Puno – Titicacasee

Mit 118.000 Einwohnern ist Puno die größte Stadt am Titicaca-See und das touristische Zentrum in dessen peruanischem Teil.

Zum bolivianischen Teil des Titicacasees und Copacabana.

Ihr Beiname als ‘ciudad de plata’ (Stadt des Silbers) rührt noch aus der Zeit, als ihre Silberminen zu den ergiebigsten des Landes gehörten. Heute lebt Puno – außer vom Tourismus – von der Landwirtschaft und der Zucht von Lamas und Alpacas, die auf den Weiden des Altiplano grasen. Besuchern fällt auf, dass viele der Häuser in Puno und den umgebenden Gemeinden unfertig wirken. Dies geschieht, um Steuern zu umgehen, die nur auf fertige Häuser zu zahlen sind. Ein Großteil der örtlichen Wirtschaft lebt vom Schwarzmarkt, der mit billigem Schmuggelgut aus dem nahen Bolivien versorgt wird. Seit 2009 gilt Puno als Sonderwirtschaftszone – „Zona Económica Especial“ – die Investitionen begünstigen soll.

Der Legende nach ist der erste Inka, Manco Capac, über einen Felsen auf der Sonneninsel („Titi-Karka“, oder „Puma-Felsen“; „karka“ = Stein, Felsen) auf die Erde gestiegen. Auf Quechua hingegen heißt “titi” Blei oder bleifarben und “qaqa“ heißt Felsen, also „bleierner (bleifarbener) Felsen“.

Geografisch liegt Puno eingezwängt zwischen dem Seeufer und den Ausläufern der Sierra, beide trennen weniger als drei Kilometer. Als wachsende Stadt, die auch viele Migranten und Landflüchtlinge als Sprungbrett zu einem besseren Leben sehen, wächst Puno notgedrungen bergauf, wobei jeder halbwegs geeignete Fleck bebaut wird. Je steiler die Lage, desto ärmer die Bewohner, zu deren armseligen Bleiben oft keine mit dem Auto befahrbaren Straßen führen.

Titicacasee

Der Titicacasee ist Südamerikas größter See und zugleich das höchstgelegene kommerziell schiffbare Gewässer der Erde. Mit einer Fläche von 8288 km² ist er fast 13-mal größer als der Bodensee. Er liegt auf 3810 m ü.M., ist 194 km lang, 65 km breit und hat eine maximale Tiefe von 365 m. Mehr als 25 Flüsse fließen in den Titicaca-See. Große und kleine Inseln scheinen in seinem unergründlichen Dunkelblau zu schwimmen (die von Menschen geschaffenen unter ihnen tun dies tatsächlich). Einige von ihnen beherbergen Relikte der Inka oder präinkaischer Kulturen. Trotz der mit 10-12 °C sehr niedrigen Jahresdurchschnittstemperatur des Wassers stellt der See im Verhältnis zum Umland einen großen Wärmespeicher dar, so dass auf den Feldern um den See Kartoffeln, Gerste, Mais und Quinoa gut gedeihen. Die Region des Titicaca-Sees wird als das Ursprungsgebiet des Kartoffelanbaus angesehen. Eine wichtige Nahrungsquelle für die Bevölkerung ist der Fischreichtum des Sees.

Eine der bekanntesten Attraktionen des Titicaca-Sees sind heute die schwimmenden Inseln der Urus. Die Urus (spanisch Uro bzw. Uros) sind eine ethnische Gruppe, die heute etwa 2000 Menschen zählt. Nur noch wenige hundert von ihnen leben auf derzeit 42 „schwimmenden Inseln“ aus getrockneten Totora-Schilf, 5 km westlich von Punos Hafen. Das Totora-Schilf dient dabei auch als Baumaterial für die Boote der Urus und ihrer Insel-Häuser. Die Wurzeln der Totora-Pflanzen dienen auch als jodreiches Nahrungsmittel. Die Mehrzahl der Urus lebt inzwischen auf dem Festland, wo sich auch ihre Friedhöfe befinden. Ursprünglich begannen die Urus, schwimmende Inseln aus kreuzweise aufgebrachten Lagen von Totora-Schilf zu bauen, um sich zum Beispiel vor den kriegerischen Inkas zu schützen oder zu verbergen. Immer wenn ein Angriff drohte, wurde die Verankerung gelöst und die Uros zogen sich samt ihrer Inseln auf den See zurück. Die Urus leben von der Fischerei (z. B. Andenkärpflinge und Welse), vom Verkauf bunter Decken und anderen kunsthandwerklichen Produkten an die Touristen und von den ‘Trinkgeldern’ der Fotografen.

Isla Taquile

Teils aus Gründen touristischer Eigenwerbung, teils aus Traditionsbewusstsein tragen die Bewohner der als ‘Insel der strickenden Männer’ bekannt gewordenen Isla Taquile (ihr Quechuaname ist Intika) ihre traditionelle Kleidung im Alltag, womit zumindest die Männer auf der benachbarten Insel Amantaní längst aufgehört haben. Frauen tragen eine weiße oder rote Bluse (bayeta) aus Schafswolle, einen schwarzen Schal (chuco) auf dem Kopf, einen roten, chumpi genannten Wikkelgürtel und einen voluminösen, dunklen Rock (pollera).
Um zu Kolonialzeiten mit den ‘Kurven’ der Spanierinnen in ihren Spitzenröcken mithalten zu können, trugen und tragen die Frauen von Taquile drei bis fünf – bei Festlichkeiten können es bis zu 20 (!) werden – Röcke übereinander.
Diese offensichtliche Ablehnung westlicher Modeideale wie das der schlanken Silhouette paart sich mit der Verkehrung der Geschlechterrollen, denn diese Röcke werden von den Männern gewebt.
Im Gegenzug stellen die Frauen die weißen Stoffgürtel (chumpis) der Männer her. Auch die Männer tragen weiße Hemden mit weitgeschnittenen Ärmeln, schwarze Hosen und ebensolche Westen. Die eigentliche Sensation tragen sie jedoch auf dem Kopf: den chuyo, eine Mütze, die zu stricken sie bereits als kleine Jungen lernen.
Am Typ des Hutes lässt sich der Familienstand des Trägers ablesen, so tragen Junggesellen den
‘chuyo de soltero’, unten rot und an der Spitze weiß, während Ehemänner einen durchgehend roten Hut mit sich wiederholendem geometrischem Muster tragen. Verheiratete Männer tragen oft auch eine chuspa (Tasche zur Aufbewahrung von Kokablättern). Die fraglos extravagantesten Hüte tragen jedoch die Dorfältesten (varayocs): Regenbogenfarben mit Ohrklappen!

Sillustani

Auf einer Halbinsel am Ufer des Umayo-Sees, rund 30km westlich Punos liegt die Nekropole Sillustani. Hier bestattete das zur Aymara Sprachfamilie gehörende Volk der Colla um ca. 1000 n. Chr. seine Anführer und deren Clans in gewaltigen Steintürmen. In Pflanzenfasern eingeschnürt wurden die Verstorbenen in hockender Haltung auf ihre letzte Reise geschickt.
Ihre Körper blieben aufgrund der trockenen und kalten Luft über Jahrhunderte erhalten. Oft wurden auch die Habseligkeiten des Verstorbenen, wertvolle Grabbeigaben und Nahrung für die Reise ins Jenseits mit in die Chullpa eingemauert.
Die zwölf Chullpas in Sillustani sind teils über zehn Meter hoch, meist rund und mit einer Steinplatte oder einem Strohdach gedeckt. Die älteren Chullpas sind noch aus kleinen Steinen und mit Lehm verkleidet, während die jüngeren aus perfekt ineinander gefügten, exakt rechteckigen Vulkansteinen bestehen. Die einzige Öffnung jedes Grabturms ist nach Osten gerichtet, in jene Richtung, wo jeden Morgen die Sonne aus der Erde wiedergeboren wird.
Die mit 12 Metern höchste Chullpa in Sillustani und in ganz Südamerika ist die “Chullpa de Lagarto”, so genannt aufgrund eines Reliefs mit Eidechsenmotiv in den oberen Steinen. Obwohl die Grabtürme der Colla lange vor der Zeit der Inka erbaut wurden, ähneln sie in ihrer Bauweise sehr jenen berühmten Inka-Mauern, die man in Machu Picchu, Sacsayhuamán oder Ollantaytambo findet. Es wird vermutet, dass die Inka die Mauertechnik der Colla für ihre erdbebensicheren Bauten übernommen haben.
Sillustani und der Umayo-See gelten zudem als ausgezeichnetes Revier für Vogelbeobachter und zur Sichtung von Vicuñas, der seltenen, wilden Verwandten des Alpakas.