Der 1794 in Jalapa geborene Antonio López de Santa Ana sollte zu einer der schillerndsten Figuren der mexikanischen Geschichte werden. Seine wechselvolle militärische Karriere begann noch in der spanischen Armee, in der er es zum Hauptmann brachte. Er kämpfte auf beiden Seiten jedes politischen Konfliktes seiner Zeit. So unterstützte er zunächst Iturbide im mexikanischen Unabhängigkeitskrieg, um sich wenig später an seinem Sturz zu beteiligen, kämpfte dann mit Guerrero und war auch an dessen Absetzung beteiligt.

Antonio López de Santa Ana, By Carlos Paris (http://www.inehrm.gob.mx/) [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAntonio_L%C3%B3pez_de_Santa_Anna%2C_siglo_XIX%2C_%C3%B3leo_sobre_tela.png">via Wikimedia Commons</a>

Antonio López de Santa Ana, by Carlos Paris (www.inehrm.gob.mx/) [Public domain], via Wikimedia Commons

Breites Ansehen und den Beinamen „Held von Tampico“ trug ihm sein Erfolg gegen die spanischen Truppen und deren Versuch einer Rückeroberung der abtrünnigen Kolonie ein. Von der Welle dieses militärischen Erfolges wurde Santa Ana als Föderalist und Gegner der katholischen Kirche 1833 ins Präsidentenamt getragen, das er jedoch bald an seinen Stellvertreter abgab, um sich auf seine Hacienda nahe Veracruz zurückzuziehen. 1836 machte sich Santa Ana daran, in Texas Geschichte zu schreiben. Er befehligte die Strafexpedition gegen die abtrünnigen Siedler von Alamo, die er vernichtend schlug, um wenig später selbst Sam Houstons Truppen in die Hände zu fallen, während er – ohne Wachposten aufgestellt zu haben – unter einem Baum am San Jacinto Fluss Siesta hielt. Er wurde nach Washington gebracht, wo er ein Abkommen unterzeichnen musste, das die Unabhängigkeit Texas‘ garantierte und Mexiko den Verlust eines riesigen Territoriums einbrachte. In Schande und verbittert kehrte Santa Ana nach Mexiko und auf seine Hacienda zurück.

Die Prothese Santa Ana’s

Die Prothese Santa Ana’s

1838 brachte ein aberwitziger Krieg, der “Guerra de los Pasteles” oder “Kuchenkrieg”, Santa Ana wieder ins Geschäft: ein französischer Bäcker erhob den Vorwurf, sein Laden in Mexiko Stadt sei von Soldaten geplündert worden, und die mexikanische Regierung schulde ihm eine Kompensation. Hinter ihm stand die französische Regierung, die Mexiko zu einem Handelsabkommen zwingen wollte und nicht davor zurückschreckte, Veracruz zu bombardieren. Während der Verteidigung verlor Santa Ana seinen linken Unterschenkel, gewann aber als begnadeter Selbst-Inszenator neuen militärischen Ruhm als Held von Veracruz, der das Debakel von San Jacinto vergessen machte.

1841 beschloss Santa Ana, persönlich die Macht zu übernehmen und zog stilgemäß in einer von vier weißen Pferden gezogenen Luxuskutsche in Mexiko-Stadt ein. Massive Steuererhöhungen und der Verkauf wertloser Minen-Anteile an ausländische Investoren sorgten vorübergehend für steigende Einnahmen, die jedoch prompt durch ausladende Feierlichkeiten und andere Extravaganzen aufgebraucht waren. Als die Geldquellen versiegten und seine Armee vergeblich auf ihren Sold wartete, trieb ihn eine Rebellion 1845 zunächst in die heimischen Berge und schließlich ins kubanische Exil, verbunden mit der Auflage, dem mexikanischen Territorium mindestens 10 Jahre lang fern zu bleiben. Zu dieser Zeit hatte Santa Anna gerade sein zweite Frau, die 15 jährige María Dolores Tosta geheiratet.
Santa Ana benötigte gerade mal ein Jahr, um den damaligen US-Präsidenten James K. Polk davon zu überzeugen, dass er der Einzige sei, dem es gelingen könnte, den Streit zwischen den USA und Mexiko über Texas beizulegen und den us-amerikanischen Interessen am Erwerb mexikanischen Territoriums entgegenzukommen. Unter dem Geleitschutz amerikanischer Kriegsschiffe kehrte Santa Ana nach Veracruz zurück. Kaum hatte der Rückkehrer einen Fuß an Land gesetzt, begann er, den Widerstand gegen die Annexion Texas‘ durch die USA zu organisieren. Wie es das Schicksal wollte, war zu diesem Zeitpunkt gerade Santa Anas ehemaliger Vizepräsident Valentín Gómez Farías an der Macht. Dieser ernannte Santa Ana prompt zum Generalissimo der mexikanischen Streitkräfte. Die unvermeidliche Niederlage gegen die gut organisierten und ausgerüsteten US-Truppen im mexikanisch-amerikanischen Krieg, der mit der Einnahme von Mexiko-Stadt endete, kostete Mexiko annähernd die Hälfte seines Territoriums und wurde Santa Ana angelastet. So ging dieser 1848 erneut ins Exil – zunächst nach Jamaika und anschließend nach Kolumbien. Hier baute er sich einen neuen Besitz auf und wartete, dass seine Landsleute Mexiko so weit heruntergewirtschaftet haben würden, dass man ihn erneut „rufen“ werde.
Schon 1853 war es soweit: Santa Ana kehrte als „Übergangsdiktator“ nach Mexiko zurück.
Dort hatten im Januar des Jahres erneut die Konservativen die Macht übernommen und ihre alte Idee, einen europäischen Prinzen als mexikanischen König zu installieren, wieder aufgegriffen. Für die Übergangszeit erschien Santa Ana als der geeignete Mann, um angesichts der witschaftlichen Dauerkrise die Ruhe im Land mit militärischen Mitteln zu sichern. Als mit Alamán der Initiator dieses riskanten Plans im Juni starb, geriet Santa Ana ausser Kontrolle: erneut ruinierte er die Staatsfinanzen mit seinen Extravaganzen. Akute Geldnot verleitete ihn schließlich dazu, einen kleinen Teil des mexikanischen Territoriums an die verhassten USA zu verkaufen. Einer Junta von Liberalen, unter ihnen der junge Benito Juárez, gelang es daraufhin, ausreichenden Widerstand gegen Santa Ana zu organisieren, um ihn 1854 erneut ins Exil zu schicken.
Als der Habsburger Erzherzog Maximilian mit französischer Unterstützung das mexikanische Empire regierte, kehrte Santa Ana zunächst 1864 und 1867, erneut mit us-amerikanischer Unterstützung, tatsächlich in sein Heimatland zurück, wo er sich Juárez, den er einst verhaftet hatte, als Kampfgenosse gegen Maximilian anbot. Juárez lehnte ab und schickte Santa Ana prompt ins kubanische Exil zurück. Erst nach Juárez‘ Tod wurde dem 79 Jährigen die endgültige Rückkehr nach Mexiko gestattet. Nachdem er erfolglos eine staatliche Pension aufgrund seiner Verdienste um das Land gefordert hatte, war der mittlerweile verarmte Santa Ana bis zu seinem Tod von den finanziellen Zuwendungen seiner Freunde und Verwandten, vor allem seines Schwiegersohnes, abhängig.

Santa Ana hat in seinem Leben mehr Schlachten geschlagen als Napoleon und Georg Washington zusammen, die wenigsten von ihnen gewonnen, war elfmal Präsident oder Diktator des bis 1836 zweitgrößten Landes der Welt, verursachte den Verlust der Hälfte des mexikanischen Staatsgebietes, wurde regelmäßig ins Exil verbannt, wo er alles in allem 20 Jahre seines Lebens verbrachte, um schließlich hochbetagt im Bett zu sterben.

Er war eine der ambivalentesten Persönlichkeiten der mexikanischen Geschichte, aber nicht das blutrünstige Monster, zu dem ihn seine politischen und militärischen Gegner gerne stilisierten.Santa Ana's Unterschrift