Index

01. Frühe Besiedlung

Die wichtigsten Siedlergruppen an der Karibikküste des heutigen Belize waren die Arawaks und die Kariben.

Caneye

Caneye

Beide Gruppen lebten als Jäger und Fischer, zu deren Jagdtieren vor allem Vögel, Fische und (Meeres-) Schildkröten gehörten. Im Unterschied zu den kriegerischen Kariben galten die Arawaks als friedlich. Neben Jagd und Fischfang bauten sie auch Süßkartoffeln, Maniok, Mais, Tabak und Baumwolle an. Sie lebten in runden Hütten, sogenannten Caneyes, lediglich der Führer oder Cacique bewohnte ein Bohio genanntes, rechteckiges Haus. Bei Zeremonien saß der Cacique auf einem kurzbeinigen, mit Tiersymbolen dekorierten Stuhl, dem Duho.

Zemi

Zemi

Zu den Glaubensvorstellungen der Arawaks gehörten neben einem Himmelsgott und einer Erdgöttin auch viele Naturgottheiten, die durch Zemis repräsentiert wurden. Sie kontrollierten Wind, Regen, Hurrikane, Feuer und Krankheit, aber auch Gesundheit und Krankheit, Glück und Unglück, oder auch Fruchtbarkeit.

Zemis konnten aus Stein, Knochen, Holz oder Muschelschalen gemacht sein und Menschen- oder Tiergestalt haben. Bei Opfer- oder Bittritualen wurde pulverisierter Tabak, Cohaba, in einer Schale auf den abgeflachten Kopf eines Zemis gestellt und verbrannt. Der Rauch wurde dann von Priestern durch ein Ypsilon-förmiges Stück Zuckerrohr inhaliert. Sie versetzten sich dadurch in einen Bewusstseinszustand, in dem sie mit den Zemis kommunizieren konnten.

Die Maya

Die älteste bekannte Maya-Siedlung im heutigen Belize ist Cuello im Orange Walk Distrikt. Seit 2000 v. Chr. lebten ihre Bewohner hier als Bauern. Zum Zeitpunkt, als die Maya-Kultur ihren Höhepunkt erreicht hatte, lebten in Belize weitaus mehr Menschen als heute. Die Schätzungen gehen von mindestens einer halben Million Menschen aus, die in Stadtstaaten lebten. Die wichtigsten und mächtigsten Städte waren Xunantunich, Altun Há, Lubaantun, El Pilar und Caracol.
Die Maya handelten mit Salz, Baumwolle, Kakao, Fisch, Honig, Federn, Muscheln und Edelsteinen.
Die Lebensgrundlage der Bevölkerung sicherte der Anbau von Mais, Bohnen, Tomaten, Chilis, Kürbissen und anderem Gemüse. Truthahn, Fisch und Wild ergänzten den Speiseplan der Reichen. Den rätselhaften Niedergang der Mayastaaten Mitte des 10. Jahrhunderts erklären Archäologen heute meist mit Klimaveränderungen, in deren Folge die landwirtschaftlichen Erträge stark zurückgingen und auch die Handelsgüter knapp wurden.
Die großen Städte konnten ihre Einwohner nicht mehr ernähren und wurden von der Bevölkerung aufgegeben. Ihre prächtigen Bauten zerfielen und wurden von der dichten Vegetation des tropischen Waldes überwuchert. Bei Ankunft der Spanier zu Beginn des 16.Jahrhunderts lebten die Maya meist als Bauern in kleinen Dörfern.

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02. Die Kolonialisierung

Die spanischen “Eroberer” fassten in Belize, anders als im übrigen Mittelamerika, nie wirklich Fuß.

Mayakrieger

Mayakrieger, By Wmpearl (Own work) [CC0] via Wikimedia Commons

Die Maya leisteten heftigen Widerstand und weigerten sich, Tributzahlungen zu leisten. So ist die  Äußerung des Maya-Führers Nachankan überliefert, die einzigen Tribute, die sein Volk zahlen werde, seien “Truthähne in Form von Speeren und Mais in Form von Pfeilen”. Den Maya des damaligen Chetumal (nahe dem heutigen Corozal) gelang es, die Spanier zurückzuschlagen, ihr Gebiet wurde zum Fluchtpunkt derjenigen, die der spanischen Herrschaft zu entkommen suchten.
Auch die Missionierung der Maya schlug fehl. Sie hielten an ihrem überlieferten Glauben fest und zündeten die Kirchen, die die Invasoren bauten, an. Dennoch überlebte nur eine kleiner Teil der indigenen Bevölkerung den Kontakt mit den Europäern. Sie starben zu Tausenden an den eingeschleppten Krankheiten, denen sie nichts entgegenzusetzen hatten.
Als die Briten im 17.Jahrhundert die Küste des heutigen Belize erreichten, hatten sich die Maya von der Küste ins Landesinnere zurückgezogen. In den britischen Annalen werden Kontakte zur Mayabevölkerung des Landesinnern erst im späten 18. Jahrhundert erwähnt. Zuvor lebten Briten nur als Piraten, Schmuggler und Abenteurer in behelfsmäßigen Siedlungen an der Küste oder auf den vorgelagerten Cayes. Diese dienten als Basen zum Überfall auf spanische Handelsschiffe.

Diese rauen Gesellen nannten sich selbst Baymen, in Reminiszenz an ihre Herkunft aus der Bucht von Honduras.
Als die beiden Großmächte England und Spanien 1670 im Vertrag von Madrid ihre jeweiligen territorialen Ansprüche in der Karibik regelten, bedeutete dies das Ende des Piratentums. Die Baymen wandten sich dem Holzeinschlag in den tropischen Wäldern des Festlandes zu. Besonders begehrt war das Blauholz (logwood), so genannt, weil es einen Farbstoff, mit dem vor allem Wollstoffe eingefärbt wurden, lieferte. Dieses Holz sollte für die kommenden hundert Jahre die ökonomische Basis der britischen Siedlungen im heutigen Belize darstellen.
Während des gesamten 18.Jahrhunderts waren die britischen Siedler in Belize Anlass von Konflikten zwischen Spaniern und Briten.
Wiederholt griffen Spanier die Siedlungen der Holzfäller an, und mehrmals gelang es ihnen auch, sie zu vertreiben. Da die Spanier selbst das Territorium aber nicht dauerhaft besetzten, kehrten die Baymen immer wieder zurück und dehnten ihre Siedlungen und ihren Handel aus. Mit dem Vertrag von Paris im Jahr 1763, wurden ihnen zwar die Rechte am Holzeinschlag zugestanden, jedoch behielt Spanien die Souveränität über das Territorium. Mit dem Niedergang des Blauholz-Handels wandten sich die Holzfäller dem Mahagoniholz zu. Am 15.September 1779 eroberten die Spanier St. George’s Caye, auf dem die Mehrheit der britischen Siedler lebte. 140 Gefangene und 250 Sklaven wurden nach Havanna verschleppt. Die britische Siedlung war daraufhin bis zum nächsten Vertrag der beiden Kolonialmächte im Jahr 1783 verwaist.

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03. Die Baymen und der Widerstand der Maya

Die Rechte der Baymen wurden erneut 1786 geregelt. Sie durften in einem genau bezeichneten Territorium Holz schlagen, erhielten aber weder das Recht, Forts zu bauen, noch Landwirtschaft zu betreiben, oder eine Selbstverwaltung zu installieren. Die Spanier behielten sich das Recht vor, die britischen Siedlungen zu inspizieren.

Fort St. George

Fort St. George

Die Dinge nahmen eine entscheidende Wende, als die Spanier 1798 mit einem erneuten Angriff auf St. George’s Caye scheiterten. Die Baymen widersetzten sich dem spanischen Angriff mit Unterstützung dreier Kompanien der britischen Westindien-Armee, einer bewaffneten Schaluppe und der Hilfe ihrer afrikanischen Sklaven.
Bis heute ist der 10.September als Jahrestag der “Schlacht von St.George’s Caye” einer der wichtigsten Feiertage in Belize, denn die Schlacht markierte den letzten Versuch der Spanier, das Gebiet des heutigen Belize unter ihre Kontrolle zu bringen.

Mahagonibaum

Mahagonibaum

Je weiter die britischen Baymen ins Landesinnere vordrangen, desto heftiger wurde der Widerstand der Mayabevölkerung. Im Verlauf des Kastenkriegs waren Tausende Mayas aus dem mexikanischen Teil Yucatáns ins nördliche Belize geflohen. Sie waren nicht bereit, die Verfolgung durch mexikanische Truppen gegen die britische Herrschaft einzutauschen. Nach ersten Überfällen der Maya auf die Holzfällercamps am New River 1788 entsandte die britische Regierung Truppen als Strafexpedition gegen die einheimische Bevölkerung. Trotz heftigen Widerstands wurden die Maya immer weiter zurückgedrängt. Sie zogen sich in die Wälder rund um San Ignacio zurück, ohne ihren Widerstand aufzugeben. Immer wieder attackierten sie die Mahagoni-Camps. Sie forderten Pachtzahlungen der Briten für ihre Nutzung des Landes. Marcos Canul, ein lokaler Maya-Führer, besiegte 1866 mit seinen Leuten eine britische Militärabteilung. Fünf Soldaten wurden getötet und 16 verletzt. Daraufhin entsandten die Briten mehr Truppen, die Mayadörfer zerstörten und Felder niederbrannten. Sie sollten die Maya aus der Gegend vertreiben, indem sie deren Lebensgrundlage zerstörten. Doch die Maya bauten ihre Dörfer wieder auf und bepflanzten ihre Felder neu. Auch Canul setzte seinen Kampf unbeirrt fort. Bei einem Angriff gegen den Militärstützpunkt von Orange Walk 1872 wurde Canul tödlich verwundet. Die Maya zogen sich daraufhin zurück. Danach kam es zu keinen größeren Attacken der Maya gegen die Briten mehr.
1867 wurde es den Maya in einem Dekret des britischen Gouverneur Austin verboten, Land zu besetzen oder zu bewirtschaften, ohne dem (britischen) Landbesitzer oder der Krone Pacht zu zahlen. Während die Maya systematisch von ihrem Land vertrieben wurden, ermunterten die Briten gleichzeitig Flüchtlinge des us-amerikanischen Bürgerkriegs dazu, sich als Bauern in Belize anzusiedeln.

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04. Sklaverei in Belize

Seit dem frühen 18. Jahrhundert wurden von den britischen Baymen auch afrikanische Sklaven zur Arbeit als Holzfäller eingesetzt.

Im Unterschied zu den karibischen Inseln, auf deren Zuckerrohrplantagen große Sklavengemeinden entstanden, die nach der Vernichtung der indigenen Bevölkerung bald die Bevölkerungsmehrheit stellten, lebten in Belize die männlichen Sklaven verstreut in kleinen Gruppen, getrennt von ihren Familien in Belize City.
Die meisten von ihnen waren über Jamaica nach Belize verschleppt worden. Ihr Ursprung lag im Nigerdelta, in der Bucht von Benin, oder dem südlichen Westafrika, zwischen Kongo und Angola. Sie bewahrten ihre jeweils eigene ethnische Identität als Nango, Kongolesen, Mongola, Ashanti oder als Ebo.

Als der Sklavenhandel 1807 verboten wurde, sank der Anteil der schwarzen Bevölkerung in Belize. Krankheiten, Misshandlungen, Unterernährung sowie das ungleiche Zahlenverhältnis von Männern und Frauen waren hierfür die Hauptursachen.
Während über 80 Prozent der männlichen Sklaven in der Mahagoni-Gewinnung arbeiteten, mussten Alte, Frauen und Kinder Hausarbeit verrichten, oder Nahrungsmittel zur Selbstversorgung der Sklavenbevölkerung anbauen.

In der Geschichte des Landes sind vier Sklavenaufstände verzeichnet. Drei davon zwischen 1760 und 1770. während dieses Zeitraums waren die Preise für Blauholz stark gefallen. Die Holzfäller reagierten darauf, indem sie mehr Sklaven kauften bzw. einsetzten, um die Holzmenge zu erhöhen, ihre Sklaven gleichzeitig aber noch schlechter ernährten als zuvor. Der letzte Sklavenaufstand fand 1820, entlang des Belize und des Sibun River statt. Der Aufsichtsbeamte der britischen Kolonialbehörde verhängte daraufhin das Kriegsrecht, da ein beträchtlicher Teil der rebellierenden Sklaven gut bewaffnet war. Andere Sklaven versuchten ihrem Schicksal durch Flucht zu entrinnen. Sie flohen nach Yucatán, wo ihnen die Spanier die Freiheit verhießen.
Viele der entkommenen Sklaven unterstützten die Spanier bei ihren Angriffen auf die britischen Siedlungen.
Als die Briten ihr Siedlungsgebiet nach Süden und Westen ausdehnten, wurden der Petén Guatemalas und die honduranische Küste zwischen Omoa und Trujillo zu Fluchtpunkten. Manchen geflohenen Sklaven gelang es auch, in kleinen, versteckten Siedlungen innerhalb Belizes zu überleben. Auch wenn sich diese Siedlungen heute nicht mehr lokalisieren lassen, zeugt dennoch der Name “Runaway Creek”, den ein Nebenfluss des Sibun trägt, von ihrer Existenz.

Belize blieb bis 1838 eine Sklavenhaltergesellschaft. Die Abschaffung der Sklaverei erfolgte offiziell zwar bereits 1833, doch änderte sich zunächst nichts an den sozialen Hierarchien. Durch die Einführung des “Lehrverhältnisses” wurden alle Sklaven, die älter als 6 Jahre waren, zu unentgeltlicher Arbeit für ihre vorigen Besitzer gezwungen. Mit der Abschaffung dieses Systems erhielten die ehemaligen Sklavenbesitzer Entschädigung von der britischen Regierung, während die nunmehr “freien” Schwarzen, denen Landbesitz verwehrt war, in eine Lohnabhängigkeit von den ehemaligen Sklavenhaltern gerieten.

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05. Die Mahagoni-Gesellschaft

Das Holz der Mahagonibäume dominierte das wirtschaftliche, soziale und politische Leben der britischen Kolonie bis Mitte des 20. Jahrhunderts.

Der Wechsel vom Blauholz zum Mahagoni brachte der Kolonie dramatische Veränderung. Zur Gewinnung von Mahagoni wurden weitaus mehr Land, Arbeitskräfte und nicht zuletzt Kapital benötigt. Auf diese Weise entstand eine kleine, wohlhabende Oberschicht, die einen Großteil des Landes und der Arbeitskräfte kontrollierte.
Die Mahagoni-Preise waren von Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt abhängig. Stieg die Nachfrage, wurde der Holzeinschlag in die langsam wachsenden Mahagoni-Bestände gesteigert, ohne dass diese wieder aufgeforstet wurden. So mussten die Holzfäller immer tiefer ins Landesinnere eindringen, um entsprechende Baumbe-stände zu finden. Dieser erhöhte Aufwand ließ die Kosten steigen, während parallel dazu die Nachfrage auf dem Weltmarkt und mit ihr die Preise Mitte des 19.Jahrhunderts rapide sanken.
Die Abhängigkeit der Kolonie vom Mahagonihandel wirkte sich vor allem in Zeiten fallender Preise auf die Kolonialgesellschaft aus.
Ging eine der Holzgesellschaften in Konkurs, wurde sie von einer anderen, bereits bestehenden Gesellschaft aufgekauft, was zu einer beschleunigten Konzentration von Land und Kapital in den Händen Weniger führte.
Der ungleichen Verteilung von Landbesitz entsprach auch die politische Repräsentanz der Bevölkerung. Das Wahlrecht besaß nur, wer Land besaß.
Ende des 18.Jahrhunderts war aus dem Nutzungsrecht für ein bestimmtes Areal de facto Privateigentum geworden. Lediglich 12 Familien, die sich auf die ersten Baymen zurückführten, besaßen vier Fünftel des gesamten Territoriums. Auch nach der Abschaffung der Sklaverei blieb es bei dieser ungleichen Verteilung. Die wenigen Landbesitzer entschieden auch über die Nutzung des Landes. Profite aus dem Holzhandel waren ihnen wichtiger als Erträge aus der Landwirtschaft, auch weil sie am Import der benötigten Lebensmittel verdienten. In erster Linie konnten sie so Anzahl und Preis der Arbeitskräfte kontrollieren.

Die britischen Siedlungen in Belize waren von Beginn an darauf angewiesen, Lebensmittel, Werkzeuge und andere Arbeitsgeräte zu importieren. Besonders unverzichtbar war die Einfuhr von Mehl und gepökeltem Schweinefleisch. Die mangelnde Selbstversorgung der Siedlungen (und später der Kolonie) ließ eine wohlhabende und einflussreiche Schicht von Händlern entstehen.
Als Guatemala 1859 der britischen Krone die Souveränität über Belize in den noch heute bestehenden Grenzen zugestanden hatte, wurden 1862 aus den britischen Siedlungen die offizielle Kolonie “Britsch Honduras”.
An den Landbesitz-Verhältnissen änderte dieser Statuswechsel nichts. Das in England von einem Anwalt der späteren British Honduras Company formulierte Gesetz zur Regelung von Landansprüchen, die sogenannten Land Titles Acts, gestattete es, auch Land zu verkaufen, auf das kein legaler Rechtsanspruch nachgewiesen werden konnte.
1875 änderte die British Honduras Company ihren Namen in Belize Estate and Produce Company (B.E.C.). Sie beherrschte Belize für die kommenden hundert Jahre, da ihr ein Fünftel von Belize und über die Hälfte des in Privatbesitz befindlichen Landes gehörte.
Ihre Vorstandsmitglieder hatten beträchtlichen politischen Einfluss, nicht nur beim Gouverneur der Kolonie, sondern auch bei der britischen Regierung. Die B.E.C. plünderte den Holzbestand der Kolonie, ohne sich um die nachhaltige Nutzung der Edelholz-Bestände zu kümmern.
Noch im Jahr 1971 besaßen 3 Prozent der Bevölkerung 95 Prozent des Landes, während 91 Prozent der Bevölkerung gerade einmal über 3 Prozent des Landes, aufgeteilt in kleinste Parzellen, verfügten.

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06. Von der Arbeiterbewegung zur Unabhängigkeit

Gegen die Vorherrschaft der Holzindustrie lehnten sich zuerst die Arbeiter auf.

Sie waren lange Zeit durch ein einseitiges Arbeitsgesetz geknebelt, das ausschließlich die Interessen der Arbeitgeber berücksichtigte. So war es Arbeitern z.B. bei Gefängnisstrafe von drei Monaten verboten, ohne Erlaubnis ihrem Arbeitsplatz fernzubleiben. Die Arbeitgeber dagegen hatten das Recht, Arbeiter, die ihrer Arbeit fernblieben, mit Gewalt zurückzuholen. Als 1894 Holzfäller aus ihrem Arbeitsgebiet nach Belize City zurückkehrten, erfuhren sie, dass eine massive Geldabwertung die Kaufkraft ihres Lohnes halbiert hatte. Der verbliebene Rest reichte nicht einmal aus, die Kosten der Grundnahrungsmittel zu decken. Dies löste schließlich einen gewaltsamen Aufstand aus, in dessen Verlauf Geschäfte geplündert und zerstört wurden. Die Anführer  des Protests flohen nach Mexiko. Aus Angst vor weiteren, gewaltsamen Protesten erhöhten die Arbeitgeber schließlich die Löhne.
Zu erneuten Protesten kam es nach der Rückkehr belizeanischer, schwarzer Soldaten aus dem 1. Weltkrieg. Sie klagten die rassistische Behandlung an, die sie in der britischen Armee erfahren hatten, während sie für Großbritannien kämpften.

Samuel Alfred Haynes

Samuel Alfred Haynes

Britische Truppen wurden angefordert, den Aufstand niederzuschlagen. Einer der Führer des Soldatenaufstandes war Samuel Haynes, ein Anhänger des schwarzen, jamaikanischen Nationalistenführers Marcus Garvey, der die UNIA (Universal Negro Improvement Association) in Jamaika und den USA gegründet hatte. Haynes schrieb auch den Text des Liedes “Land of the Gods”, das später als “Land of the Free” zur Nationalhymne des unabhängigen Belize werden sollte. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 schließlich hatte massive Auswirkungen auf die exportabhängige Wirtschaft des Landes.
Als 1931 die Zerstörungen eines heftigen Hurrikans hinzukamen, nahm die Krise dramatische Formen an. Extreme Armut und Hunger prägten das Leben der meisten Belizeaner. Öffentliche Armenspeisungen in Belize City, bei denen “Rice Lab”, ein Brei aus gekochtem Reis mit Zucker, ausgegeben wurde, verhinderten die Katastrophe.

Antonio Soberanis

Antonio Soberanis

1934 formierte sich schließlich die “Brigade der Arbeitslosen”. Ihr Protestmarsch führte durch Belize City zum Sitz des Gouverneurs. Der forderte die Demonstranten auf, sich registrieren zu lassen. Als mehr als 1800 Menschen diesem Aufruf folgten, bot er 80 von ihnen an, als Steinebrecher an der Straße nach Norden für einen Tageslohn von 25¢ zu arbeiten … Einer der Demonstranten, Antonio Soberanis, resignierte nicht und wurde zum Begründer der Labour and Unemployed Association (LUA) und der belizeanischen Arbeiterbewegung. Sie wurde schließlich zur Keimzelle der nationalen, antikolonialistischen Bewegung.

Während der 2.Weltkrieges entspannte sich die Situation in Belize vorübergehend, da viele Holzarbeiter nach Großbritannien gingen. Andere arbeiteten in Panama am Kanal, oder als Landarbeiter in den Südstaaten der USA. Nach Kriegsende kehrten sie in die alten Bedingungen von Armut und Arbeitslosigkeit zurück.

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07. Die Unabhängigkeit und der Konflikt mit Guatemala

In den frühen 50er Jahren war mehr als ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung ohne Arbeit.

Miserable Wohnverhältnisse, Unterernährung und eine fehlende Gesundheitsversorgung prägten die Lebensbedingungen großer Bevölkerungsteile. Hinzu kam 1949 eine weitere Abwertung des Belize Dollars.
Noch am selben Tag formierte sich daraufhin das People’s Committee, dessen Proteste schon bald das gesamte Kolonialsystem in Frage stellten. 1950 wurde aus dem Komitee die Partei der People’s United Party (PUP), deren Ziele die politische und ökonomische Unabhängigkeit des Landes waren.
Ein Generalstreik im Oktober 1952 brachte zwar nur geringfügige Verbesserungen, hatte aber in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Notwendigkeit politischer Solidarität geschaffen. 1954 gelang es der PUP, das universelle Wahlrecht für alle Erwachsenen durchzusetzen. Bei den im selben Jahr durchgeführten Wahlen errang die Partei 7 von 8 Sitzen und 67 Prozent der Stimmen.
1964, zehn Jahre nach dem allgemeinen Wahlrecht, erlangte Belize die innere Selbstverwaltung.

George Price

George Price

Am 21. September 1981 war schließlich der Tag der vollständigen nationalen Unabhängigkeit gekommen. George Price, der Mitbegründer der People’s United Party und Führer der langjährigen Verhandlungen mit den Briten, wurde erster Premierminister des unabhängigen Belize.
Seither ist Belize Mitglied des Commonwealth, der Vereinten Nationen und mehrerer anderer internationaler Bündnisse und Organisationen. Belizes Unabhängigkeitsbestrebungen wurden international vor allem von der Allianz der blockfreien Staaten, insbesondere auch von Mexiko, unterstützt.
Die Beziehungen zu den übrigen mittelamerikanischen Nachbarn standen dagegen lange unter den Vorzeichen des Konfliktes mit Guatemala.

Die Staaten Mittelamerikas und Mexiko hatten ihre nationale Unabhängigkeit von Spanien (1821) unter Beibehaltung der kolonialen Grenzen vollzogen.
Guatemala argumentierte, dass Spanien seine Hoheitsrechte über Belize nicht aufgegeben habe und Guatemala in diese Rechte einträte. Die Briten lehnten die guatemaltekischen Ansprüche mit dem Argument ab, dass ihre Kontrolle über Belize in die Zeit vor der Unabhängigkeit Guatemalas zurückreichte. Kernstück des Streits war der 1859 zwischen Guatemala und Großbritannien geschlossene Vertrag. Für die britische Seite wurden in ihm nur Grenzen, die bereits zuvor existierten, festgeschrieben. Guatemala hingegen sah in der Vereinbarung einen Abtretungsvertrag, der von britischer Seite gebrochen worden war. Diese hatte sich als Gegenleistung zum Bau einer Straße verpflichtet, die Guatemala einen Zugang zur atlantischen Küste gewähren sollte. Diese Straße wurde jedoch nie gebaut.
Die guatemaltekische Verfassung von 1945 beinhaltete Ansprüche auf das Territorium von Belize und es kam zu wiederholten Invasionsdrohungen. Diese wurden stets mit einer verstärkten britischen Militärpräsenz beantwortet.
In der Übergangszeit von der Selbstverwaltung zur nationalen Unabhängigkeit hatten die Verhandlungen mit Guatemala meist hinter verschlossenen Türen, mit verschiedenen Vermittlern, stattgefunden. Ab Mitte der siebziger Jahre brachte die belizeanische Regierung ihr Anliegen regelmäßig vor die Gremien der Vereinten Nationen. Der Durchbruch gelang, als die USA ihre Position der Stimmenthaltung 1980 aufgaben und für die Resolution stimmten, die die Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Integrität Belizes forderte. Daraufhin änderte auch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), die bis zu diesem Zeitpunkt Guatemala unterstützt hatte, ihre Position zugunsten eines unabhängigen Belize.
Von nun an stellte sich Belize auf den Standpunkt, dass sein Recht auf nationale Unabhängigkeit von der Lösung des Konfliktes mit Guatemala zu trennen sei. So erhielt Belize seine Unabhängigkeit, ohne dass der Disput mit Guatemala gelöst war. 1991 folgte die Anerkennung Belizes durch Guatemala, und beide Länder unterhalten seitdem volle diplomatische Beziehungen zueinander.

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