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01. Nicaragua in präkolumbianischer Zeit

Das heutige Nicaragua war aufgrund seiner geographischen Brückenlage Treffpunkt südamerikanischer und mesoamerikanischer Kulturen.

Chorotega Keramik - Die Keramik im so genannten Pataky-Stil zeigt einen Schamanen, der sich in seinen persönlichen Jaguar-Schutzgeist verwandelt hat.

Chorotega Keramik, die Keramik im so genannten Pataky-Stil zeigt einen Schamanen, der sich in seinen persönlichen Jaguar-Schutzgeist verwandelt hat.Walters Art Museum Public domain, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Die beiden wichtigsten Gruppen waren die aus den kolumbianischen Anden stammenden Chibcha und die aus Südmexiko eingewanderten Nahua-Sprecher der Chorotega, deren materielle Kultur starke Ähnlichkeiten zu der der Maya hatte. Während die Chibcha überwiegend im karibischen Tiefland siedelten, lebten die Chorotega im
pazifischen Raum. Von hier wurden sie im frühen 13. Jahrhundert von aus Mexiko stammenden Gruppen, die nach dem Fall des mächtigen zentralmexikanischen Stadtstaates Tula eingewandert waren, verdrängt. Nach einem ihrer Führer nannte man sie Nicarao. Die kulturelle Verwandtschaft dieser Gruppen mit den Azteken und Maya belegen nicht nur Keramikfunde, sondern auch die noch heute weitverbreiteten Grundnahrungsmittel Mais, Bohnen, Chilis und Avocados. Die Bevölkerung im Osten Nicaraguas schließlich bestand aus karibischen Gruppen, deren Wirtschaft auf Jagd, Fischfang und Brandrodungsanbau basierte. Ihre Grundnahrungsmittel waren Knollenfrüchte, vor allem Maniok, sowie Bananen und Ananas. Typische Merkmale der karibischen Kultur sind auch die runden, palmengedeckten Hütten und die Kanus. Alle drei Bevölkerungsgruppen waren politisch nach dem Muster einer Monarchie organisiert, mit einem unabhängigen Führer (Cacicazgo) an der Spitze einer Adelskaste. Die Gesetze und Anweisungen des Kaziken wurden von königlichen Boten in die einzelnen Siedlungen getragen und dort der versammelten Bevölkerung verkündet.

Chibcha Kultur, By Aliriogomezm (Template:Agm) [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AChibcha.jpg">via Wikimedia Commons</a>

Chibcha Kultur, By Aliriogomezm [gemeinfrei] (Template:Agm), via Wikimedia Commons

Trotz ihrer Gemeinsamkeiten waren die Kulturen unterschiedlich entwickelt. Dies führte zu häufigen Konflikten zwischen den Gruppen.
Die spanische Eroberung des Landes, die von Panama ihren Ausgang genommen hatte, brachte vor allem die Bewohner der zentralen Regionen in engen Kontakt zu den Spaniern. Im Westen und den Hochlandregionen wurde binnen weniger Jahre fast die gesamte indigene Bevölkerung von sich schnell verbreitenden Infektionskrankheiten dahingerafft. Im Osten hingegen, den die Europäer nicht besiedelten, überlebten die meisten indigenen Gemeinden.
Allerdings führten hier später die Engländer Munition und Waffen ein, die sie vor allem an das Volk der Bawihka verteilten. Diese vermischten sich mit entkommenen Sklaven aus den britischen Karibik-Kolonien. Ihre militärische Überlegenheit, die sie den britischen Waffenlieferungen zu verdanken hatten, nutzten sie dazu, ihr Siedlungsgebiet zu erweitern und andere indigene Gruppen ins Landesinnere abzudrängen. Diese afro-indigene Gruppe wurde Miskitos genannt und die versprengten Überbleibsel ihres früheren Expansionismus nannte man Sumu.

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02. Die spanische „Eroberung“

Zwar hatten spanische Schiffe schon im Jahre 1508 die Karibikküste Nicaraguas entdeckt, doch erst 1522 drang eine militärische Expedition unter der Führung Gil González Dávilas von Panama kommend in nicaraguanisches Gebiet vor. Nach einer von Krankheiten und Unwettern geprägten Reise stießen González und seine Begleiter auf Einheimische unter der Führung des mächtigen Kaziken Nicoya, die ihnen einen freundlichen Empfang bereiteten. Ebenso erging es den Spaniern im Zusammentreffen mit Nicarao und dessen Leuten. Wenig später traten Tausende aus beiden Gruppen, einschließlich ihrer Führer, zum katholischen Glauben über und wurden in einer achttägigen Massentaufe getauft.

Nicarao hatte González zudem reich mit Gold und Perlen beschenkt. Beim weiteren Vordringen ins Landesinnere stießen die Spanier dann aber doch auf Widerstand, den ihnen Niquiranos unter ihrem Führer Diriagén entgegensetzten. Die spanische Expedition trat daraufhin den Rückzug an, und González kehrte mitsamt seiner wertvollen Fracht nach Panama zurück.

Francisco Hernández de Córdoba, Bild: See page for author [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AFrancisco_Hern%C3%A1ndez_de_C%C3%B3rdoba.jpg">via Wikimedia Commons</a>

Francisco Hernández de Córdoba, Bild: See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Francisco Hernández de Córdoba gelang es 1524, die erste dauerhafte Siedlung auf nicaraguanischem Gebiet zu gründen. Er gab dem Land auch seinen heutigen Namen.
Um mögliche Ansprüche seines Vorgängers González abzuwenden, gründete er die beiden Städte Léon und Granada, die zum Zentrum des kolonialen Nicaragua werden sollten. León war auch Ausgangspunkt weiterer Expeditionen ins Landesinnere.

Während die Konkurrenz zwischen Hernández de Córdoba und González wuchs, klagte der Gouverneur Panamas, Pedrarias, Hernández de Córdoba der Misswirtschaft an. Dieser wurde zum Tode verurteilt, starb jedoch bald nach dem Urteil. Pedrarias wurde selbst zum Gouverneur Nicaraguas und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr 1531.

Nicaragua lag, wie das benachbarte Costa Rica auch, abseits der spanischen Machtzentren von Peru oder Mexiko und war weitgehend sich selbst überlassen.

Die Einwohnerzahl der Siedlungen schrumpfte, zum einen, weil viele der spanischen Siedler sich Pizarros Expeditionen zur Eroberung des Inka-Reiches anschlossen, zum anderen, weil ein substanzieller Teil der einheimischen Bevölkerung nach Peru, zur Zwangsarbeit in den dortigen Minen, verschleppt wurde. Man schätzt die Zahl derjenigen, die zwischen 1528 und 1540 dieses Schicksal teilten, auf 200.000.

Viele der neugegründeten Städte und Siedlungen verschwanden wieder von der Landkarte, so dass die spanische Kolonie in Nicaragua gegen Ende des 16.Jahrhunderts faktisch nur noch aus den beiden Städten León und Granada bestand.

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03. Die koloniale Herrschaft

Nach der Teilung des spanischen Kolonialreiches 1543 wurde Nicaragua dem Generalkapitanat Neuspanien zugeschlagen, das zu diesem Zeitpunkt von Südmexiko bis Panama reichte.

Hauptstadt der auch Vizekönigreich genannten Kolonie war zunächst das honduranische Gracias und später La Antigua Guatemala. Damit unterstand Nicaragua offiziell der Autorität der dortigen „Audiencia“, einem fünfköpfigen Gremium mit Verwaltungs-, Rechtsprechungs- und militärischer Autorität. In der Praxis führte Nicaraguas Randlage aber dazu, dass die Ayuntamiento genannte lokale Regierung der Provinzhauptstadt León die politische Macht auf sich konzentrierte und Anweisungen aus der fernen Hauptstadt meist ignorierte.

Im Verlauf des 17. Jahrhunderts sorgten Handelsbeschränkungen der spanischen Krone, Naturkatastrophen und eine nachlässige regionale Regierung dafür, dass die Provinz Nicaragua einen ökonomischen Niedergang erlebte und zum Spielball englischer, französischer und holländischer Piraten wurde. 1668 und 1670 eroberten und zerstörten Piraten Granada, das Zentrum der vernachlässigten Landwirtschaft.
Im ausgehenden 17.Jahrhundert fassten die Briten an Nicaraguas Karibikküste Fuß, indem der britische Gouverneur Jamaikas kurzerhand einen von ihm gefangengehaltenen Miskito-Führer zum König der Mosquitia-Nation erklärte und diese unter den Schutz der englischen Krone stellte.

In diesem Ereignis nahm die Jahrhunderte dauernde Rivalität zwischen Spanien und England um die Vorherrschaft an der Karibikküste ihren Anfang. Tatsächlich blieb die Küste bis zum Ende des 19.Jahrhunderts unter britischer Kontrolle.
Nach mehr als einem Jahrhundert der – meist vergeblichen – Suche nach Bodenschätzen in Nicaragua wandten sich die spanischen Kolonialisten schließlich der Landwirtschaft und dem Export von Agrarprodukten zu.
Dieser Schritt verhalf der Kolonie endllich zu wirtschaftlichem Wachstum und einer lokalen Elite von im Land geborenen Criollos zu Wohlstand. Zentren dieser Machtelite waren die Städte León, Granada und zu einem geringeren Grad Rivas.
Der Sieg der Bourbonen über die Habsburger im spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) hatte weitreichende Auswirkungen auf die spanischen Kolonien in Amerika. Die zuvor strikten Handelsmonopole entfielen zugunsten einer liberaleren Handelspolitik. Diejenigen, die von den hergebrachten Regeln und Privilegien profitiert hatten, bildeten als Konservative eine Interessengruppe, denen die der Liberalen, überwiegend Vertreter des Handels und des Exports, gegenüberstanden. Zudem unterschieden sich beide Gruppen in ihrer unterstützenden bzw. ablehnenden Haltung gegenüber der katholischen Kirche. Im gesamten Gebiet des Generalkapitanats Guatemala schlugen sich ganze Städte, abhängig von ihrer jeweiligen wirtschaftlichen Grundlage, auf die eine oder die andere Seite.
León wurde als Zentrum des Leder- und Talgexports zu einer Hochburg der Liberalen, während die herrschende Klasse Granadas überwiegend aus Grundbesitzern bestand, die vom alten System profitiert hatten und sich als Konservative gegen die Neuerungen sperrten. Der Widerstreit zwischen beiden Städten und politischen Positionen nahm häufig gewalttätige Formen an. Beide Städte unterhielten Streitkräfte, um die jeweils eigene Position auch militärisch zu behaupten.

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04. Die nationale Unabhängigkeit (1821 – 1857)

Der institutionalisierte Konflikt zwischen Konservativen und Liberalen wurde nach der Unabhängigkeit von Spanien noch unversöhnlicher ausgetragen, da die Schlichterrolle der Kolonialmacht entfiel. Er stellt eines der wichtigsten und zugleich destruktivsten Elemente der zentralamerikanischen Geschichte des 19. Jahrhunderts dar.

So war es auch innerhalb des nachfolgenden Staatenbundes, der zentralamerikanischen Konföderation, durchaus üblich, dass die beiden Parteien jeweils die ihnen nahestehende Partei eines Nachbarlandes unterstützten und zu deren Gunsten militärisch intervenierten. Mit der napoleonischen Invasion in Spanien verlor die spanischen Monarchie ihre Legitimität und ihre Kontrolle über die Kolonien. Ihr Versuch, zumindest die einträglichen Kolonien zu erhalten, führte dazu, dass die zentralamerikanischen Kolonien noch stärker vernachlässigt wurden als zuvor.
1811 kam es in der Provinz El Salvador zu einem ersten Aufstand der in der Kolonie geborenen Spanier (Criollos) gegen die privilegierten Peninsulares, die in Spanien geborenen Spanier. Obwohl sich Nicaragua dem offiziell nicht anschloss, kam es doch bald auch unter den nicaraguanischen Criollos zu einer Erhebung gegen die Peninsulares.

Das historische Wappen der “Vereinigten Provinzen Zentralamerikas”, dessen Motive sich noch heute in den Nationalwappen der fünf Einzelstaaten wiederfinden. Grafik: Anjelkaido, Rastrojo, HansenBCN (Own work) CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons

Das historische Wappen der “Vereinigten Provinzen Zentralamerikas”, dessen Motive sich noch heute in den Nationalwappen der fünf Einzelstaaten wiederfinden. Grafik: By Anjelkaido, Rastrojo, HansenBCN (Own work) CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons

Das folgende Jahrzehnt stand unter dem Eindruck dieses gewalttätig ausgetragenen Konflikts, der nur in Etappen zur nationalen Unabhängigkeit führte. Den ersten Schritt bildete die am 15.Septemebr 1821 gemeinsam mit Mexiko erklärte Unabhängigkeit des Generalkapitanats Guatemala von Spanien. Daraufhin versuchte Mexiko, unter seinem selbsternannten Kaiser und General Agustín de Iturbide, die ehemalige Kolonie dem mexikanischen Reich einzuverleiben. Der Versuch scheiterte am Widerstand der zentralamerikanischen Länder, die sich daraufhin 1823 zum Staatenbund der fünf „Vereinigten Provinzen von Zentralamerika“ zusammenschlossen. (Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica). Lediglich die Provinz Chiapas entschied sich für den Verbleib bei Mexiko.

Die Föderation scheiterte über die beiden folgenden Jahrzehnte an territorialen und politischen Konflikten, sowie an der Schwäche der föderalen Regierung.
Als die zentralamerikanische Föderation 1837 zerfiel, erklärte eine verfassunggebende Versammlung am 30.April 1838 die Unabhängigkeit Nicaraguas vom Staatenbund.

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05. Fremde Invasoren (1850 – 68)

Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts wuchs sowohl das britische als auch das us-amerikanische Interesse an Nicaragua.
Im kalifornischen Goldrausch war Nicaragua zu einer wichtigen interozeanischen Handelsroute zur West- küste der USA geworden.
Als Gegengewicht zu britischen Siedlern, die 1848 San Juan del Norte (Greytown) besetzt und die nicaraguanischen Regierungsvertreter von dort vertrieben hatten, ermutigte die nicaraguanische Regierung eine us-amerikanische Präsenz im Land. Sie vergab die Rechte an dieser Route an Cornelius Vanderbilt, und darüber hinaus auch für 12 Jahre die Exklusivrechte am Bau eines Kanals, der die Lücke des Wasserweges zwischen San Juan del Norte und San Juan del Sur schließen sollte. Während der Bauzeit erhielt er die alleinigen Nutzungsrechte an der kombinierten Land-/ Wasserroute zur Beförderung von Passagieren aus dem Osten der USA nach Kalifornien.

Den folgenden Konflikt zwischen britischen und us- amerikanischen Wirtschaftsinteressen legten die Regierungen beider Länder in einem bilateralen Vertrag bei, der ohne Einbeziehung der nicaraguanischen Regierung zustande kam. Deren Erwartungen, ökonomische Vorteile aus der Transportroute zu ziehen, erfüllten sich nicht. Das Unternehmen samt der Häfen, Schiffe, Hotels und Restaurants entlang der Route blieb unter britischer bzw. us-amerikanischer Kontrolle.

William Walker

William Walker, in Mittelamerika bis heute Sinnbild des “hässlichen Amerikaners” – Bild: [gemeinfrei], via Wikimedia Commons

Die anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen den Parteien der Konservativen und der der Liberalen bereiteten schließlich die Bühne für eine der denkwürdigsten Invasionen in der Geschichte des Landes. 1855 sahen sich die Liberalen Leóns einer drohenden Niederlage gegen die konservativen Truppen Granadas gegenüber und riefen den berüchtigten Abenteurer William Walker zu Hilfe, der mit 60 Begleitern wenige Wochen später in San Juan del Sur eintraf. Seiner modern bewaffneten Truppe gelang es, einen Dampfer der Vanderbilt Gesellschaft auf dem Nicaragua-See zu kapern.

Mit einem überraschenden Angriff von der Seeseite gelang es ihnen, Granada zu erobern. Walker machte sich daraufhin zum Oberbefehlshaber der Truppen.
Zwei Regierungsangehörige wollten mit  Walkers Hilfe Vanderbilts Transportgesellschaft unter Kontrolle bringen, was ihnen auch gelang.
Die neue Regierung, die 1856 von Liberalen gebildet wurde, ernannte Walker gar zum Präsidenten des Landes.

Cornelius Vanderbilt, By unattributed (Heritage Auction Galleries) [Public domain], via Wikimedia Commons

Cornelius Vanderbilt, Bild: (Heritage Auction Galleries) [gemeinfrei], via Wikimedia Commons

Ausgestattet mit erheblicher Macht annullierte Walker die Transport-Konzession der amerikanischen „Vanderbilt Steamship Company“ und vergab die Transitrechte auf 25 Jahre an seinen Begleiter und Partner Edmond Randolf. Um sich der Unterstützung der us-amerikanischen Südstaaten zu vergewissern, suspendierte Walker 1857 die nicaraguanischen Anti-Sklaverei-Gesetze, und seine Regierung wurde von der der USA prompt diplomatisch anerkannt. Dies veranlasste eine Koalition zentralamerikanischer Staaten, mit finanzieller Unterstützung Vanderbilts, William Walker den Krieg zu erklären. Walker entging der Gefangennahme, indem er sich der US-Marine ergab. Walkers erneuten Invasionsversuch im November 1857 beendete der Kommandeur der us-amerikanischen Karibikflotte, Commodore Pauling, der Walker zur Aufgabe zwang und erneut in die USA zurückbrachte. Seine letzte Expedition, die Walker 1860 von New Orleans aus unternahm, endete im honduranischen Trujillo, von wo aus er erneut nach Nicaragua vordringen wollte. Als seine Begleiter mangels Erfolg begannen, zu desertieren, wandte er sich hilfesuchend an einen britischen Schiffskommandeur, der ihn den honduranischen Behörden auslieferte, die William Walker vor ein Kriegsgericht stellten und erschossen.
Was als Streit zwischen Liberalen und Konservativen begonnen hatte, brachte die beiden Parteien letztlich im Kampf gegen die ausländischen Invasoren näher.
Die Liberalen zahlten jedoch den Preis dafür, dass sie Walker ins Land gerufen hatten. Für die kommenden drei Jahrzehnte wurde Nicaragua von den Konservativen regiert.
Die Zerstörungen und die Instabilität, die der Krieg gegen Walker Nicaragua gebracht hatten, beeinträchtigten auch die Transitroute so weit, dass sie nach der fünfjährigen Schließung zwischen 1857 und 1862 im April 1868 schließlich gänzlich aufgegeben wurde.
Das Projekt, einen Kanal zwischen den beiden Ozeanen zu bauen, blieb zwar bis zum Ende des 19.Jahrhunderts im Interesse der USA, als jedoch die Roosevelt Administration 1902 dazu überging, einen Kanalbau in Panama zu favorisieren, waren alle ernsthaften Diskussionen über einen nicaraguanischen Kanal beendet.

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06. Drei Jahrzehnte der „Ruhe“ (1857 – 1893) – Das Ende der „Ruhe“ und die nächste Invasion

Die Regierungszeit der Konservativen (Partido Conservador) zwischen 1857 und 1893 gilt rückblickend als eine Periode relativen Wohlstandes. Sie stand im Zeichen verbesserter Transport- und Kommunikationswege, wie dem Bau einer Bahnlinie im Westen zum Pazifikhafen Corinto, sowie neuen Straßen und Telegraphenleitungen.
Der Kaffeeanbau und -export wuchs und war bis zum Jahr 1890 zum wichtigsten Exportgut überhaupt geworden.
Die konservative Gesetzgebung begünstigte die großen Kaffeeanbauer, die auf billige Arbeitskräfte setzte, und brachte damit die ökonomischen Eliten des Landes erneut gegeneinander auf.

José Santos Zelaya, Bild: unbekannt By Unknown, irrelevant due to age [Public domain], via Wikimedia Commons

José Santos Zelaya, Bild: unbekannt [gemeinfrei], via Wikimedia Commons

Die Zeit des relativen Friedens endete 1891 mit der Präsidentschaft Roberto Sacasas, eines Leoneser(!) Konservativen, dessen Wahl die Partei der Konservativen spaltete. Als Sacasa versuchte, über den Ablauf seiner Amtszeit hinaus an der Macht festzuhalten, nahmen die Liberalen ihre Chance wahr und starteten mit abtrünnigen Konservativen eine Revolte unter der Führung General José Santos Zelayas. Zelayas liberale Anhänger verließen im Juli 1893 die Regierung und initiierten einen erneuten Aufstand, der schon bald erfolgreich war. Eilig wurde eine verfassunggebende Versammlung einberufen, die antiklerikale Elemente in die Verfassung aufnahm, die Rechte von Ausländern auf diplomatischen Schutz beschnitt und die Todesstrafe abschaffte. Zelaya wurde Präsident und behielt dieses Amt bis 1909.

Die Diktatur des Liberalen öffnete Nicaragua ausländischem, vor allem us-amerikanischen Kapital. Konzerne wie die United Fruit Company kontrollierten zu Beginn des 20.Jahrhunderts annähernd die gesamte Kaffee-, Bananen-, Gold- und Holzproduktion des Landes.
Ungeachtet seiner liberalen Handels- und Wirt- schaftspolitik betrieb Zelaya eine strikt nationale Politik, die sich eine die us-amerikanische und britische Einmischung in Nicaragua verbat.
Als sich die USA von dem Projekt eines Kanals in Nicaragua abwandten, versuchte Zelaya, Deutsche und Japaner für diesen Plan zu begeistern.
Wie sein guatemaltekischer Amtskollege Barrios und andere liberale Politiker, strebte auch Zelaya eine Wiedereinsetzung der zentralamerikanischen Föderation an, womit er den Widerstand der Konservativen hervorrief.
Diese unternahmen 1903 einen ersten, erfolglosen Umsturzversuch. 1909 war eine weiterer Versuch erfolgreich, da er mit us-amerikanischem Geld finanziert und mit US-Truppen verstärkt war.
Die Hinrichtung zweier gefangengenommener us-amerikanischer Söldner nahmen die USA schließlich zum Vorwand, um 1912 in Nicaragua einzumarschieren.
Zelaya ging ins mexikanische Exil und die Besatzung des Landes durch US-Truppen hielt, mit einer kurzen Unterbrechung, bis 1933 an.
Als die US-Truppen unter Roosevelts Doktrin der „guten Nachbarschaft“ und „Nichteinmischung“ schließlich abzogen, hinterließen sie eine von US-Militärs ausgebildete Nationalgarde unter dem Kommando Anastasio Somoza Garcias.

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07. Der Guerillakampf des Augusto César Sandino (1926 – 1933)

Der illegitime Sohn eines wohlhabenden Landbesitzers und einer Mestiza hatte Nicaragua früh verlassen und bereiste Honduras, Guatemala und Mexiko.

Augusto César Sandino, Bild: By Underwood & Underwood [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAugusto_C%C3%A9sar_Sandino_cph.3b19320.jpg">via Wikimedia Commons</a>

Augusto César Sandino, Bild: Underwood & Underwood [Public domain], via Wikimedia Commons

Sein dreijähriger Mexikoaufenthalt wurde prägend für sein Nationalbewusstsein und den Stolz auf sein Mestizentum. Als er auf Drängen seines Vaters 1926 nach Nicaragua zurückkehrte, ließ er sich in der Provinz Nueva Segovía nieder, wo er in einer us-amerikanischen Goldmine arbeitete.
Er agitierte die Minenarbeiter im Hinblick auf die sozialen Ungerechtigkeiten des Landes und die Notwendigkeit eines veränderten politischen Systems. Schon bald stellte er eine, gegen die US-Truppen gerichtete Armee auf, die überwiegend aus Bauern und Arbeitern bestehende Ejército Defensor de la Soberanía de Nicaragua- EDSN, die „Armee zur Verteidigung der Souveränität Nicaraguas“.
Die EDSN schloss sich dem Kampf der Liberalen gegen das Regime des konservativen Emiliano Chamorro an,  der 1925 die von den USA 1924 initiierte Regierung der ’nationalen Versöhnung‘ gestürzt hatte. Der Aufstand gegen das Chamorro-Regime rief erneut die US-Truppen auf den Plan, die das Land 9 Monate zuvor verlassen hatten. Die USA zwangen Chamorro, zugunsten eines anderen Konservativen, des früheren Steuerberaters der „La Luz and Los Angeles Mining Company“ zurückzutreten. Zudem entsandten sie den Anwalt und früheren Verteidigungsminister Colonel Henry Stimson nach Nicaragua, um die dortigen Probleme im Sinne der us-amerikanischen Interessen zu lösen.

Henry Stimson, Bild: By Harris & Ewing [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AHenry_Stimson%2C_Harris_%26_Ewing_bw_photo_portrait%2C_1929.jpg">via Wikimedia Commons</a>

Henry Stimson, Bild: Harris & Ewing [Public domain], via Wikimedia Commons

Unter Druck der USA stimmten die verfeindeten Parteien dem von Stimson ausgehandelten „Pakt von Espino Negro“ zu, der folgende Bedingungen beinhaltete:
Sofortiger Friede, Abgabe aller Waffen an die US-Truppen. Allgemeine Amnestie, Rückkehrrecht für Exilanten; Rückgabe des beschlagnahmten Eigentums, sowie die Aufnahme einzelner Repräsentanten der Liberalen ins Kabinett Díaz.
Hinzu kam die Neuordnung einer Polizeitruppe auf nicht-parteilicher Basis unter dem Kommando von US-Offizieren. Überwachung der Wahlen von 1928 und den folgenden Jahren durch die USA. Weitere Präsenz der us-amerikanischen Truppen zur effektiven Umsetzung der Vereinbarungen.
Für Sandino war der Pakt unannehmbar und sein einstiger Bündnispartner, der liberale General Moncada, war für ihn zum Verräter geworden.
Er reorganisierte seine Guerillaarmee und verschrieb sich von nun an dem Kampf gegen die Besatzer.
1933 schien für die USA die Gefahr des Wiederaufflammens nationalistischer, gegen ihre wirtschaftlichen Interessen gerichteter Bestrebungen gebannt, und sie zogen ihre Truppen ab. Mit ihrem Abzug hatte Sandino sein Ziel erreicht. Er nahm Friedensverhandlungen  mit der Regierung auf. Doch auf Befehl Anastasio Somozas wurde Sandino 1934, trotz Sicherheitsgarantien und dem Ehrenwort des Präsidenten, von Mitgliedern der Nationalgarde entführt und ermordet.

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08. Nicaragua im Familienbesitz (1936 – 1979)

Anastasio Somoza García, Gründer der Somoza-Dynastie, unterhielt seit seiner Ausbildung in den USA beste Beziehungen zu deren Vertretern in Nicaragua. Präsident Roosevelt war insofern von ihm angetan, als er über Somoza sagte: „He may be a son of a bitch, but he’s our son of a bitch“.

Anastasio Somoza

Anastasio Somoza (gemeinfrei)

Weniger als zwei Jahre nach dem Abzug der US-Truppen setzte Somoza den Liberalen Präsidenten Sacasa ab und machte sich selbst zum Präsidentschaftskandidat der Liberalen. Am 1.Januar 1937 war er der gewählte Präsident Nicaraguas. Eine seiner ersten Amtshandlungen bestand in einer Verfassungsreform, die ihm eine auf acht Jahre ausgedehnte Amtszeit zubilligte.

Zu Somozas formaljuristischem Arsenal des Machterhalts gehörte der vorübergehende Rücktritt, seine Ernennung zum Interimspräsidenten und die anschließende Neukandidatur zu einer Wahl, die er mittels Einschüchterung und Betrug mit 99 Prozent der Stimmen gewann. In anderen Fällen, wie der Präsidentschaftswahl von 1947, installierte er kurzfristig einen Marionettenkandidaten, dessen Wahlsieg er nach dem bekannten Muster inszenierte. Kaum einen Monat nach dessen Amtsübernahme kam Somoza dann mittels Umsturz wieder die Macht. Als die USA sich genötigt sahen, diese skandalöse politische Praxis zu kritisieren, machte Somoza kurzerhand seinen Onkel, Victor Roman Y Reyes, zum Präsidenten, ein Zugeständnis, mit dem sich Washington zufrieden gab. So wurde Somoza 1951 nach altem Muster für 6 Jahre wiedergewählt, nicht ohne sich mit einer erneuten Verfassungsänderung auch die mögliche Kandidatur in den 57er Wahlen gesichert zu haben.
Als Somoza 1956 einem Attentat des Dichters Rigoberto Lopez Perez zum Opfer fiel, hatte der Spuk der Familien-Diktatur gerade erst begonnen.
Umgehend wurde Luis Somoza, ältester Sohn Anastasios, vom Nationalkongress zum Präsidenten ernannt und mit dem Mandat versehen, die Amtszeit des Vaters zu vollenden. Nach dem väterlichen Vorbild wurde Luis anschließend selbst Kandidat der Liberalen. Er gewann die Wahl und regierte bis 1963. Sein Bruder, Anastasio Somoza Jr., war Chef der Nationalgarde. 1963 hatte der Somoza-Clan Rene Schick zum Kandidaten erkoren, um die lauter werdende nationale und internationale Kritik zu zerstreuen. Schick wurde Präsident, Luis saß im Senat und Anastasio Junior behielt weiterhin die Kontrolle über die Streitkräfte.

Anastasio Somoza Jr., Bild: DemonSabre (Own work) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAnastasio_Somoza_DeBayle.jpg">via Wikimedia Commons</a>

Anastasio Somoza Jr., Bild: DemonSabre (Own work) CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Im März 1966 kündigte Anastasio Somoza Jr. seine Kandidatur für die 67er Wahlen an, die er gewann. Im selben Jahr erlag Luis einem Herzinfarkt, so dass die ‚logische‘ Ablösung zwischen den Brüdern nicht erfolgen konnte. Bis zur Verfassungsänderung, die Anastasio eine weitere Amtszeit ermöglichen sollte, übernahm eine ihm treue Junta die Regierung. 1974 war es schließlich wieder so weit, Somoza wurde – dieses Mal für 6 Jahre – gewählt. In der Zwischenzeit durchlief sein Sohn alle Dienstgrade der Nationalgarde im Eiltempo, um rechtzeitig zum Ablauf der väterlichen Amtszeit bereitzustehen. Der Triumph der Sandinista Revolution im Juli 1979 durchkreuzte diese Pläne dann aber doch aufs Dramatischste.

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09. Die sandinistische Revolution und die Reaktion der USA (1962 – 1979)

Die Macht der Somozas stützte sich während der vier Jahrzehnte ihrer Herrschaft auf mehrere Säulen: die Kontrolle über die Streitkräfte, die Komplizenschaft der ökonomischen Eliten des Landes, die vom Regime profitierten, vor allem aber auf die politische, ökonomische und militärische Unterstützung aller US-Regierungen dieses Zeitraums. Sie sahen in den Somozas die Garanten us- amerikanischer Interessen in der Region und eine Bastion gegen die “kommunistische Infiltration”. Innerhalb dieser Konstellation hatten Wahlen keinerlei demo- kratische Signifikanz, da ihr Ausgang an den Verhältnissen nichts zu ändern vermochte. Der Familienclan manipulierte die Verfassung und den Wahlprozess nach Belieben.

Siegesfeier am 20. Juli 1979, Bild: MRS Movimiento Renovador Sandinista

Siegesfeier am 20. Juli 1979, Bild: MRS Movimiento Renovador Sandinista via Creative Commons

Die oppositionelle „Sandinistische Nationale Befreiungsfront“ (Frente Sandinista de Liberación Nacional/ FSLN) hatte bereits 1962 ihren Kampf gegen die Somoza-Diktatur begonnen. Doch erst nach dem verheerenden Erdbeben, das Managua 1972 fast völlig zerstörte, wandten sich weite Teile der Bevölkerung vom Somoza-Regime ab.
Die Katastrophe hinterließ 10.000 Tote, 20.000 Verletzte und 250.000 Menschen wurden obdachlos. Von den internationalen Spendengeldern für den Wiederaufbau flossen annähernd eine halbe Milliarde US-Dollar in die Taschen des Somoza-Clans.

1978, nach der Ermordung des Oppositionspolitikers Pedro Joaquín Chamorro, kam es zum bewaffneten Aufstand.
Im Jahr danach war das Ende der Somoza-Herrschaft gekommen. Der Clan setzte sich mitsamt einem Gutteil der Regierungskasse in die USA ab. Begünstigt wurde die rasche Entwicklung durch die schwindende Unterstützung der Regierung Carter für die Somozas.

Daniel Ortega, Fernanda LeMarie - Cancillería del Ecuador [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0">CC BY-SA 2.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ADaniel_Ortega_(cropped).jpg">via Wikimedia Commons</a>

Daniel Ortega, Fernanda LeMarie  CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons

Die „Sandinistische Befreiungsfront“ unter der Führung Daniel Ortegas übernahm die Regierungsgewalt. Sie verstaatlichte den gewaltigen Landbesitz der Familie, ebenso wie andere, auch us-amerikanische Großbetriebe und wandelte sie zu landwirtschaftlichen Kooperativen um.
Diese Entwicklung löste in Washington, vor allem nach dem Amtsantritt Ronald Reagans 1981, ähnliche Re- aktionen aus wie die Politik Zelayas zu Beginn des Jahrhunderts. Die Reaktion war ein unerklärter Krieg gegen die nicaraguanische Regierung. Mit den Mitteln des Wirtschaftsembargos und verdeckter Militäroperationen sollte die sandinistische Regierung gestürzt werden. Ab 1983 kam dann noch eine us-finanzierte Armee aus Konterrevolutionären, meist exilierten Somoza-Anhängern, den sogenannten Contras, hinzu, die „Freiheit und Demokratie“ Nicaraguas zu verteidigen vorgaben.

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10. Der Contra-Krieg und was seitdem geschah …

Der Blick der Sandinisten auf die us-amerikanische Regierung war von den historischen Erfahrungen Nicaraguas mit den USA geprägt.

Ein zentrales Prinzip ihrer politischen Programmatik, der Anti-Imperialismus, war für sie gleichbedeutend mit Anti-Amerikanismus.
Um der Argumentation, mit der die USA den Contra-Krieg legitimierten, die Grundlage zu entziehen, schrieb die sandinistische Regierung 1984 Wahlen aus. Die USA verweigerten, in Befürchtung eines sandinistischen Wahlsieges, den Wahlen bereits im Vorfeld ihre Anerkennung. Tatsächlich gingen die Sandinisten mit 66,97 Prozent der Stimmen als Sieger aus Wahlen hervor, die viele internationale Beobachter als fair und sauber charakterisierten.
Die USA setzten weiterhin auf einen militärischen Sieg der Contras. Mit Hilfe der CIA wurden nicaraguanische Häfen vermint. Nicaragua rief daraufhin den Internationalen Gerichtshof in Den Haag an. Am 27.Juni 1986 entschied der IGH im Sinne Nicaraguas, verurteilte „die illegale Gewaltanwendung“ durch die USA (insofern diese nicaraguanische Häfen vermint hatten). Das Urteil forderte Washington auf, seine kriminellen Praktiken zu beenden und eine angemessene Entschädigung zu zahlen. Die USA erklärten, man werde sich dem Urteil nicht beugen und den Gerichtshof nicht mehr anerkennen. Die zentralamerikanischen Nachbarstaaten waren direkt vom Krieg im „Hinterhof der USA“ betroffen.
Ihr Interesse war die Beendigung des Krieges. Honduras war das erzwungene Aufmarschgebiet der Contras und hatte mit dem Unmut seiner Bevölkerung über die Anwesenheit tausender us-amerikanischer „Militärberater“ zu kämpfen. Costa Rica wurde von den USA massiv unter Druck gesetzt, den Krieg gegen die Sandinisten aktiv zu unterstützen, während es sich gleichzeitig nicaraguanischen Flüchtlingsströmen gegenüber sah. Vor allem die costaricanische Regierung unter Oscar Arías Sánchez zeichnete sich in ihrem Bemühen um

Violeta Barrios de Chamorro, By White House Photo [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AVioleta_Chamorro_1993.jpg">via Wikimedia Commons</a>

Violeta Barrios de Chamorro, By White House Photo [Public domain], via Wikimedia Commons

Friedensverhandlungen aus. Anfang 1987 begannen erste Gespräche zwischen der nicaraguanischen Regierung und den Contras. Im Juni 1987 unterzeichnen die Präsidenten von Nicaragua, Costa Rica, Honduras, Guatemala und El Salvador im guatemaltekischen Wallfahrtsort Esquipulas einen Friedensplan für Zentralamerika. Arías Sánchez erhielt für seine Rolle im „Prozess von Contadora“ den Friedensnobelpreis.
Im Februar 1990 verloren die Sandinisten die Wahlen. Eine Mitte-Rechts-Koalition unter Präsidentin Violeta Barrios de Chamorro, der Witwe des ermordeten Chamorro, übernahm die Regierung.

Mit über 15.000 Toten (überwiegend Zivilisten), 30.000 Verletzten und 250.000 obdachlosen Menschen hat der Bürgerkrieg dem Land tiefe Wunden geschlagen.

Nachdem die „Contras“ offiziell das Ende des Bürgerkriegs erklären, heben die USA das fünf Jahre zuvor verhängte Embargo auf. Präsidentin Chamorro entwaffnet die Contras, reduziert die Streitkräfte und sucht den Ausgleich mit den Sandinisten. 1993 werden die Contras unter dem Namen „Nicaraguanischer Widerstand“ wieder als offizielle politische Partei zugelassen. Eine Verfassungsreform im Februar 1995 bringt die Abschaffung der Wehrpflicht, eine Verkürzung der Legislaturperiode auf 5 Jahre, das Verbot der direkten Wiederwahl des Präsidenten, sowie das Kandidatur-Verbot für Verwandte des Amtsinhabers.

Im Juni 1996 wird Nicaragua internationale Finanzhilfe von 1,5 Milliarden US-Dollar zugesagt. Aufgrund der Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) kommt es zu starken Kürzungen im Sozial-, Gesundheits- und Erziehungsbereich. Die sozialen Errungenschaften der sandinistischen Regierungszeit werden nach und nach wieder abgebaut.

Im Oktober 1996 gewinnt mit Arnoldo Alemán der Kandidat eines rechtsliberalen Parteienbündnisses die Präsidentschaftswahlen. Daniel Ortega, Gegenkandidat der Sandinsten, unterliegt erneut und erhebt den Vorwurf der Wahlfälschung.

Mit erheblicher Unterstützung der internationalen Gemeinschaft werden zwar Fortschritte beim Wiederaufbau des Landes erzielt, dem stehen jedoch Rückschritte auf dem Gebiet der Rechtsstaatlichkeit, insbesondere eine eskalierende Korruption, gegenüber.

Enrique Bolaños Geyer, Bild: Pentagon (gemeinfrei)

Enrique Bolaños Geyer, Bild: Pentagon (gemeinfrei)

Ende Oktober 1998 fegt der Jahrhundert-Hurrikan „Mitch“ mit bis zu 250 km/h über Mittelamerika hinweg und hinterlässt auch in Nicaragua verheerende Verwüstungen. Bei den Wahlen im Jahr 2001 wird Enrique Bolaños Geyer Präsident Nicaraguas und kündigt, mit Unterstützung der internationalen Gebergemeinschaft, den Kampf gegen die Korruption an. Daniel Ortega, nach wie vor Führer der FSLN , unterliegt zum dritten Mal in Folge bei Präsidentschaftswahlen. Im Dezember 2002 wird Ex-Präsident Alemán unter Korruptionsvorwürfen verhaftet, das Parlament, dessen Präsident er noch bis zum September des Jahres gewesen war, hebt seine Immunität auf. Ihm wird persönliche Bereicherung, Geldwäsche und die Veruntreuung von ca. 100 Millionen US-Dollar vorgeworfen. Bis August 2003 steht Alemán unter Hausarrest, danach kommt er in Untersuchungshaft. Doch bereits Ende November darf er nach der Entscheidung einer befreundeten Richterin das Gefängnis aufgrund seines „schlechten Gesundheitszustandes“ wieder verlassen und auf seinen Landsitz nahe Managua zurückkehren. Im Dezember 2003 wird er wegen Geldwäsche, Veruntreuung öffentlicher Gelder und Wahlbetrugs zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt. Auch wenn Alemán weiterhin unter Hausarrest steht, anstatt im Gefängnis zu sitzen, stellt das Urteil doch einen einmaligen Vorgang in der Geschichte des Landes dar.

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