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1. Vor der spanischen Eroberung – ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung

Anders als in den übrigen mittelamerikanischen Ländern, ist die heutige Bevölkerung Costa Ricas keine Mestizen-Bevölkerung, sondern ganz überwiegend europäischer bzw. spanischer Abstammung.

Nur wenige der 300.000 Indigenas, die den spanischen Kolonisatoren zum Teil erbitterten Widerstand leisteten, überlebten den Kulturkontakt mit den Europäern. Die große Mehrheit starb an eingeschleppten Infektionskrankheiten wie Windpocken. Bereits um 1700 galt die „indianische“ Bevölkerung Costa Ricas als faktisch ausgerottet. Heute liegt ihre Zahl mit knapp 30.000 Menschen bei unter einem Prozent der Bevölkerung. Nachfahren jamaikanischer Migranten aus dem 19.Jahrhundert stellen heute die englischsprachige Minderheit, deren Zahl oder Bevölkerungsanteil bei 100.000 bzw. 3 Prozent liegt.

Diquis - See page for author [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Diquis – See page for author CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons

Vor Ankunft der Spanier war Costa Rica überwiegend von vier ethnischen Gruppen besiedelt: den Kariben entlang der Atlantikküste, den aus Kolumbien eingewanderten Chibchas, die im zentralpazifischen Raum lebten, den aus Südmexiko stammenden Chorotegas in der Guanacaste – Provinz und auf der Nicoya-Halbinsel und schließlich den Diquis an der südlichen Pazifikküste. Die Diquis schufen auch jene makellosen Steinkugeln, die in unterschiedlichsten Größen noch in ihrem früheren Siedlungsgebiet anzutreffen sind.

Die Frage nach deren einstiger Bedeutung und Funktion gibt bis heute Rätsel auf. Neben diesen Steinsphären der Diquis sind nur wenige Artefakte der indigenen Kulturen erhalten. Anders als im Gebiet der Maya, wurden in Costa Rica keine imposanten Zeremonialbauten errichtet.
Die bedeutendste archäologische Stätte Costa Ricas ist das zum Nationalpark erhobene Guayabo.

Metate mit Jaguarkopf, Bild: Marie-Lan Nguyen [CC BY 2.5], via Wikimedia Commons

Metate mit Jaguarkopf, Bild: Marie-Lan Nguyen CC BY 2.5 via Wikimedia Commons

Die Blütezeit dieser Stadt, die seit 1000 v. Chr. besiedelt war, wird auf den Zeitraum zwischen 300 und 700 n.Chr. datiert. Aus dieser Zeit stammen auch die Gebäudereste und Aquädukte, die man heute besichtigen kann. Kulturell ist die Stätte nicht eindeutig zuzuordnen, es gibt sowohl Hinweise auf südamerikanische Einflüsse, als auch Elemente, die auf einen intensiven Kontakt mit den mesoamerikanischen Hochkulturen der Olmeken und Nahua-Gruppen hinweisen.
Von herausragender Bedeutung ist die Kunstfertigkeit der Jade-Verarbeitung unter den Chorotega. Der kostbare Rohstoff wurde in den Amerikas nur in einer einzigen Mine, der im guatemaltekischen Montagua-Tal, abgebaut. Auf welchen Handelswegen die – auch von den Azteken und Maya – hochgeschätzte Jade nach Costa Rica gelangte, ist ungeklärt. Viele der schönsten Jadearbeiten befinden sich heute im Jade-Museum von San José.

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2. Von der spanischen Kolonie zur Unabhängigkeit

Kolumbus „entdeckte“ die „reiche Küste“ auf seiner vierten und letzten Reise 1502, als er nahe der spä- teren Hafenstadt Puerto Limón vor Anker ging.

Eine erste Besiedlung Costa Ricas begann 1522, aber erst 1561 wurde von Nicaragua aus eine Expedition in das zentrale Hochtal unternommen, das in den kommenden Jahrhunderten zum ökonomischen Zentrum des Landes werden sollte. Juan Vásquez de Coronado, Costa Ricas wichtigster “Conquistador”, versorgte im Laufe seiner Expedition von 1562 die ersten, um ihre Existenz kämpfenden Siedlungen mit Vorräten und neuen Siedlern. Auf seine Initiative geht auch die Gründung der ersten Hauptstadt – Cartago – im Jahr 1564 zurück. Während der nächsten drei Jahrhunderte verwaltete die Spanische Krone das Gebiet als Teil des Generalkapitanats Guatemala.

Entgegen der optimistischen Namensgebung fanden die spanischen „Eroberer“ nur wenig Gold oder andere wertvolle Rohstoffe.
Die Siedler wandten sich (notgedrungen?) der Landwirtschaft zu. Anders als in seinen heutigen Nachbarländern, in denen der feudal legitimierte Großgrundbesitz dominierte, entstand in Costa Rica eine autonome Agrargesellschaft: Der individuelle Landbesitz war relativ klein, die Bauern entsprechend arm, Großgrundbesitz konnte sich ohne einheimische oder importierte Arbeitskräfte oder Sklaven nicht herausbilden.
Entsprechend gering blieben die Unterschiede zwischen Arm und Reich. „Dank“ des ökonomischen Misserfolgs und seiner Entfernung zu den Machtzentren des spanischen Kolonialreichs in Mexiko und Südamerika, verwaltete sich Costa Rica faktisch selbst.
Selbst die Nachricht von der Unabhängigkeit am 15.September 1821 erreichte das entlegene Costa Rica erst mit einem Monat Verspätung.

Zwar waren die mittelamerikanischen Kolonien nun offiziell unabhängig von der spanischen Kolonialmacht, doch bis 1823 gehörten sie nun formal zu Iturbides mexikanischem Kaiserreich. Mit der Loslösung von Mexiko entstand die zentralamerikanische Föderation, der neben 17 der 18 Provinzen Guatemalas auch Honduras, Nicaragua, El Salvador und Costa Rica angehörten. Im Jahr 1823 Jahr löste San José das wiederholt von Erdbeben zerstörte Cartago als Hauptstadt ab. Ideologische Gegensätze zwischen den Positionen der Konservativen und Liberalen, wie die beiden politischen Hauptströmungen des nachkolonialen Lateinamerika genannt werden, sowie Grenzstreitig- keiten zwischen den Mitgliedsstaaten, prägten diese zentralamerikanische Föderation. Da der Handel mit Europa in Costa Rica (noch) keine zentrale Rolle spielte, blieb der politische Einfluss der Liberalen, die sich vor allem für eine liberale Handelspolitik einsetzten, gering. Die Geschicke des Landes wurden weitgehend von den konservativen Städten im zentralen Hochtal bestimmt. Erstes Staatsoberhaupt wurde 1824 der vom Kongress gewählte Juan Mora Fernández, dessen Regierungszeit als Phase der ökonomischen und staatlichen Stabilität gilt. In seine Zeit fiel auch der Beginn des Kaffeeanbaus.

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3. Kaffee – Costa Ricas spätes Gold bestimmt das 19. Jahrhundert

Erst 1841, lange nachdem die Föderation 1838 mit der Niederlage des Liberalen Francisco Morazán gegen den Konservativen Rafael Carrera praktisch gescheitert war, trat Costa Rica aus dem Staatenbund aus. Es erklärte seine Unabhängigkeit, und in einer entsprechenden Deklaration von 1848 wurde die Republik Costa Rica schließlich formal bestätigt.
In den Jahren 1835 bis 1842 wurde Costa Rica von Braulio Carillo diktatorisch regiert.

Francisco Morazán

Francisco Morazán

Als Anhänger nationaler Unabhängigkeit unterlag er 1842 den Kräften um Morazán, der aus seinem kolumbianischen Exil zurückgekehrt war, um einen letzten Versuch zur Wiederherstellung der zentralamerikanischen Föderation zu unternehmen. Morazán wurde kurzzeitig wieder als Präsident der Föderation eingesetzt, doch als er begann, Steuern zur Aufstellung eines costaricanischen Heeres zur Sicherung des Staatenbundes einzutreiben, verlor er die Unterstützung der Bevölkerung. Im Rahmen eines konservativen Aufstandes wurde Morazán gestürzt und am Unabhängigkeitstag in San Josés Parque Central öffentlich erschossen.

Erst der zunehmende Kaffeeanbau und -export bewirkten grundlegende Veränderungen in der bis dahin bäuerlichen costaricanischen Gesellschaft.

Immer mehr landwirtschaftliche Subsistenzbetriebe wurden zu Kaffeeplantagen, so dass Nahrungsmittel, die zuvor selbst produziert worden waren, nun – überwiegend aus Nicaragua – importiert werden mussten. Mit der Industrialisierung des Kaffeeanbaus wuchs zum einen der Bedarf an Arbeitskräften schlagartig, zum anderen bildete sich eine auch politisch dominante Kaffee-Aristokratie aus. Damit waren die Grundlagen der kapitalistischen Gesellschaft auch in Costa Rica gelegt.
Zum entscheidenden Durchbruch 1843 verhalf ihr der englische Kapitän William Le Lacheur Lyon, der, anstatt Ballast für die Rückfahrt nach England zu laden, sich für Säcke mit Kaffeebohnen entschied und so zum Pionier des Direktexportes von costaricanischem Kaffee nach Europa wurde.
Zuvor waren große Teile der Ernte zunächst nach Chile verschifft worden, wo sie umgepackt und als  “Café Chileno de Valparaíso” nach England weiterverkauft wurden. Zwischen 1843 und 1880 stieg der Anteil des Kaffees am Gesamtexport des Landes auf 85 bis 95 Prozent.
Binnen eines halben Jahrhunderts war Costa Rica vom Armenhaus zum wohlhabendsten Land Mittelamerikas aufgestiegen und hatte seine – in blutige Bürgerkriege verstrickten – Nachbarn überflügelt.

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4. Die Eisenbahn macht Costa Rica zur Bananenrepublik

Mitte des 19. Jahrhunderst musste sich Costa Rica, wie andere zentralamerikanische Länder auch, den Angriffen us-amerikanischer Söldner um William Walker erwehren.

Juan Santamaria, By Rodrigo Fernández (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Juan Santamaría, By Rodrigo Fernández (Own work) CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Costaricanische Truppen schlugen Walker und dessen marodierenden Gefolgsleute 1853 in der Schlacht von Santa Rosa und Rivas. Einen entscheidenden Beitrag leistete der junge Juan Santamaría, Trommler im kleinen Heer der Provinz Alajuela. Er setzte todesmutig das Versteck der Bande, ein aus Holz gebautes Fort, in Brand und zwang die Invasoren so zur Flucht.
Diese Tat machte ihn posthum zum Volkshelden Costa Ricas. (Nach ihm ist z.B. der internationale Flughafen von San José benannt.) Juan Rafael Mora Porras, Präsident von Gnaden der Kaffeebarone, wurde, trotz seines militärischen Erfolges über William Walker, 1859 in einem (unblutigen) Staatsstreich gestürzt und 1860 hingerichtet.
Ironischerweise teilte er damit nahezu zeitgleich das Schicksal seines Widersachers Walker, der im selben Jahr im honduranischen Trujillo vor einem Erschießungskommando endete.
1870 setzte ausgerechnet ein “liberaler Diktator” der Herrschaft der “Cafetaleros” ein vorläufiges Ende. Tomás Guardia unterzog Costa Rica einer strikten Modernisierungspolitik, die, um den Preis bürgerlicher Freiheiten und eines massiven Staatsdefizits von 20 Millionen US-Dollar, die Basis für künftigen wirtschaftlichen Fortschritt und Wohlstand legte. Eine Verfassungsreform ermöglichte der Regierung die Kontrolle über das Militär, die Todesstrafe wurde abgeschafft und die allgemeine und kostenlose Schulpflicht für Jungen und Mädchen eingeführt. Die Einkünfte aus dem Kaffee–Export wurden mit Steuern belegt, mit denen öffentliche Aufgaben finanziert werden sollten.
Guardia war es auch, der die Konzession zum Bau einer Bahnlinie vom zentralen Hochtal zum Atlantik an Minor Cooper Keith vergab.
Dass damit Costa Ricas Weg zur Bananenrepublik geebnet werden würde, war nicht Bestandteil des Projekts, schließlich sollte vor allem der Kaffee-Export erleichtert werden. Mit dem Transport der Kaffee-Ernte zum Atlantikhafen Puerto Limón, entfiel auf dem Weg zu den europäischen Märkten der riskante Seeweg um Kap Hoorn.
Doch mit der Konzession zum Eisenbahnbau erhielten Minor Keith und seine Partner auch 300.000 Hektar Land entlang der geplanten Strecke …
Der Bau der Eisenbahnlinie war nicht nur von technischen Rückschlägen, die den schwierigen topographischen Bedingungen zuzuschreiben waren, begleitet. Weitaus dramatischer war die hohe Zahl an Toten, die neben den schlechten Arbeitsbedingungen vor allem das tropische Klima forderte. Waren es zunächst 1000 chinesische und jamaikanische Arbeitskräfte, sowie 500 Arbeiter von den Kapverden gewesen, die für den Bau ins Land geholt wurden, folgten ihnen in einer zweiten Welle weitere 1500 Arbeiter, darunter auch 762 Italiener nach. Letztlich waren aber nur die afro-karibischen Arbeiter im Stande, den mörderischen Arbeitsbedingungen und Tropenkrankheiten zu trotzen. 5000 Menschenleben kostete schließlich der Bau der Bahnlinie. Unter den Toten waren auch Minor Keith’ Partner und sein Bruder.

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5. Weltwirtschaftskrise und Reformen

Während des Eisenbahnbaus wurden Bananen entlang der Strecke zunächst nur als billige und allzeit verfüg- bare Nahrungsmittel für die Arbeiter angebaut.

Doch schon bald wurden aus dem großzügigen Landgeschenk der costaricanischen Regierung Bananenplantagen. Deren Erträge konnten nach Fertigstellung der Bahnlinie 1890 ebenso zu den Verschiffungshäfen gebracht werden, wie der Kaffee des zentralen Hochlandes.
Anders als beim Kaffee, mit dessen Anbau auch Kleinbauern gutes Geld verdienen konnten, blieb jedoch von den Erträgen des Bananenanbaus kaum etwas im Land.
Stattdessen bestimmten bald die Interessen internationaler Konzerne, allen voran die der United Fruit Company (UFC), die Politik vieler lateinamerikanischer Länder bis weit ins 20.Jahrhundert hinein. In dem Maße, in dem die UFC den internationalen Bananenmarkt dominierte, wuchs auch die Abhängigkeit des costaricanischen Handels von den USA und Großbritannien.
Die Arbeitskräfte der Bananenplantagen kamen, wie die Eisenbahnarbeiter zuvor, erneut aus Jamaika. Sie wurden in der noch immer isolierten und dünn besiedelten atlantischen Küstenregion schnell zur dominierenden Kultur.

Um 1913 war Costa Rica weltgrößter Bananenexporteur. Im selben Jahr musste die UFC ihre Produktion teilweise auf Kakao umstellen, da ein als “Panama-Krankheit” bekannter Pilzbefall grosse Teile der Bananenkulturen vernichtet hatte. Schon 1925 stand Kakao an dritter Stelle der Exportgüter des Landes.

Dennoch bestimmte weiterhin der Kaffee, bzw. dessen schwankende Weltmarktpreise, die costaricanische Wirtschaft. So traf denn auch die Weltwirtschaftskrise Costa Rica 1930 mit voller Wucht. Die Bananen- und Kaffeeexporte gingen drastisch zurück, entsprechend weniger Güter konnten importiert werden. Da ein Großteil der staatlichen Einnahmen aus Steuern auf Importe bestand, sanken auch sie dramatisch. Hohe Arbeitslosigkeit, sinkende Löhne und Einkommen, sowie eine Nahrungsmittelknappheit kennzeichneten die Krise. Bereits vor deren Ausbruch hatten städtische Arbeiter und Tausende Bananeros mit zunehmender Vehemenz die Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen gefordert. Auf dem Höhepunkt der Krise wurde schließlich die Kommunistische Partei Costa Ricas zum Sprachrohr der Arbeiter. Mit massiven Streiks demonstrierte sie 1934 ihre Macht und sandte ein deutliches Warnsignal an die traditionellen Eliten.

By Harris-Ewing [Public domain], via Wikimedia Commons

Rafael Calderón Guardia (2. v. r.) By Harris-Ewing [Public domain], via Wikimedia Commons

Doch erst 1940, nach dem überwältigenden Wahlsieg Rafael Calderón Guardias, dem Kandidaten und Gründer der christlich sozialistischen Partei (PUSC), kam es zu wesentlichen Reformen.
Es wurde eine Sozialversicherung geschaffen und der Verfassung soziale Garantien angefügt. Zu diesen Garantien gehörten das Recht auf Arbeit, Mindestlöhne, der Achtstundentag, eine 48Stundenwoche, bezahlter Urlaub, das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren und zu streiken, eine Sozialversicherung, sowie die Schaffung von Arbeitsgerichten.

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6. Ein Bürgerkrieg, eine neue Verfassung und das Ende des Militärs

Mit seiner Sozialgesetzgebung, mehr noch aber mit seiner Steuerpolitik, machte sich Calderón weite Teile der Oligarchie zum Feind.

By fototeca.iiccr.ro [Attribution], via Wikimedia Commons

José Figueres Ferrer, By fototeca.iiccr.ro, via Wikimedia Commons

Zu seinem profiliertesten Gegner sollte im Rahmen der Wahlen von 1948, bei denen Calderón nach vierjähriger Abstinenz für eine zweite Amtszeit kandidierte, der Kaffee-Farmer José Figueres Ferrer, alias „Don Pepe“, werden.
Nach einem umstrittenen Wahlausgang, der den Oppositionskandidaten Otilio Ulate als Sieger sah, annullierte der von Calderón–Anhängern dominierte Kongress die Wahlen. Daraufhin kam es zu einem bewaffneten Aufstand unter der Führung Figueres Ferrers’, der sich zu einem sechswöchigen Bürgerkrieg ausweitete.

Die Junta um Figueres Ferrer setzte sich durch. Am 1.Mai 1948 wurde der “Figueres-Ulate Pakt” besiegelt, nach dem die Junta für 18 Monate regieren und anschließend die Macht an den Wahlsieger – Otilio Ulate – übergeben sollte. Erstaunlich genug im lateinamerikanischen Kontext, wurde diese Vereinbarung pünktlich zum 8.November 1949 erfüllt.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Figueres Ferrer eine autoritäre und antikommunistische Interimsregierung installiert, die tiefgreifende Reformen durchsetzte: Sie verbot die Kommunistische Partei, verstaatlichte das Bankensystem, führte eine 10 prozentige Mehrwertsteuer ein und schaffte das Militär zugunsten einer kleinen Nationalgarde ab.
Erst in der neuen Verfassung der “Zweiten Republik” von 1949 erhielten die afro-karibische Minderheit die vollen Bürgerrechte und Frauen das uneingeschränkte Wahlrecht.
Figueres Ferrer blieb die dominierende politische Figur Costa Ricas in der 2.Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1953 und 1970 wurde er zum Staastoberhaupt gewählt.

 

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7. Die Revolution im Nachbarland wird zur Zerreissprobe

José Figueres Ferrers und andere, überwiegend konservative Regierungen stärkten die Rolle des Staates im Gemeinwesen und verbesserten die Infrastruktur des Landes. Dies trug zweifellos zur politischen und ökonomischen Stabilität bei, für die Costa Rica bis heute gerühmt wird. Zugleich beförderte diese Politik aber auch eine wachsende, und in Teilen wuchernde Bürokratie, sowie eine stetig steigende Staatsverschuldung.
Im Kontext der sandinistischen Revolution im benachbarten Nicaragua unterstützte Costa Rica zunächst stillschweigend die Somoza Gegner.

Oscar Arias Sánchez, By Official White House Photo by Lawrence Jackson (Crop of File:Oscar Arias Sanchez with Obamas.jpg) [Public domain], via Wikimedia Commons

Oscar Arias Sánchez, By Official White House Photo by Lawrence Jackson (Crop of File:Oscar Arias Sanchez with Obamas.jpg) [Public domain], via Wikimedia Commons

Einige Guerilla-Gruppen operierten von grenznahem costaricanischem Territorium, und nicht wenige Costaricaner schlossen sich dem bewaffneten Kampf der Sandinisten an. Wie die übrigen zentralamerikanischen Staaten auch, geriet die Regierung Costa Ricas, vor allem seit dem Amtsantritt Ronald Reagans, unter massiven Druck von Seiten der USA. Unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise der frühen achtziger Jahre gab Costa Rica zunächst der Reagan’schen Contra-Politik nach. Vor dem Hintergrund eines möglichen Krieges, der die gesamte Region zu erfassen drohte, führte 1986 Oscar Arias Sánchez seinen Präsidentschaftswahlkampf. Erbost über die us-amerikanischen Versuche, die Neutralität Costa Ricas zu unterminieren, machte er den Frieden in Mittelamerika erfolgreich zum Wahlkampfthema. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt widmete sich Arías Sánchez “seinem” Friedensplan für die Länder Honduras, El Salvador, Nicaragua und Guatemala, der nicht zuletzt den us-amerikanischen Einfluss in Mittelamerika zurückdrängen sollte. Ein entsprechendes Abkommen wurde am 7. August 1987 im guatemaltekischen Wallfahrtsort Esquipulas unterzeichnet.
Im selben Jahr erhielt Arias den Friedensnobelpreis.

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8. Die Touristen kommen und jüngste Entwicklungen

Im Laufe der 1990er Jahre wurde der Tourismus zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor für Costa Rica.

Doch anders als viele andere Ländern verstanden es die costaricanischen Regierungen, ungeachtet ihrer jeweiligen politischen Ausrichtung, die Entwicklung des Tourismus zu steuern und dabei den Erhalt der Natur ebenso zu berücksichtigen wie die ökonomische Beteiligung der lokalen Bevölkerung. Unter enormen finanziellen Anstrengungen wurde ein dichtes Netz von Nationalparks aufgebaut und annähernd ein Viertel der Landesfläche unter Naturschutz gestellt. Dennoch sind aufgrund des Tourismus-Booms heute vielerorts die Grenzen der Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus überschritten. Immer mehr Bauern und Landbesitzer wehren sich dagegen, dass ihr Land Nationalparks zugeschlagen wird und sie vielfach seit Jahren auf die versprochenen finanziellen Entschädigungen warten.

An den Brennpunkten der – überwiegend nordamerikanischen – Touristenströme haben längst auch die großen, internationalen Tourismuskonzerne Fuß gefasst. Zu Beginn des neuen Jahrtausends zog vor allem das hohe Bildungs- und Ausbildungsniveau der Costaricaner ausländische Investitionen an und trugen dem Ballungsraum um San José den Beinamen als „Silicon Valley Lateinamerikas“ ein. Einige der damaligen Investoren, darunter Intel und die Bank of America, haben ihr Engagement in Costa Rica seit 2010 wieder heruntergefahren, und Panama hat in den letzen Jahren Costa als am schnellsten wachsende Volkswirtschaft Lateinamerikas abgelöst.

Laura Chinchilla (2006), By US Embassy, Costa Rica. Photo caption is merely "Presidenta Electa de Costa Rica Laura Chinchilla". [Public domain], via Wikimedia Commons

Laura Chinchilla (2006), By US Embassy, Costa Rica. [gemeinfrei], via Wikimedia Commons

Auf der politischen Ebene folgten Präsident Arías Sanchez bemerkenswerterweise die Söhne der einstigen Bürgerkriegs-Rivalen von 1948 nach: 1990 gewann Calderóns Sohn Rafael Calderón die Wahlen, und 1994 wurde mit Jose Maria Figueres Olsen der Sohn Figueres Ferrers zum Präsidenten gewählt. 2006 wurde Arías Sanchez, nach Miguel Ángel Rodríguez und Abel Pacheco, erneut zum Präsidenten des Landes gewählt, bevor 2010 mit Laura Chinchilla erstmals eine Frau Staatsoberhaupt des konservativen Landes wurde.

Außenpolitische Problemfelder sind die anhaltenden Grenzstreitigkeiten mit Nicaragua, vor allem entlang des Río San Juan, sowie die hohen Fallzahlen von Menschenhandel und erzwungener Prostitution von häufig minderjährigen Costaricanerinnen, Nicaraguanerinnen, indigenen Panamerinnen und Frauen aus anderen lateinamerikanischen Ländern, während Jugendliche und Männer aus diesen Ländern sowie aus Asien in der Landwirtschaft ausgebeutet werden und quasi Zwangsarbeit leisten. Die Bekämpfung des Sextourismus durch Nordamerikaner und Europäer wird weitgehend entsprechenden Nichtregierungsorganisationen überlassen, ein staatliches Hilfsangebot für Betroffene existiert – außerhalb der Hauptstadt – faktisch nicht.

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