Hintergrund

Nach der Teilung des spanischen Kolonialreiches 1543 wurde Nicaragua dem Generalkapitanat Neuspanien zugeschlagen, das zu diesem Zeitpunkt von Südmexiko bis Panama reichte.

Hauptstadt der auch Vizekönigreich genannten Kolonie war zunächst das honduranische Gracias und später La Antigua Guatemala. Damit unterstand Nicaragua offiziell der Autorität der dortigen “Audiencia”, einem fünfköpfigen Gremium mit Verwaltungs-, Rechtsprechungs- und militärischer Autorität. In der Praxis führte Nicaraguas Randlage aber dazu, dass die Ayuntamiento genannte lokale Regierung der Provinzhauptstadt León die politische Macht auf sich konzentrierte und Anweisungen aus der fernen Hauptstadt meist ignorierte.

Im Verlauf des 17. Jahrhunderts sorgten Handelsbeschränkungen der spanischen Krone, Naturkatastrophen und eine nachlässige regionale Regierung dafür, dass die Provinz Nicaragua einen ökonomischen Niedergang erlebte und zum Spielball englischer, französischer und holländischer Piraten wurde. 1668 und 1670 eroberten und zerstörten Piraten Granada, das Zentrum der vernachlässigten Landwirtschaft.
Im ausgehenden 17.Jahrhundert fassten die Briten an Nicaraguas Karibikküste Fuß, indem der britische Gouverneur Jamaikas kurzerhand einen von ihm gefangengehaltenen Miskito-Führer zum König der Mosquitia-Nation erklärte und diese unter den Schutz der englischen Krone stellte.

In diesem Ereignis nahm die Jahrhunderte dauernde Rivalität zwischen Spanien und England um die Vorherrschaft an der Karibikküste ihren Anfang. Tatsächlich blieb die Küste bis zum Ende des 19.Jahrhunderts unter britischer Kontrolle.
Nach mehr als einem Jahrhundert der – meist vergeblichen – Suche nach Bodenschätzen in Nicaragua wandten sich die spanischen Kolonialisten schließlich der Landwirtschaft und dem Export von Agrarprodukten zu.
Dieser Schritt verhalf der Kolonie endllich zu wirtschaftlichem Wachstum und einer lokalen Elite von im Land geborenen Criollos zu Wohlstand. Zentren dieser Machtelite waren die Städte León, Granada und zu einem geringeren Grad Rivas.
Der Sieg der Bourbonen über die Habsburger im spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) hatte weitreichende Auswirkungen auf die spanischen Kolonien in Amerika. Die zuvor strikten Handelsmonopole entfielen zugunsten einer liberaleren Handelspolitik. Diejenigen, die von den hergebrachten Regeln und Privilegien profitiert hatten, bildeten als Konservative eine Interessengruppe, denen die der Liberalen, überwiegend Vertreter des Handels und des Exports, gegenüberstanden. Zudem unterschieden sich beide Gruppen in ihrer unterstützenden bzw. ablehnenden Haltung gegenüber der katholischen Kirche. Im gesamten Gebiet des Generalkapitanats Guatemala schlugen sich ganze Städte, abhängig von ihrer jeweiligen wirtschaftlichen Grundlage, auf die eine oder die andere Seite.
León wurde als Zentrum des Leder- und Talgexports zu einer Hochburg der Liberalen, während die herrschende Klasse Granadas überwiegend aus Grundbesitzern bestand, die vom alten System profitiert hatten und sich als Konservative gegen die Neuerungen sperrten. Der Widerstreit zwischen beiden Städten und politischen Positionen nahm häufig gewalttätige Formen an. Beide Städte unterhielten Streitkräfte, um die jeweils eigene Position auch militärisch zu behaupten.