Alvaro Obregón

Alvaro Obregón, von Harris & Ewing [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AObreg%C3%B3n_Salido%2C_%C3%81lvaro.jpg">via Wikimedia Commons</a>

Alvaro Obregón, von Harris & Ewing [gemeinfrei], via Wikimedia Commons

Alvaro Obregón, der im September zum Präsidenten gewählt wurde, erwies sich als Pragmatiker. Nach zehn Jahren blutigen Bürgerkrieges lag Mexiko am Boden. Obregóns Regierung war den Interessen der Arbeiter verpflichtet, ohne ausländische Investoren zu vernachlässigen. Obwohl zehnmal mehr Land an landlose Kleinbauern verteilt wurde, als unter Carranza, unterschied sich Obregón von den Radikalen in seiner Regierung dadurch, dass er die Landverteilung an eine Unterweisung der Bauern in zeitgemäße Anbautechniken knüpfte. Gegenüber der katholischen Kirche verhielt sich Obregón zurückhaltend. Obwohl er selbst antiklerikal eingestellt war, wurden die anti-kirchlichen Gesetze der Verfassung in stark religiös geprägten Regionen nicht oder nur ansatzweise umgesetzt.

José Vasconcelos

José Vasconcelos, See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Obregóns mutigste Initiative galt der Bildungs- und Kulturpolitik. Unter dem legendären Bildungsminister José Vasconcelos gab es erstmals gezielte Alphabetisierungskampagnen unter der ländlichen Bevölkerung. Mehr als 1000 Schulen, in denen Lehrer die Kinder der indigenen Bevölkerung unterrichteten, wurden gegründet.

Vasconcelos gab mit seiner Politik auch den Impuls zur Muralisten-Bewegung der Maler Diego Rivera, David Alfaro Siqueiros und Gerardo Murillo („Dr. Atl“). Sie trugen dazu bei, ein ideologisch überhöhtes Nationalbewusstsein zu schaffen, das die indianischen Traditionen einbezog.

Plutarco Elias Calles

Nach Ablauf seiner vierjährigen Amtszeit wurde mit Plutarco Elias Calles ein weiterer Sonorenser Obregóns Nachfolger. Er setzte die Reformen mit neuen Akzenten wie der öffentlichen Gesundheitsversorgung fort, war aber im Unterschied zum pragmatischen Obregón ein geradezu fanatischer Anti-Katholik, der den offenen Machtkampf mit dem Klerus suchte. Auf die Schließung von Klöstern, die Ausweisung ausländischer Ordensangehöriger und die Verstaatlichung kichlicher Gebäude und Einrichtungen reagierte die Kirche mit drastischen Maßnahmen, z.B. verweigerte sie den Gläubigen die Sakramente.

Plutarco Elias Calles, By National Photo Company Collection. [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3APlutarco_Elias_Calles.jpg">via Wikimedia Commons</a>

Plutarco Elias Calles, By National Photo Company Collection. [Public domain], via Wikimedia Commons

Ein blutiger Aufstand, die sogenannte Cristero Rebellion, begleitete vor allem in den nordwestlichen Bundesstaaten die politische Auseinandersetzung. Bewaffnete, fanatische Katholiken, die überwiegend der bäuerlichen Bevölkerung angehörten, zerstörten Regierungseinrichtungen wie Eisenbahnlinien und Schulen und töteten Lehrer und Soldaten. Erst nach drei Jahren und 50.000 Toten gelang es in Geheimverhandlungen, den Konflikt beizulegen, ohne dass jedoch die mexikanische Regierung ihre antiklerikalen Verordnungen und Gesetze zurücknahm…
Entgegen der Maxime, dass die Wiederwahl eines Präsidenten nicht zulässig sei, trat Alvaro Obregón 1928 erneut zur Wahl an, indem er dieses Verbot nur auf aufeinander folgende Wahlperioden bezog. Obregón wurde wieder gewählt, was niemanden überraschte, denn der Sonorenser hatte eine – gemessen an der Ausgangssituiation – durchaus erfolgreiche Amtszeit vorzuweisen. Er sollte jedoch seine zweite Amtseinführung nicht mehr erleben. Als Alvaro Obregón am 17.Juli mit einigen Abgeordneten in einem Gartenrestaurant in Guanajuato saß, kam ein junger Mann auf ihn zu, um ihm als Straßenkünstler, der er scheinbar war, seine Zeichnungen zum Kauf anzubieten.

Der Attentäter José León Torral Cristero

Der Attentäter José León Torral Cristero

Als der Präsident nach dem Skizzenblock des Künstlers griff, zog dieser eine Pistole und feuerte fünfmal in Obregóns Gesicht.
Damit war der 48Jährige der Letzte der revolutionären Generation, der gewaltsam ums Leben kam. José de León Toral, ein unter dem manipulativen Einfluss einer Nonne stehender religiöser Fanatiker, glaubte, in Obregón den Antichristen getötet zu haben.

Nach Obregóns Tod wurde mit Emilio Portes Gil ein Interimspräsident ernannt, faktisch bestimmte jedoch Elias Calles, der Jefe Máximo de la Revolución die Geschicke des Landes. Calles blieb auch während der Amtszeit der Präsidenten Pascual Ortiz Rubio und Abelardo L. Rodríguez der mächtige Mann im Hintergrund. 1929 wurde auf seine Initiative die offizielle Revolutionspartei, der Partido Nacional Revolucionario (PNR) gegründet, die 1939 zunächst in Partido de la Revolución Mexicana (PRM) umbenannt wurde und 1946 ihren heutigen Namen Partido Revolucionario Institucional (PRI) erhielt. Diese Staatspartei kontrollierte die regionalen Revolutionseliten, die aus den Umwälzungen zu Beginn des 20.Jahrhunderts hervorgegangen waren. Gemeinsam mit der zivilen Kontrolle des Militärs und den regierungsgelenkten Massenorganisationen bildete der PRI von nun an die Grundlagen des korporativen Staates, wie er auch für andere lateinamerikanische Länder typisch ist. Mit gezielten Zugeständnissen wurden die Gewerkschaft Confederación de Trabajadores de México – CTM und der Bauernverband Confederación Nacional Campesina – CNC an den Staat gebunden, während andere soziale Bewegungen in Stadt und Land mit Repressionen rechnen mussten.
Zu einer “Erneuerung der Revolution” kam es erst wieder mit der Präsidentschaft von Lázaro Cárdenas, dem jungen Gouverneur Michoacáns und ehemaligen General der Revolutionstruppen.

Lázaro Cárdenas

“Alles was er ist, verdankt er mir” sagte der Jefe Máximo über Cárdenas, als dieser 1934 mit 39 Jahren als einer der jüngsten zum mexikanischen Präsidenten gewählt wurde.

Lázaro Cárdenas, By Aurelio Escobar Castellanos (Aurelio Escobar Castellanos Archive) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.5">CC BY 2.5</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ALazaro_cardenas2.jpg">via Wikimedia Commons</a>

Lázaro Cárdenas, (Aurelio Escobar Castellanos Archive) CC BY 2.5via Wikimedia Commons

Als sich der neue Präsident, nach Meinung des starken Mannes im Hintergrund, gegenüber streikenden Arbeitern zu nachgiebig zeigte, begann Calles nach Wegen zu suchen, Cárdenas abzusetzen. Dieser schlug jedoch in dramatischer Manier zurück: Am 9.April 1936 ließ er Calles und 20 seiner wichtigsten Gefolgsleute verhaften und in die USA deportieren. Mit diesem Coup vergrößerte Cárdenas seine persönliche Popularität und brachte die öffentliche Meinung hinter sich. Mit der Unterstützung der überwiegenden Bevölkerungsmehrheit im Rücken nahm er sein ambitioniertes Projekt in Angriff, dessen Verwirklichung bis heute mit seinem Namen verbunden ist: die Verstaatlichung der nationalen Ölvorkommen, wie sie die Verfassung von 1916 vorsah.

Am 18.März 1938 enteignete er siebzehn ausländische Ölgesellschaften in Mexiko, die zu der noch heute existierenden, staatlichen Gesellschaft Petróleos Mexicanos (PEMEX) zusammengeführt wurden.

Ungeachtet jubelnder Menschenmassen, die sich nach dieser Ankündigung auf den Plätzen des Landes versammelten, waren die ökonomischen Folgen überaus ernst. Mehrere Staaten, unter ihnen die USA, Großbritannien und die Niederlande, belegten mexikanisches Öl mit einem Boykott. Letztlich bewahrte der Zweite Weltkrieg die mexikanische Ölwirtschaft vor einem Fiasko und die Verstaatlichung vor dem Scheitern. Als das Öl knapper wurde, hoben die betreffenden Länder den Boykott wieder auf. Noch während des Krieges stimmte Mexiko 1942 einer Entschädigungsvereinbarung für die Enteignungen zu, die seine Auslandsschulden mit einem Mal auf für damalige Zeit astronomische 139 Millionen US Dollar hochschnellen ließ.
Mindestens ebenso revolutionär wie die Verstaatlichung der Ölindustrie war die zweite Säule der Cárdenasschen Politik: Die Umsetzung der lange geforderten und in der Verfassung verankerten Agrarreform, die den Dörfern das Recht auf kommunalen Landbesitz (Ejido) garantiert. Gegen Ende seiner sechsjährigen Amtszeit hatte die Regierung Cárdenas annähernd die Hälfte der Anbaufläche auf solche Ejidos verteilt. Diese wurden auch bei der Beschaffung von Krediten, sowie technisch und in der Vermarktung ihrer Produkte unterstützt. Dennoch geriet das Unternehmen ökonomisch zu einem Fehlschlag. Die damit verbundenen, steigenden öffentlichen Ausgaben führten zu Preissteigerungen und konnten nur zu einem geringen Teil durch die Einnahmen aus der Verstaatlichung der Ölindustrie kompensiert werden.