Hintergrund

Mit Blick auf die Geschichte der Abhängigkeit und Fremdbestimmung haben Soziologen den Mangel an nationaler und kultureller Identität als Honduras’ größtes Problem charakterisiert.

Vor dem verheerenden Wirbelsturm Mitch, der Honduras 1998 zwar wieder auf die Titelseiten der internationalen Presse brachte, dies jedoch um den Preis, dass das Land selbst beinahe von der Landkarte gefegt wurde, fand das für Honduras wichtigste Ereignis in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnenderweise im Nachbarland Nicaragua statt: der Sieg der sandinistischen Revolution über den Diktator Anastasio Somoza Debayle und seine Anhänger.
Den drohenden Rückzug aus Nicaragua vor Augen, verlagerten die USA ihre militärischen Aktivitäten nach Honduras, aus dem sie das Trainingscamp und die Aufmarschbasis für die antisandinistischen Contra-Rebellen machten. Zur Hochzeit des Konflikts Mitte der 80er Jahre bewegte sich die Zahl der Contras in Honduras zwischen 12.000 und 17.000 und entsprach damit der Stärke der honduranischen Streitkräfte. Hatte die amerikanische Militärhilfe an Honduras für die Jahre 1975 bis 1980 16,3 Millionen US Dollar betragen, verzehnfachte sich der Betrag von 1981 bis 1985 auf 169 Millionen Dollar. Proportional stieg der Anteil der amerikanischen Gelder am honduranischen Militärhaushalt im betreffenden Zeitraum von 7 Prozent auf 76 Prozent. Von annähernd einer Milliarde US Dollar, die während der 80er Jahre von den USA nach Honduras flossen, landete der Teil, der nicht in militärische Projekte investiert wurde, auf privaten Konten korrupter Offizieller, während sich die Lebensverhältnisse der Bevölkerungsmehrheit verschlechterten.

John Negroponte

John Negroponte (2007), Bild: U.S. Department of State [gemeinfrei], via Wikimedia Commons

Ausführender Kopf, der die Pläne der Reagan-Administration in Honduras umsetzen sollte, war John Negroponte. Während er sich öffentlich für die Demokratie in der Region starkmachte, überwachte er den Prozess ihrer Unterminierung. Die Militarisierung des Landes durch die USA führte zur Destabilisierung der lokalen Sicherheit. Mit Rückendeckung der USA agierten Todesschwadrone, angeführt von Militärs, die an der berüchtigen Militärakademie “School of the Americas” (SOA) ihre terroristische Ausbildung erhalten hatten. Unter Negropontes Aufsicht wurde die “El Aguacate” Luftwaffenbasis geschaffen, in der nicht nur Contras ausgebildet wurden, vielmehr diente sie auch auch als geheimes Gefängnis und Folterzentrum. Bei Grabungen im Jahr 2001 wurden in Aguacate die Leichen von 185 Personen entdeckt, die hier während der 80er Jahre umgebracht wurden. Die berüchtigte Spezialeinheit der honduranischen Armee, das Battalion 3-16, wurde hier von CIA und Angehörigen des argentinischen Militärs ausgebildet. Ihm wird die Folter und Ermordung hunderter Menschen angelastet.

Nachdem die Sandinisten in Nicaragua 1991 abgewählt worden waren, zogen sich die USA auch finanziell weitgehend aus Honduras zurück.