Tiahuanaco – Tiwanaku

Tiahuanaco bzw. Tiwanaku (in der Aymara-Schreibweise) gilt als Boliviens bedeutendste archäologische Stätte.

Der Ort, dessen Übersetzung „setz dich nieder, kleines Lama“ bedeutet, liegt rund 20 km vom Südende des Titicacasees entfernt auf 3850 Meter Höhe des bolivianischen Altiplano.
Erste Siedlungsspuren reichen bis ins 15. vorchristliche Jahrhundert zurück.
Um 300 v. Chr. entwickelte sich Tiwanaku, dessen Name übersetzt „Setz Dich nieder, kleines Lama“ bedeutet, zu einem kulturellen und religiösen Zentrum der Aymarakultur. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert.
Zu dieser Zeit reichte Tiwanakus Einfluss von der Atacamawüste bis zur Provinz Cochabamba und in Teile des heutigen Argentiniens.
Um die vorletzte Jahrtausendwende zwang eine andauernde Dürreperiode die Bewohner dazu, die Stadt sukzessive aufzugegeben.
Da Tiwanaku nicht wie ursprünglich angenommen am Ufer des Titicacasees lag, sondern auf Regen angewiesen war, konnten auch die fortschrittlichen Bewässerungsanlagen und Speichersysteme die Stadt nicht mehr vor Wasserknappheit und Hungersnot bewahren.
Als die Inka, deren Aufstieg im 13.Jahrhundert begann, Tiwanaku erreichten, war die Stadt bereits verlassen.
Als prominentestes Bauwerk der recht kleinen Anlage, deren Kern nur ca. 500 x 1000 Meter umfasst, gilt das so genannte Sonnentor, ein 3m hohes und 3,75 m breites Steintor, das aus einem einzigen Andresitblock gearbeitet ist.
Mittelpunkt des kulturellen Lebens war die Kalasasaya („Platz der stehenden Steine“), eine in mehreren Bauphasen entstandene Plattform mit dem Ponce-Monolith im Zentrum sowie dem El Fraile-Monolith in der Südwestecke. Beide Monumentalfiguren übertreffen die kolossalen Steinköpfe der Olmeken in Südostmexiko und gelten als größte ihrer Art im präkolumbianischen Amerika.
Der abgesenkte Tempel (templete semisubterráneo), der eine Fläche von 26 x 28 m umfasst und ca. 2 m tief liegt, gilt als der älteste Monumentalbau Tiwanakus. Sein heutiges Aussehen geht auf die Rekonstruktion durch den bolivianischen Archäologen Carlos Ponce Sanginés zwischen 1961-64 zurück.
In seine Wände sind neben 57 Steinpfeilern auch 175 anthropomorphe Steinköpfe eingearbeitet, von denen keiner dem anderen gleicht. Diese Steinköpfe werden als mythische Vorfahren verschiedener in Tiwanaku ansässiger Gruppen interpretiert, die auf den in der Mitte des Tempel stehenden anthropomorphen Monolithen mit Gesichtsmaske blicken, der als Darstellung der Ursprungs- bzw. Schöpfergottheit gilt.
Als Wohnquartier der lokalen Elite diente der Putuni genannte Komplex, während die Funktion des nur wenig westlich gelegenen, 74 x 50 m großen Kherikala-Komplexes bis heute unbekannt ist.
Im Jahr 2000 wurde Tiwanaku von der Unesco in den Status des Weltkulturerbes erhoben.