El Mirador

Die größte aller Mayastädte ist zugleich eine der ältesten und rätselhaftesten.

Zwischen 300 v. Chr. und 100 n. Chr. war El Mirador ein blühendes Handelszentrum der präklassischen Maya-Periode mit einer Bevölkerung von geschätzt mindestens 100000 Einwohnern. Im zweiten nachchristlichen Jahrhundert wurde die Stadt aufgegeben und erst in der spätklassischen Periode in wesentlich geringerem Umfang wieder besiedelt.
Das Areal, in dem die Regierungs- und Verwaltungsgebäude der Stadt angesiedelt waren, nimmt eine Fläche von mehr als 26 km2 ein und umfasst Monumentalbauten und mehrere tausend bauliche Strukturen in einer Höhe zwischen 10 und 72 Metern.
Die drei herausragenden Pyramidenkomplexe, „El Tigre“, „La Danta“ und „Los Monos“ genannt, bestehen jeweils aus einer von Menschenhand geschaffenen großen Plattform, auf der je drei Pyramiden errichtet wurden. Die „La Danta“-Pyramide besitzt bei einer Höhe von 72 Metern, vom Boden des Waldes gerechnet, ein Volumen von nahezu drei Millionen Kubikmetern, das sie zu einer der größten Pyramiden der Welt macht.
El Miradors 55m hohe „El Tigre“ Pyramide besitzt ein sechsmal so großes Bauvolumen wie Tempel IV in Tikal.
Aufgrund der bemerkenswerten Ausrichtung der verschiedenen Baugruppen gehen Archäologen davon aus, dass es sich bei El Mirador um eine von Beginn an geplante Stadt handelte.
Trotz ihrer gewaltigen Ausmaße sind El Miradors Gebäude, die nur in einem verschwindend geringen Maß freigelegt wurden, nur von geübten Blicken zu erkennen, da die sie überwuchernde Vegetation sie eher als Hügel denn als Bauwerke erscheinen lässt.
Im Umland, dem so genannten El Mirador Becken, wurden zudem 8o weitere Städte und Siedlungen entdeckt, die mit der Metropole durch die typischen weißen Hochstraßen, sacbeob genannt, verbunden waren.
Wer El Mirador heute besuchen will, muss dies zu Fuß bzw. auf Maultierrücken im Rahmen eines vier- bis fünftägigen Treks tun, oder für einen Hubschrauberflug tief in die Tasche greifen.