Sucre

Das als Boliviens schönste Stadt geltende Sucre gefällt Besuchern auf den ersten Blick. Die weißgekalkten Fassaden der Kolonialbauten im historischen Zentrum bilden ein harmonisches Ensemble, das seit 1991 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Eine strikte Bauordnung, die bereits Jahre vor der Welterbe-Ernennung in Kraft trat und den spanisch kolonialen Baustil fortschreibt, hat zur Wahrung der städtebaulichen Geschlossenheit entscheidend beigetragen.
Historisch markiert Sucre den Schauplatz, an dem Simon Bolívar und der seitdem namensgebende Marschall Sucre 1825 militärisch die Unabhängigkeit von Spanien errangen.
Sucres überschaubare Größe (225000 Einwohner) und für bolivianische Verhältnisse gemäßigte Höhenlage von knapp 2800 Metern laden dazu ein, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Die verschwenderischen Bauten des kolonialen Stadtkerns sind dem Silber aus Potosís berüchtigter Cerro Rico Mine zu verdanken.

Dass Sucre heute keinen musealen Eindruck macht, verdankt es vor allem den Tausenden von Studenten der Universidad San Francisco Xavier. Unter den klassischen Sehenswürdigkeiten der Stadt befinden sich neben Kirchen, Plätzen und säkularen Kolonialgebäuden auch zwei Kuriositäten: Der Parque Cretácico mit der weltweit größten Ansammlung von Dinosaurier-Fußspuren und einer beachtlichen Reihe lebensechter Modelle sowie das rosafarbene, scheinbar einem Disneyfilm entsprungene Castillo de La Glorieta, dessen Erbauerpaar von Papst Leo XIII 1898 zu Fürst und Fürstin ernannt wurde. Den besten Panoramablick über Sucre bietet La Recoleta mit der “El Mirador” genannten Aussichtsplattform am Ende der recht steil ansteigende Calle Dalence. Das unmittelbar unterhalb des Miradors gelegene Café Gourmet Mirador eignet sich gut für einen Drink mit Ausicht, auch wenn das Essen eher als mittelmäßig gilt. Das zu Beginn des 17. Jahrhunderts erbaute Franziskanerkloster La Recoleta beherbergt heute ein Museum der Sakralkunst.
Unter Sucres Kirchen sind vor allem die Kathedrale und das Kloster San Felipe Neri sehenswert.
Die Catedral Metropolitana entstand über zwei Jahrhunderte (1559-1712) und weist architektonisch eine Mischung aus Elementen der Spätrenaissance und des Barock auf. Außerhalb der Messen darf sie nur gegen Eintritt und mit Führer über das neu renovierte Museo Eclesiástico betreten werden. Höhepunkt einer Führung ist der Besuch der Seitenkapelle mit dem Bildnis der Virgen de Guadalupe, das über Jahrhunderte mit zahllosen Diamanten, Smaragden, Perlen und Gold verziert wurde, deren geschätzter Wert den bolivianischen Staatshaushalt auf Jahre sanieren würde.
Das Kloster San Felipe Neri besticht durch reinen Neoklassizismus, einen doppelstöckigen Arkaden-Innenhof und eine Dachterrasse mit schönen Blicken über Sucre.
Schon der Anblick der Artesonado-Decke im Innern lohnt den Besuch des Templo de San Francisco, einer der ältesten Kirchen der Stadt. In ihrer Krypta befinden sich die sterblichen Überreste der Konquistadoren und Stadtgründer, und in einem der beiden eckigen Türme hängt die 1800 gegossene Campana de la Libertad, deren Geläut am 25.Mai 1809 die Bevölkerung dazu aufrief, sich der Unabhängigkeitsbewegung anzuschliessen.

Eines der historisch bedeutsamsten Gebäude der Stadt ist die Casa de la Libertad. Hier entstanden sowohl die bolivianische Unabhängigkeitsbewegung als auch der bolivianische Staat.
1621 vom Jesuitenorden als Verwaltungsgebäude der päpstlichen Universität San Francisco Xavier erbaut, gilt der Kompex als Juwel der Kolonialarchitektur.
Das heutige Museum umfasst das ehemalige Kloster mit seinem Kreuzgang, dessen Rundbögen auf Granitsäulen ruhen, die Kapelle, in der früher Doktoranden ihre Arbeit verteidigten, und in der heute die Gründungsurkunde des unabhängigen Staates, Portaits der Befreier Bolívar, Sucre und Ballivián sowie deren Schwerter ausgestellt sind.