Fray Bentos

Fray Bentos, Hauptstadt des Departements Río Negro und einer der wichtigsten Häfen des Landes, ist ein beschauliches Städtchen, das dennoch keinen Besuch wert wäre, gäbe es nicht eine historische ‘Stadt in der Stadt’: Die ehemalige Fleischverarbeitungsfabrik Frigorífico Anglo del Uruguay am Ufer des Río Uruguay.

In seiner Blütezeit hatte El Anglo 5000 Arbeiter, unter ihnen Engländer, Belgier, Russen, Spanier und Italiener. Die Fabrik wurde 1979 endgültig geschlossen, nachdem Europa und die Vereinigten Staaten ihre Importe aus Lateinamerika zurückgefahren hatten.
Kleine Backsteinhäuser mit dicken Mauern, die sich entlang des Flussufers in Fray Bentos erstrecken, bilden das „Barrio Anglo“, in dem die Arbeiter der Fleischverarbeitung lebten und das u.a. ein Krankenhaus, eine Schule, einen Social Club und eine Fußballmannschaft beherbergte.
Der 1863 als Societe de Fray Bentos Giebert & Cie gegründete und später Liebig Extract of Meat Company (LEMCO) genannte Industriebetrieb mit seinem riesigen Kühlhaus und hohen Kesselschornstein aus Backstein, der eine Reihe von gezackten Dächern überragt, wurde als Monument einer ersten globalen Nahrungsmittelindustrie im Jahr 2015 zum Weltkulturerbe erklärt.
Im Einschreibungstext der UNESCO heißt es dazu lakonisch: Hier verbanden sich deutsche Forschung und Technologie mit englischem Unternehmertum, um Nahrungsmittel für einen globalen Markt zu liefern, unter anderem für die Armeen zweier Weltkriege im 20. Jahrhundert.