Hintergrund

Nach Pizarro als erstem Gouverneur der Kolonie folgten für das heutige Peru wie für die Nachbarstaaten 300 Jahre der insgesamt 40 spanischen Vize-Könige.

Audiencias (höchste Justizorgane und Appellationsgerichte) des Vizekönigtums Peru bis1650:   1) Audiencia de Panamá 2) Audiencia de Santa Fe de Bogotá  3) Audiencia de Quito 4) Audiencia de Lima 5) Audiencia de La Plata de los Charcas             6) Audiencia de Chile.  Grafik: © Vivaperucarajo English Wikipedia CC BY-SA 2.5via Wikimedia Commons

Das spanische Vizekönigtum Neukastilien umspannte – mit Ausnahme Venezuelas – das gesamt spanischsprachige Südamerika. Das riesige Gebiet erwies sich spätesten im 18.Jahrhundert als zu groß, um von der 1535 gegründeten Hauptstadt Lima aus verwaltet werden zu können.

So entstand im Norden 1739 das Vizekönigtum Neu-Granada mit Quito als Hauptstadt und im Süden 1776 Rio de la Plata mit der Hauptstadt Buenos Aires.

Das Vizekönigtum Peru war für die Spanier von besonderer Bedeutung, da es mit der Provinz Potosí die reichsten Vorkommen von Edelmetallen beherbergte, deren Ausbeutung das Hauptinteresse der Kolonialmacht galt.

Auch nach den Nuevas Leyes, die Bartolomé de las Casas 1542 Karl V. abgetrotzt hatte, änderte sich für die indigene Bevölkerung wenig.

Obwohl die Leibeigenschaft der Encomienda formal abgeschafft wurde, blieben die Bedingungen der Zwangsarbeit faktisch bis mindestens Ende des 18.Jahrhunderts bestehen.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam es zu revivalistischen Inka-Aufständen unter der Führung des als José Gabriel Condorcanqui Noriega geborenen Tupac Amaru II und dessen Frau Micaela Bastidas, die nach Anfangserfolgen von spanischen Truppen blutig niedergeschlagen wurden.

Ursache der Rebellin waren die so genannten Bourbonischen Reformen, mit denen die spanische Kolonialmacht die entstandenen lokalen Eliten aus Kreolen und Mestizen sowie indigenen kurakas oder Kaziken entmachteten, Steuern erhöhten und die als öffentliche Vorhaben getarnte Zwangsarbeit der indigenen Bevölkerung ausweiteten.

Hinrichtung des Tupac Amaru II in Cusco

Darstellung der Hinrichtung des Tupac Amaru II in Cusco in der Casa del Inca Garcilaso de la Vega © http://utero.pe/2015/10/01/4-cosas-que-no-sabias-de-la-rebelion-de-tupac-amaru-por-charles-walker/

Der als José Gabriel Condorcanqui geborene, sich Túpac Amaru II nennende Anführer des als “Gran Rebellión” bekannten Aufstandes war eine der schillerndsten Figuren des 18.Jahrhunderts.

Vor allem sein grausiges Ende ist eine der ikonographisch bekanntesten Szenen der peruanischen Geschichte. Nachdem er der Hinrichtung seiner Frau, zweier seiner Söhne und seiner Führungsoffiziere hatte mitansehen müssen, schnitt man ihm die Zunge heraus und wollte ihn durch vier Berittene vierteilen lassen, was jedoch zunächst misslang und schließlich per Schwert erledigt wurde.

Túpac Amaru II, der sich genealogisch auf Túpac Amaru, den letzten Herrscher des Inka-Reststaates in Vilcabamba zurückführte, inspirierte sowohl die reformistische Militärregierung des Juan Velasco Alvarado (1968 – 1975) als auch die nach ihm benannte linke Guerrillaorganisation MRTA (Movimiento Revolucionario Túpac Amaru).

Unabhängigkeitserklärung Perus durch José de San Martín, Bild des Malers Juan Lepiani (1864-1933) , public domain

Erst als die Herrschaft Spaniens in den Kolonien der Neuen Welt durch die napoleonische Besetzung der iberischen Halbinsel geschwächt war, kam es zu erfolgreichen Unabhängigkeitsbewegungen, zunächst in Venezuela und Argentinien. Peru wurde durch José de San Martín und Simón Bolivar als letztes Land Südamerikas – quasi durch Eroberung – von der spanischen Kolonialherrschaft befreit, und am 28.Juli 1821 erklärte José de San Martín in Lima die Unabhängigkeit Perus.