Hintergrund

Kolumbus „entdeckte“ die „reiche Küste“ auf seiner vierten und letzten Reise 1502, als er nahe der spä- teren Hafenstadt Puerto Limón vor Anker ging.

Eine erste Besiedlung Costa Ricas begann 1522, aber erst 1561 wurde von Nicaragua aus eine Expedition in das zentrale Hochtal unternommen, das in den kommenden Jahrhunderten zum ökonomischen Zentrum des Landes werden sollte. Juan Vásquez de Coronado, Costa Ricas wichtigster “Conquistador”, versorgte im Laufe seiner Expedition von 1562 die ersten, um ihre Existenz kämpfenden Siedlungen mit Vorräten und neuen Siedlern. Auf seine Initiative geht auch die Gründung der ersten Hauptstadt – Cartago – im Jahr 1564 zurück. Während der nächsten drei Jahrhunderte verwaltete die Spanische Krone das Gebiet als Teil des Generalkapitanats Guatemala.

Entgegen der optimistischen Namensgebung fanden die spanischen „Eroberer“ nur wenig Gold oder andere wertvolle Rohstoffe.
Die Siedler wandten sich (notgedrungen?) der Landwirtschaft zu. Anders als in seinen heutigen Nachbarländern, in denen der feudal legitimierte Großgrundbesitz dominierte, entstand in Costa Rica eine autonome Agrargesellschaft: Der individuelle Landbesitz war relativ klein, die Bauern entsprechend arm, Großgrundbesitz konnte sich ohne einheimische oder importierte Arbeitskräfte oder Sklaven nicht herausbilden.
Entsprechend gering blieben die Unterschiede zwischen Arm und Reich. „Dank“ des ökonomischen Misserfolgs und seiner Entfernung zu den Machtzentren des spanischen Kolonialreichs in Mexiko und Südamerika, verwaltete sich Costa Rica faktisch selbst.
Selbst die Nachricht von der Unabhängigkeit am 15.September 1821 erreichte das entlegene Costa Rica erst mit einem Monat Verspätung.

Zwar waren die mittelamerikanischen Kolonien nun offiziell unabhängig von der spanischen Kolonialmacht, doch bis 1823 gehörten sie nun formal zu Iturbides mexikanischem Kaiserreich. Mit der Loslösung von Mexiko entstand die zentralamerikanische Föderation, der neben 17 der 18 Provinzen Guatemalas auch Honduras, Nicaragua, El Salvador und Costa Rica angehörten. Im Jahr 1823 Jahr löste San José das wiederholt von Erdbeben zerstörte Cartago als Hauptstadt ab. Ideologische Gegensätze zwischen den Positionen der Konservativen und Liberalen, wie die beiden politischen Hauptströmungen des nachkolonialen Lateinamerika genannt werden, sowie Grenzstreitig- keiten zwischen den Mitgliedsstaaten, prägten diese zentralamerikanische Föderation. Da der Handel mit Europa in Costa Rica (noch) keine zentrale Rolle spielte, blieb der politische Einfluss der Liberalen, die sich vor allem für eine liberale Handelspolitik einsetzten, gering. Die Geschicke des Landes wurden weitgehend von den konservativen Städten im zentralen Hochtal bestimmt. Erstes Staatsoberhaupt wurde 1824 der vom Kongress gewählte Juan Mora Fernández, dessen Regierungszeit als Phase der ökonomischen und staatlichen Stabilität gilt. In seine Zeit fiel auch der Beginn des Kaffeeanbaus.