Tortuguero

Tortuguero ( ~der Ort an den die Schildkröten kommen) liegt in Costa Ricas karibischer Provinz Limón, etwa 40 km von der nicaraguanischen Küste entfernt und ist nur per Boot oder Flugzeug erreichbar.

Tortuguero ist ein kleines Dorf mit ca. 700 Einwohnern, das am Rand des gleichnamigen Naturschutzgebiet liegt. Das Dorf wurde erst in den 1930er Jahren von einer kolumbianischen Familie gegründet, die nach Tortuguero gekommen war, um vom Kokosnussanbau und den Meeresschildkröten zu leben. In den 1940er Jahren ließen sich amerikanische Holzfällerfirmen in Tortuguero nieder, um den Wald auszubeuten. Da nun Arbeit vorhanden war, begann die eigentliche Zuwanderung nach Tortuguero, vor allem aus Nicaragua. Die geschlagenen Baumstämme wurden über das Meer in die Provinzhauptstadt Limón transportiert, aber da die Karibik in diesem Teil sehr wild ist, waren die Verluste hoch. Ende der 1960er Jahre wurde ein 80 km langes Kanal-Flusssystem von Limón nach Tortuguero ausgebaggert, indem natürliche Flüsse mit Kanälen verbunden wurden. Bis heute sind diese Kanäle der wichtigste Transport- und Reiseweg nach Tortuguero. Ende der 1970er Jahre verließen die Holzfällerkompanien Tortuguero wieder. Nur wenige Familien blieben. Erst Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre begann eine neue Zuzugswelle, die durch den beginnenden Tourismus entfacht wurde und sich bis heute fortsetzt.

Bereits in den 1950er Jahren wählte der us-amerikanische Biologe Archie Carr Tortuguero für seine Forschung an den Meeresschildkröten aus. Damals kamen noch viele Schiffe an die Küste Tortugueros, um Tausende von Schildkröten für den Export nach USA und Europa abzuschlachten. Auf Archie Carrs Betreiben wurde Tortuguero 1975 unter Schutz gestellt. Das seitdem gewachsene Gebiet schützt den Nationalpark Tortuguero, das Waldreservat Barro Colorado mit seinem atlantischen Tieflandregenwald sowie 50000 ha der Karibik. Das Gebiet setzt sich aus mehrere Inseln und Festlandteilen zusammen. Der Ort Tortuguero liegt auf der Hauptinsel, die auf einer Seite von der Karibik und auf der anderen Seite von Süßwasser begrenzt ist. Sie ist 36 km lang, doch an ihrer breitesten Stelle misst sie nur 400 m. Der Tortuguero Nationalpark besticht durch eine einzigartige Kanal- und Lagunenlandschaft, die von dichtem Urwald gesäumt ist und damit Lebensraum für eine Vielfalt an Tieren und Pflanzen bietet. Diese Artenvielfalt und die hohen Niederschlagsmengen brachten dem Gebiet auch den Beinamen „Amazonas von Costa Rica“ ein.

In Tortuguero leben in etwa die Hälfte aller in Costa Rica vorkommenden Vogelarten (ca. 350), 6 Wildkatzenarten (Jaguar, Puma, Ozelot, Baumozelot, Wieselkatze, Ozelotkatze), Tapire, Seekühe, Pekkaris undviele andere Säugetierarten, darunter zahlreiche Fledermausarten, Oppossums, Reptilien, Amphibien und Invertebraten (Wirbellose). In Tortuguero kommen drei Affenarten, der Mantelbrüllaffe, der Weisschulterkapuzineraffe und der mittelamerikanische Klammeraffe vor. Letzterer ist am stärksten vom Aussterben bedroht, da er durch seine Nahrung (v.a. weiche Früchte, Blütenknospen und Blätter) nur in einem Wald mit großer Pflanzenvielfalt überleben kann. Andere Säuger, wie z.B. Nasenbären, Faultiere und Waschbären sind besser in jungen Sekundärwäldern zu beobachten. Dort finden sie reichlich Nahrung, da die Vielfalt zwar begrenzt ist, die wenigen Arten aber gehäufter vorkommen. Da in Tortuguero der Wald sehr dicht ist und zudem natürliche Fressfeinde existieren, sind sie hier nicht häufig zu sehen. Im Allgemeinen kann man sagen, je ursprünglicher der Regenwald, umso höher der Artenreichtum, umso niedriger die Individuendichte. Je mehr Pflanzenarten vorkommen (in Tortuguero ca. 400 Baumarten und 2000 Pflanzenarten), umso geringer ist das Nahrungsangebot für die einzelnen Spezialisten, die daher nur in kleinen Populationen vorkommen. Gerade im Regenwald haben sich viele sehr enge Lebensgemeinschaften herausgebildet, so wird z.B. jede Feigenart von einer anderen Feigenwespenart bestäubt. Oder in den Haaren des Dreifingerfaultieres lebt eine Grünalge, die das Faultier besser tarnt, jedoch mit dem Faultier in den Baumkronen dem Sonnenlicht näher kommt. Im Fell des Faultieres lebt auch eine Mottenart, die sich wiederum von der Alge ernährt. Dies bedeutet natürlich auch: Wird eine Art ausgebeutet, dann sterben andere mit, wie z.B. im Fall des Bechsteinaras, dessen Hauptnahrungsbaum überall gefällt wird.

Von den weltweit sieben Arten von Meeresschildkröten kommen vier zur Eiablage nach Tortuguero. Die Suppenschildkröten (Chelonia mydas) kommen zwischen Juni und Oktober, die mächtigen Lederschildkröten kommen zwischen Februar und Juni. Die beiden anderen Arten, die echte und unechte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata und Caretta caretta) kommen nur in sehr geringer Zahl vor. Die echte Karettschildkröte ist sehr stark vom Aussterben bedroht, da ihr Fleisch und die Eier gegessen werden, der Panzer für Kunsthandwerk, Schmuck und Brillengestelle verwendet wird. Die echte Karettschildkröte kommt zwischen April bis Oktober, die unechte Karettschildkröte zwischen April und Mai, jedoch wurden in den letzten Jahren keine Weibchen der unechten Karettschildkröte bei der Eiablage beobachtet.