Kuna Yala (Guna Yala)

Die Inselwelt vor Panamas Nordostküste und der dazugehörige Küstenstreifen bilden eine autonome Region innerhalb des Staatsgebietes, die von den Kuna selbst verwaltet wird.

Diese Unabhängigkeit wurde in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts durch einen “Dule Revolution” genannten Aufstand gegen die Unterwerfungspolitik der panamaische Regierung erkämpft und bis heute selbstbewusst verteidigt. So verbietet z.B. der Ältestenrat den Landverkauf an Ausländer. Sieht man die weißsandigen, Kokospalmen bestandenen Inseln, fällt es nicht schwer, sich die touristische Entwicklung unter anderen politischen Vorzeichen vorzustellen… Einen Eindruck davon vermitteln die Szenen, die sich beim Besuch von Kreuzfahrttouristen auf Landgang im Kuna-Territorium abspielen. Nach Auffassung der meisten Kuna schamlos gekleidete Menschen fallen über die Inselwelt her und beginnen, vor allem die traditionell gekleideten Kuna-Frauen ungefragt zu fotografieren.

Auf ausgesuchten Inseln sind in den letzten Jahren Unterkünfte für Touristen entstanden, die im Besitz der Gemeinden sind. Für den Besuch der Dörfer, die kleine Inseln oft vollständig bedecken, werden “Eintrittsgebühren” erhoben, ebenso für den Besuch unbewohnter “Badeinseln”. Die Unterkünfte des Kuna Yala Archipels, zu denen man zunächst per Kleinflugzeug zu einer der Landepisten in der Region und dann per Cayuco (Einbaum) mit Außenborder gelangt, entsprechen nicht den Standards der Tourismus-Industrie. Die Gastgeber wissen dennoch ziemlich genau, was die Besucher erwarten. So sind im Preis auch die täglichen Mahlzeiten, Touren zu unbewohnten Inseln und die Besichtigung einer der Siedlungen enthalten.

Einen wichtigen Programmpunkt stellt auch der Verkauf der Molas dar, jener textilen Wunderwerke, die nicht nur Bestandteil der traditionellen Frauenkleidung sind, sondern auch zu einer wesentlichen Einnahmequelle für die Familien geworden sind. Die Kunst der Mola-Herstellung wie auch die Trachten der Kuna-Frauen sind relativ jungen Datums. In ihrer heutigen Form sind sie erst zwischen 1940 und 1960 entstanden. Frühe Quellen aus dem 17. Jahrhundert beschreiben die Kuna als wenig bekleidet, heben jedoch ihre Kunst der Körperbemalung hervor. Die Motive dieser Bemalung werden heute als Vorläufer der Molas betrachtet. Textile Kleidung wurde später von Missionaren durchgesetzt. Wesentlich für die Entwicklung spezifischer Trachten war der Zugang zu europäischen Handelswaren wie Baumwollstoffe, Nähnadeln, Zwirn, Scheren usw. . Die ökonomische Bedeutung der Molas für die Kuna, die traditionell von Fischfang, Gartenbau und Sammeln lebten, entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

In der ersten Hälfte des Jahrhunderts hatte die kommerzielle Nutzung der Kokospalmen eine zunehmend bedeutendere Rolle eingenommen. Die Ernterechte für die Palmen auf den mehr als 365 Robinson-Inseln haben die einheimischen Kuna-Familien untereinander aufgeteilt. Kokosnüsse wurden zur Handelsware, die gegen industriell gefertigte Gebrauchsgegenstände eingetauscht wurden. Dann vernichtete zwischen 1950 und 1960 eine Krankheit ca. 80% des Kokospalmen – Bestandes und verursachte eine ökonomische Krise. Ihr begegneten die Kuna auf zwei Weisen: zum einen wurden viele Kuna – Männer zu zeitweiligen Arbeitsmigranten in anderen Landesteilen, zum anderen versuchten die Frauen, mit dem Verkauf handwerklicher Produkte zum Lebensunterhalt beizutragen. Als besonders erfolgreich erwiesen sich die mit Applikationen versehenen Blusen. Zunächst wurden sie nur vereinzelt in die Hauptstadt gebracht und dort an Souvenir-Läden verkauft. Mit zunehmendem Tourismus stieg die Nachfrage, aber nicht nach ganzen Blusen, sondern nur nach den kleinen, mit Applikationen verzierten Stoffstücken der Brust- und Rückenpartie, die heute als Molas bezeichnet werden. Als ab 1970 sogenannte Ethno-Kunst in den USA und Europa ein breites Interesse fand, begannen nun auch Museen, Galerien, Mode-Designer und Einrichtungshäuser Molas zu kaufen. Diese Produktion wird teilweise auch in Zusammenarbeit mit internationalen Nicht-Regierungsorganisationen in Kooperativen organisiert.

Aus deren gemeinsamen Geldanlagen werden neben den Bedürfnissen der Mitgliedsfamilien auch gemeinschaftliche und gemeinnützige Projekte in den Dörfern finanziert. Molas besonders begabter Künstlerinnen erzielen heute Spitzenpreise. Die traditionellen Motive beruhen auf Frauen vorbehaltenen Mythen, aber auch Industrielogos oder politische Kommentare sind heute an der Tagesordnung.

Traditionelle Kunadörfer finden sich vor allem auf den küstennahen Inseln des 365, zum Teil winzige Eilande umfassenden Archipels. Hieß die Region zunächst spanisch San Blas, wurde sie später Kuna Yala und seit 2010 Guna Yala genannt. Die Flagge Kuna Yalas (1925 bis 2010) bildet eine Swastika (nicht zu verwechseln mit einem Hakenkreuz) ab, die einen Oktopus symbolisiert, der nach der lokalen Überlieferung die Welt erschaffen hat. Die 2010 eingeführte Flagge der Kuna stellt zwei gekreuzte Arme mit Pfeil und Bogen dar.

Eine Besonderheit der Kunabevölkerung ist die hohe Albinismusquote, die als höchste der Welt gilt. Innerhalb der Kuna-Gemeinschaft werden Albinos besondere Fähigkeiten und Talente zugeschrieben, sie genießen hohes Ansehen und spielen auch in rituellen Zusammenhängen eine besondere Rolle.