Big Corn Island

Nicaraguas karibisches Inselpaar, Big Corn und Little Corn, sind vom Pauschaltourismus bisher verschont geblieben. Die Inseln liegen gut 70 km vor Nicaraguas Atlantikhafen Bluefields. Am einfachsten gelangt man mit einem kurzen Flug ab Managua hierher, der zweimal am Tag die Hauptstadt mit Big Corn verbindet. Auf alten Landkarten werden die Inseln als Islas de los […]

Nicaraguas karibisches Inselpaar, Big Corn und Little Corn, sind vom Pauschaltourismus bisher verschont geblieben.

Die Inseln liegen gut 70 km vor Nicaraguas Atlantikhafen Bluefields. Am einfachsten gelangt man mit einem kurzen Flug ab Managua hierher, der zweimal am Tag die Hauptstadt mit Big Corn verbindet. Auf alten Landkarten werden die Inseln als Islas de los Manglares ausgewiesen, während die spanischsprachigen Bewohner, die in der Minderheit sind, sie Islas de Maíz Grande bzw. Pequeña nennen.

Mehr als die Hälfte der insgesamt 7000 Inselbewohner leben in Brig Bay, das auch den kleinen Flughafen, einige Geschäfte nebst einer Bank und zahlreichen Kneipen, die Gemeindeverwaltung und das Karen Tucker Baseball Stadium beherbergt. Letzteres wird anlässlich des wöchentlich ausgetragenen Spiels zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Insel. Big Corn weist, wie seine kleine Schwester auch, alle Attribute einer karibischen Trauminsel auf: Weiße Sandstrände, türkisblaues Wasser, Korallenriffe, Mangroven und ausgedehnte Palmenhaine. Der gerade einmal 113 m hohe Mount Pleasant stellt den höchsten Punkt der Insel dar und bietet entsprechend gute Rundumblicke. Eine asphaltierte Ringstraße umschließt Big Corn, auch wenn sie nicht immer direkt an der Küste entlang verläuft. Theoretisch lässt sich die Insel auch in gut zwei Stunden zu Fuß umrunden, doch ist es weitaus angenehmer, sich per Taxi chauffieren zu lassen, da die meisten Taxifahrer durchaus Guide-Qualitäten haben und Interessantes über die Insel und ihre Bewohner zu berichten wissen.

Sieht man vom Tourismus ab, der zunehmend an Bedeutung gewinnt, leben die meisten Einwohner vom Fischfang, auch wenn der Langustenbestand durch Überfischung bedroht ist. Bis der Hurrikan Joan die CornIslands 1988 verwüstete, war die Kopraproduktion noch ein wichtiger Wirtschaftszweig. Als “Schatten im Paradies” macht sich  – zumindest für die ständigen Bewohner der Inseln – der internationale Drogenhandel bemerkbar, verläuft doch eine wichtige Seehandelsroute an den Corn Islands vorbei. Nicht selten werden Kokainpakete an Land gespült, die von Drogenhändlern in Schnellbooten über Bord geworfen werden, wenn Entdeckung droht.

Historisch betrachtet, sind die Inseln bereits im 17. Jahrhundert als Schmuggler- und Piratenversteck auf die Weltkarte gelangt. Zwischen 1655 bis 1894 waren sie als Teil der Miskito Coast britisches Protektorat, bis Nicaragua sie 1894 für sein Staatsgebiet beanspruchte. Schon 1914 wurden Big Corn und Little Corn für 100 Jahre an die USA verpachtet, so dass hier auf nicaraguanischem Gebiet die US-Gesetze galten, die USA aber weiterhin die de facto nicaraguanische Selbstverwaltung duldeten, bis der Vertrag 1970 vorzeitig gekündigt wurde und die Corn Islands wieder an Nicaragua zurückfielen. Dennoch bleibt Englisch bzw. ein englischbasiertes Kreolisch, die am meisten gesprochene Sprache auf den Inseln. Ihre Bevölkerung geht auf die Nachfahren der britischen Goldsucher und geflohenen Sklaven anderer karibischer Inseln zurück, während in den letzten Jahrzehnten Angehörige der indigenen Miskito sowie spanischsprachige Nicaraguaner vom Festland hinzugekommen sind.