Hintergrund

Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wirkten innerkolumbianische Konflikte destabili- sierend auf Panama.

Wie in den anderen Nachfolgestaaten der spanischen Kolonialmacht auch, kam es zu häufig blutigen Auseinandersetzungen zwischen den politischen Parteien der Liberalen und der Konservativen. Waren die Liberalen am Ruder, wuchs die Eigenständigkeit des panamaischen Departements, obsiegten die Konservativen, wurden die Lockerungen wieder zurückgenommen und alle Autonomiebestrebungen unterdrückt. 40 verschiedenen Verwaltungen standen 50 Aufstände und Rebellionen sowie 13 Interventionen der USA gegenüber, legitimiert durch das Bidlack-Mallarino Abkommen, in dem die USA die Sicherheit des Verkehrsweges am Isthmus garantierten.
Die Jahrhundertwende stand unter dem Zeichen einer Revolte radikaler Liberaler gegen die kolumbianische Regierung, die auf panamaischem Territorium ausgetragen wurde. Der „Krieg der tausend Tage“ (1899-1902) wurde mit Hilfe us-amerikanischer Truppen, die auf Bitte Kolumbiens eingriffen, beendet. Die USA verfolgten nach wie vor das Projekt eines Kanals, die politischen Vorzeichen sprachen zu dem Zeitpunkt jedoch für Nicaragua…

Im Privathaus des New Yorker Bankiers J.P. Morgan gründete sich ein geheimes Syndikat, dem u.a. der Abgesandte der französischen Kanalgesellschaft, Phillipe Bunau Varilla, angehörte. Das Syndikat kaufte die wertlosen Papiere der 1894 gegründeten französischen Nachfolgegesellschaft auf und “überzeugte” den US-Senat, den geplanten Kanal in Panama zu bauen. Um die Kanal-Aktien bestmöglich an die US-Regierung verkaufen zu können, musste das Wall-Street-Syndikat den politischen Boden in Panama bereiten. Da sich die kolumbianische Regierung weigerte, die französische Konzession an eine fremde Regierung zu verkaufen, musste ein unabhängiges Panama mit einer Marionetten-Regierung geschaffen werden.

Roosevelt Karikatur

Roosevelt Karikatur, By William Allen Rogers Courtesy of Granger Collection [Public domain], via Wikimedia Commons

Im Juli 1903 gründete sich eine „revolutionäre Junta“, die von einem Anwalt der Panama Railroad Company angeführt wurde. Unter dem Schutz der US-Marine inszenierten die Junta-Mitglieder, allesamt Angehörige prominenter und einflussreicher panamaischer Familien, im Oktober einen erfolgreichen Aufstand gegen die kolumbianische Regierung. Bereits am 6.November anerkannte US-Präsident Roosevelt die Junta als legale Regierung Panamas. Als deren Repräsentant unterzeichnete der Franzose Bunau-Varilla den Vertrag über den us-amerikanischen Kanal am Isthmus. Bunau-Varilla hatte zu diesem Zeitpunkt seit 17 Jahren nicht mehr in Panama gelebt und kehrte danach auch nie wieder in das Land zurück. In seinem Zimmer im New Yorker Waldorf Astoria verfasste er die panamaische Unabhängigkeitserklärung, die Verfassung und sogar die Landesflagge.
Trotz wenig vorteilhafter Bedingungen für die panamaische Seite wurde der Vertrag von Panama ratifiziert. Er räumte den USA weitgehende Rechte ein. Sie erhielten de facto Souveränität über einen 16km breiten Streifen beiderseits des Kanals – die sogenannte Kanalzone. Panama war damit zum Protektorat der USA geworden, die für ihre Zusage, Panamas Unabhängigkeit zu garantieren, das Recht erhielten, sich jederzeit in die inneren Angelegenheiten Panamas einzumischen. Für dieses Recht bezahlten sie einmalig 10 Millionen US-Dollar und eine jährliche „Pacht“ von 250.000 US-Dollar in Gold. Für die Anteile der ehemals französischen Gesellschaft wurden an J.P. Morgan und Co 40 Millionen US-Dollar bezahlt. Auch der „Held“ der panamaischen Unabhängigkeit und praktischer Führer der Junta, Manuel Amador Guerrero, ging nicht leer aus. Die 100.000 US-Dollar, die er per Scheck erhielt, entsprächen heute einer Summe von 10 Millionen US-Dollar.