Hintergrund

Die “Honduras Expedition” des Conquistadors Hernán Cortés, der sich 1524 mit 250 spanischen und 3000 einheimischen Begleitern auf den Landweg von Mexiko nach Honduras gemacht hatte, geriet zum Desaster.

Sie kostete ihn sowohl seinen Ruf, als auch einen Großteil seines Vermögens und ruinierte seine Gesundheit.
Pedro de Alvarado, ehemals Kapitän in Cortés’ Armee, der zwischenzeitlich zum Gouverneur von Guatemala avanciert war, unternahm 1536 eine weitere Expedition in die verwahrloste Kolonie, in der die indigene Bevölkerung durch Krankheiten, Misshandlungen und Verschleppungen zu den karibischen Insel-Kolonien dezimiert war, während sich rivalisierende spanische Conquistadores untereinander bekriegten. De Alvarado gelang es mit Hilfe seiner guatemaltekischen Begleiter und einer rücksichtslosen Politik, eine profitable Minenindustrie in Gracias zu etablieren. Die Gold- und Silbervorkommen zogen neue Siedler an und erhöhten den Bedarf an einheimischen Arbeitskräften, die unter Bedingungen der Zwangsarbeit ausgebeutet wurden.
Vor diesem Hintergrund flammte der indigene Widerstand gegen die Kolonisatoren wieder auf und erreichte im Aufstand unter dem legendären Lenca-Führer Lempira 1537 seinen Höhepunkt. Lempira errichtete seine Basis auf einem befestigten Hügel, dem Peñol de Cerquín und schlug bis 1538 alle Versuche, ihn und seine Gefolgsleute zu unterwerfen, zurück. Zeitweise soll er bis zu 30.000 Aufständische gegen die Spanier befehligt haben.

Zeichnung von Lempira, von der honduranischen 1 Lempira Banknote abgezeichnet, Bild:

Zeichnung von Lempira, von der honduranischen 1 Lempira Banknote abgezeichnet, Bild: JVC3ETA (Own work) CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Letztlich fiel er aber einem heimtückischen Komplott zum Opfer, da er während Verhandlungen mit den Spaniern, zu denen er sich bereit gefunden hatte, ermordet wurde. Mit dem Tod der Identifikationsfigur begann der Widerstand der einheimischen Bevölkerung schnell zu bröckeln und brach schließlich zusammen.

Doch auch die Edelmetall-Vorkommen um Gracias waren schon nach wenigen Jahren erschöpft, so dass die spanische Krone ihr Interesse an der Kolonie verlor.
Als Comayagua 1561 Hauptstadt wurde, war Honduras in seinem Status vom Sitz der Audiencia zur Provinz des Generalkapitanats Guatemala geworden.
Erneute Silberfunde, dieses Mal in der Umgebung Tegucigalpas, verhalfen der Kolonie gegen Ende des 16. Jahrhunderts zu neuer Aufbruchstimmung und Blüte. In diesem Zeitraum wurde die heutige Hauptstadt erbaut.

Die gesellschaftliche Entwicklung in Honduras blieb jedoch hinter anderen zentralamerikanischen Regionen zurück. Ein Grund dafür war die sich nur sehr schleppend entwickelnde Landwirtschaft, ein anderer die dauernden Angriffe durch Piraten und Schmuggler auf die Karibikhäfen der spanischen Kolonie. Die spanische Gesellschaft zog sich weitgehend ins Landesinnere und die Pazifikregionen des Landes zurück, wo sie auf gesicherte Kommunikations und Transportwege zurückgreifen konnte.

Schließlich gelang es der britischen Krone, die Moskito-Küste unter ihre Kontrolle zu bringen und mit Unterstützung der lokalen Miskito-Bevölkerung ein Protektorat zu etablieren. Erst im späten 18. Jahrhundert, während der Herrschaft der Bourbonen-Könige in Spanien, schafften es die Spanier, wieder an der Karibikküste Fuß zu fassen. Symbolischer und materieller Ausdruck dessen war die Fertigstellung des spanischen Forts Omoa im Jahr 1779. Das britische Protektorat entlang der nicaraguanischen und honduranischen Karibikküste bestand dennoch bis Mitte des 19. Jahrhunderts fort.