oder Kinderlosigkeit.