Graaff-Reinet

Die “Perle der Karoo” trägt ihren Namen zu Recht: Graaff-Reinet hat mehr historische Baudenkmäler aufzuweisen als jede andere Stadt des Landes und liegt dazu inmitten eines Nationalparks.

Die überwiegend burischen Siedler, die Ende des 18. Jahrhunderts immer weiter nach Osten vorstießen, versprachen sich von der Wagenburg gleichen Flussschleife des Sunday River Schutz vor den regelmäßigen Angriffen der einheimischen Xhosa.
Im Zentrum der Kleinstadt von knapp 40 000 Einwohnern sind zweihundert Bauwerke im kapholländischen oder viktorianischen Stil verzeichnet, von denen mehrere in Museen umgewandelt wurden: Die 1847 als Bibliothek errichtete Old Library beherbergt heute die Touristeninformation und ein Museum mit einer Sammlung aus historischen Kleidungsstücken, Nachbildungen von Felsmalereien der San, Fossilien aus der Karoo, Gemälden und eine Reihe interessanter historischer Fotografien. Das Reinet House (erbaut 1812) war einst Pfarrhaus der Holländisch Reformierten Kirche und gilt als Musterbeispiel kapholländischer Architektur, mit einer ausgewählten Sammlung von Möbeln, Küchengeräten, Kinderspielzeug und anderen Haushaltsgegenständen des 19. Jahrhunderts. Im Hof kann man eine funktionierende Wassermühle besichtigen, während im Garten des Gebäudes die größte Weinrebe der Welt wächst.
Das Old Drostdy, einst Sitz des Magistrats der Kolonialverwaltung, beherbergt seit längerem das gleichnamige Hotel. Hinter dem Hauptgebäude befindet sich der Stretch’s Court, eine kleine Kopfsteinpflasterstraße mit sieben Häuschen, die früher als Sklavenunterkünfte dienten. Mitte des 19. Jahrhunderts kaufte Kapitän Stretch diese Häuser, teilte das Gebiet in Parzellen auf und verkaufte sie wieder an (freie) Mischlinge und Schwarze. 1966 schließlich gingen sie in den Besitz der „Vereinigung historischer Gebäude Südafrikas“ über, die sie völlig restaurierte und dem Hotel übergab.
Zeitgenössische südafrikanische Kunst in historischen Mauern zeigt das Hester Rupert Art Museum.
Graaff-Reinets Groot Kerk stammt aus dem späten 19.Jahrhundert und wurde nach dem Vorbild der Salisbury Cathedral in Großbritannien errichtet.
Die Stadtgeschichte aus Sicht der so genannten Vortrekker spiegelt sich auch in mehreren Denkmälern und Standbildern im Stadtgebiet.
So erinnert z. B. das Andries Pretorius Monument an den Burenführer aus Graaff-Reinet, der mit nordwärts gerichtetem Blick auf das Rad eines Ochsenkarrens gestützt abgebildet ist.

Der Camdeboo Nationalpark umschließt Graaff-Reinet nahezu vollständig und gliedert sich in vier verschiedene Landschaftsformen: Das bizarre Valley of Desolation im Westen, ein Wildschutzgebiet und der Nqweba (ehem. Van Ryneveld) Dam im Norden sowie das bergige Gebiet im Südosten.
Der südöstliche Teil ist von der typischen hügeligen Landschaft der Karoo geprägt. Dieses Gebiet ist wenig erschlossen und daher Lebensraum für Bergzebras, Bushmahasen, Klippspringer, Ducker und anderen Antilopenarten. Mehrere kürzer und auch mehrtägige Wanderwege führen durch das Areal.
Der Nqweba Damm bildet das größte Vogelschutzgebiet in der Karoo, zu dessen 225 Arten neben Haubentauchern auch Gelbschnabelgänse und sogar Flamingos zählen. Der Staussee selbst ist auch bei Wassersportlern wie Kanuten, Surfern und Anglern beliebt, die hier hauptsächlich Barsche, Karpfen und Welse fangen.
Obwohl Wildtiere wie Zebras, Büffel und auch verschiedenste Antilopenarten im gesamten Naturschutzgebiet beheimatet sind, wurde nördlich des Van Rynveld Dam ein etwa 10 Kilometer langen Rundkurs angelegt, den man mit dem Auto befahren kann. Auf halber Strecke gibt es zudem einen Picknickplatz.
Hauptattraktion des Nationalparks ist fraglos das “Valley of Desolation” (“Tal der Trostlosigkeit”). Die gut beschilderte Anfahrt selbst ist bereits ein Erlebnis, jedoch sollte man am frühen Morgen oder späteren Nachmittag fahren, da dann das Licht für besonders dramatische Blicke vom Aussichtspunkt auf das mehrere hundert Meter tiefer gelegene Graaff-Reinet und die Camdeboo-Ebene sorgt.
Prominenter Gipfel im Panorama ist der Kegel der “Spandau Koppe”. Mehrere kurze Wanderwege führen zu verschiedenen Aussichtspunkten auf spektakuläre Felsformationen aus Doleritsäulen, die ihre Entstehung der Verwitterungserosion verdanken, verursacht durch abrupte Temperaturwechsel und Niederschlagsschwankungen über Jahrmillionen.