Marmorhöhlen im Lago General Carrera

Der wahlweise Lago Buenos Aires, Lago General Carrera oder Chelenko genannte See mit den Marmorhöhlen ist nach dem Titicacasee Südamerikas zweitgrößter See. Wie beim größten ist auch das Areal des Chelenko (Tehuelche: stürmische Wasser) unter zwei Staaten aufgeteilt: 880km² seiner Gesamtfläche von 1850km² gelten als argentinisches Territorium, der Rest (970km²) gehört zu Chile. Die Grenze […]

Der wahlweise Lago Buenos Aires, Lago General Carrera oder Chelenko genannte See mit den Marmorhöhlen ist nach dem Titicacasee Südamerikas zweitgrößter See.

Wie beim größten ist auch das Areal des Chelenko (Tehuelche: stürmische Wasser) unter zwei Staaten aufgeteilt: 880km² seiner Gesamtfläche von 1850km² gelten als argentinisches Territorium, der Rest (970km²) gehört zu Chile. Die Grenze im Süden bildet der Río Jeinemeni, im Norden verläuft sie am Ostrand der Bucht von Puerto Ingeniero Ibáñez.
Der See entwässert über den Río Baker, seines Zeichens Chiles wasserreichster Fluss, in den Pazifik.
Die imposante Seelandschaft geht im Osten in die argentinischen Pampas über, während sie im Westteil von Ausläufern der Anden umrahmt ist, darunter die beiden von Gletschern bedeckten Gipfel des San Valentín (4058 m) und des San Lorenzo (3706 m).
Die größte Attraktion des Sees sind die als Catedral de Mármol, Capilla de Mármol und Cavernas de Mármol bekannten, bizarren Marmorformationen und Marmorhöhlen.
Die Formationen bestehen aus einer Reihe von Höhlen, die vom Wasser des Sees in dem Bereich erodiert wurden, in dem dessen nordwestlicher Arm (durch den das Wasser des Murta fließt) mit dem südwestlichen Arm (der in den Baker-Fluss mündet) verbunden sind. Es gibt zwei Hauptbereiche: Der touristisch bekannteste befindet sich am Puntilla El Mármol, um den herum sich die Hauptinseln befinden, aus denen die “Kathedrale” und die “Kapelle” hervorgegangen sind; der zweite befindet sich auf der Insel Panichini, in der Nähe von Puerto Sánchez, und den nahegelegenen kleinen Inseln. Die der Erosion ausgesetzten Gesteine bestehen aus Marmor, der zum metamorphen Fundament der Region gehört und aus dem Paläozoikum stammt (dies entspricht einem Alter von 300 Millionen Jahren). Die Marmore weisen bänderartige Schichtungen auf, die aus verschiedenfarbigem Gestein bestehen, das auf komplexe Weise gefaltet zu sein scheint. Obwohl Weiß die vorherrschende Farbe ist, ist es an manchen Stellen möglich, Blau- und Rosatöne auszumachen. Diese Farbgebung ist auf mineralische Verunreinigungen zurückzuführen.
Man schätzt, dass der Bereich mehr als 5000 Millionen Tonnen Marmor mit einem Calciumcarbonatgehalt von 94% aufweist. Die Entstehung von Höhlen (cavernas) geht auf ein neueres Karstphänomen zurück, das vor 15.000 Jahren nach dem Ende der letzten Eiszeit auftrat. Die Erosionswirkung des Seewassers löste die Felsen förmlich auf und ließ die heute existierenden Klippen und Marmorinseln entstehen.
Das Himmelblau des Wassers an dieser Stelle ist dessen Klarheit und dem hellen Untergrund zu verdanken.
Die Marmorkapelle und andere Formationen kann man – entsprechende Witterung vorausgesetzt – am besten (?) im Rahmen einer Kanutour erkunden, da es die kleinen, wendigen Boote gestatten, in die Marmorgewölbe hineinzufahren und aus ungewöhnlicher Perspektive zu betrachten.
Wer nicht per Kayak in die Marmorhöhlen paddeln möchte, kann auch direkt zur Bahía Mansa (5km südlich von Puerto Tranquilo) fahren, von wo kleine Boote mit Außenbordmotor starten, die Tourteilnehmer zu den Marmorhöhlen bringen.
Teils idyllische gelegene Unterkünfte findet man rund um Puerto Guadal am Südufer des Sees, und auch in Puerto Tranquilo gibt es mehrere, meist preiswertere Cabañas und Pensionen.

Am Südufer des Sees bietet sich die kurze Wanderung zum Río Maqui an, der je nach Jahreszeit bis zu 25m hohe Kaskaden oder (kalte) Pools bildet, von denen man eine schöne Aussicht über den See genießen kann.
Ausgangspunkt ist die Brücke über den Río Maqui, wenige Kilometer östlich von Puerto Guadal. Dann folgt man dem undeutlich markierten Weg, der wenige Meter östlich des Flusslaufs beginnt und durch einen Südbuchenwald entlang des Flusses flussaufwärts führt. Es soll Unerschrockene geben, die im Sommer ein kurzes Bad in einem der Pools nehmen .

Im Rahmen einer Mietwagenreise, die im argentinischen Teil Patagoniens der legendären Ruta 40 folgt, oder Chiles Carretera Austral zum Ziel hat, stellt der Lago Carrera/ Lago Buenos Aires eine interessante Verbindung zwischen beiden Ländern dar. Während einer solchen Tour sollte man in jedem Fall die Cueva de las Manos besuchen, Argentiniens älteste archäologische Stätte, die zum UNESCO Welterbe zählt.