Costa Rica

Mehr als ein Viertel der Landesfläche sind Nationalparks oder Schutzgebiete. Mit dieser beeindruckenden Bilanz ist Costa Rica nicht mehr nur das demokratischste, friedlichste und wohlhabendste Land in Mittelamerika, sondern auch in punkto Ökologie der Musterknabe der Region.

Wie konsequent Costa Rica sein natürliches Kapital nutzt, belegt der Umstand, dass der Tourismus zur wichtigsten Einnahmequelle des Landes geworden ist, eine Position, die noch vor wenigen Jahren der Export von Bananen und Kaffee innehatte.
Doch es sind natürlich nicht die Bananenplantagen und Kaffee-Fincas, die den Besucherstrom geradezu magnetisch anzuziehen scheinen. Vielmehr sind es die Regenwälder der Osa-Halbinsel, die Nebelwälder der Talamanca Gebirgskordillere, die Vulkane Poás, Irazú und der seit 2010 nicht mehr aktive Arenal mit seinen heißen Quellen im Landesinneren, die Kanäle, Flussarme und Lagunen der Nationalparks Tortuguero und Barra del Colorado im karibischen Flachland, die Strände und Naturreservate der Pazifikküste, die Liste der „Highlights“ ließe sich fortsetzen.

Doch die Erfolgsgeschichte des costaricanischen Tourismus zeigt bereits ihre Schattenseite: Einige der bekanntesten Nationalparks zahlen heute den Preis ihrer Attraktivität. Im privaten Regenwald-Reservat von Monteverde mit seinem vor allem in den USA berühmten „Skywalk“ durch die Baumkronen der Urwaldriesen, ist die Wahrscheinlichkeit, us-amerikanischen Kreuzfahrttouristen beim „Landgang“ zu begegnen, weitaus höher als die, einheimische Vögel, Affen und andere Waldbewohner anzutreffen. Ähnliches gilt für den Nationalpark Manuel Antonio südlich der Hafenstadt Quépos, in dem meist nur Horden von Kapuzineräffchen nahe der Abfallbehälter auf die Fütterung durch uneinsichtige Besucher warten, die alle entsprechenden Verbote missachten.
Auch das Kanalsystem des Tortuguero-Nationalparks hat zu Hochsaisonzeiten ein Verkehrsaufkommen an Ausflugsbooten zu bewältigen, das eher an Venedig erinnert, als an ein unberührtes Naturparadies. Die meisten Hotels in den Strandorten der Halbinsel von Nicoya, die wie Montezuma in den letzten Jahren einen Szene-Status unter jungen Reisenden erlangt haben, verlangen mittlerweile Preise, die man bestenfalls als unangemessen bezeichnen kann. Auch der Strand von Tamarindo – einst berühmt für Einsamkeit und spektakuläre Sonnenuntergänge – ist, obwohl felsige Abschnitte und starke Strömungen das Baden gefährlich machen, mittlerweile zu einer der größten Hotelansammlungen im ganzen Land geworden. Um Missverständnissen vorzubeugen: trotz einer touristischen Entwicklung, die an bestimmten Orte an Grenzen stößt, hat Costa Rica glücklicherweise zu all diesen touristischen Zielen ebenbürtige Alternativen zu bieten, die weitaus weniger überlaufen sind und das Versprechen der nationalen Tourismusbehörde – „keine künstliche Zutaten“ einlösen. Ob Sie den Quetzal, Tukane, Papageien oder Kolibris sehen, die mächtigen Schildkröten bei der Eiablage beobachten, oder die waghalsigen Kletterübungen von Brüllaffen, Kapuziner- oder Klammeraffen bewundern wollen, am Stahlseil hängend durch die Baumkronen des Regenwaldes gleiten, raften oder wandern wollen, Costa Rica wird Sie nicht enttäuschen. Wer aber nicht nur auf der Suche nach Naturerlebnissen ist, sondern auch interessante Orte und Städte mit kolonialer Architektur und einem entsprechenden kulturellen Angebot kennenlernen möchte, oder den karibischen Traumstrand sucht, sollte den Sprung über die Grenze in die Nachbarländer Nicaragua und Panama wagen – und sei es nur als Abstecher.