• Francisco Madero (Maderismo)
  • Francisco „Pancho“ Villa (Villismo)
  • Emiliano Zapata (Zapatismo)
  • Venustiano Carranza und der Constitucionalismo

 

zapatistischer Plakat-Aufruf

zapatistischer Plakat-Aufruf (gemeinfrei) via Wikimedia Commons

Entscheidend für den Ausbruch der Mexikanischen Revolution war die enorme Konzentration von Landbesitz, die während der Díaz-Diktatur, dem sogenannten Porfiriat, stattgefunden hatte.
Bei Ausbruch der Revolution 1910 waren 90% der Landbevölkerung landlos, während 1% der Bevölkerung über 96% des Bodens verfügte. Die großen Haciendas fraßen immer mehr Land und zwangen ehemalige Kleinbauern in die Schuldknechtschaft. Trotz blutig niedergeschlagener Streiks von Industriearbeitern waren letztlich die landlosen Bauern mit ihren Forderungen nach “Land und Freiheit” und damit nach einer Agrarreform, die treibende Kraft hinter der mexikanischen Revolution.

Geographisch geteilt waren es im Süden die indianischen Dorfgemeinschaften um Emiliano Zapata und im Norden die Kleinbauern um Pancho Villa und Pascual Orozco, die die Revolutionstruppen stellten. Fancisco Madero stand als Liberaler, dem es vor allem um politische und institutionelle Reformen ging, an der Spitze der Bewegung.

In der ersten Phase der Revolution waren die verschiedenen revolutionären Gruppierungen geeint in ihrer Opposition gegen den greisen Díaz.

Zu den Revolutionstruppen gehörten auch zahlreiche Frauen, die anders als im zapatistischen Plakat-Aufruf nicht nur kochen und Gewehre laden sollten, sondern auch Offiziersränge bis zum Colonel bekleideten. Eine berühmte Kämpferin der Gruppe um Pancho Villa war z.B. Manuel Oaxaca Quinn, die Mutter des späteren Hollywood-Stars Anthony Quinn.

Zu den Revolutionstruppen gehörten auch zahlreiche Frauen, die anders als im zapatistischen Plakat-Aufruf nicht nur kochen und Gewehre laden sollten, sondern auch Offiziersränge bis zum Colonel bekleideten. Eine berühmte Kämpferin der Gruppe um Pancho Villa war z.B. Manuela Oaxaca Quinn, die Mutter des späteren Hollywood-Stars Anthony Quinn.

Die Schlacht von Ciudad Juárez im Mai 1911 besiegelte dessen Schicksal und zwang ihn wenig später ins Exil. Gleichzeitig erwuchs Madero aber ein Feind aus den eigenen Reihen: Pascual Orozco. Dieser hatte sich, ebenso wie Pancho Villa, für die Exekution des Kommandanten von Ciudad Juárez, General Navarro, ausgesprochen, da dieser den Festungstruppen Befehl gegeben hatte, inhaftierte Rebellen mit dem Bajonett zu töten. Madero setzte sich in einer erregten Auseinandersetzung erfolgreich für die Freilassung des 80jährigen Kommandanten ein. Orozco wandte sich bald offen gegen Madero. Im März 1912 führte er militärisch eine Konterrevolution gegen Madero an, die von den Viehbaronen Chihuahuas, unter ihnen auch Randolph Hearst, finanziert und mit Waffen versorgt worden war. Maderos Sturz sollte die drohende oder vermutete Beschlagnahme ihrer ausgedehnten Ländereien verhindern. In dieser Situation griff Madero auf einen der dunkelsten Figuren der mexikanischen Geschichte zurück: General Victoriano Huerta, ein verräterischer Intrigant, der zum gefährlichen Despoten werden sollte…

Doch zunächst brachte eben dieser Huerta, als Maderos General, den Anhängern Orozcos Niederlage um Niederlage bei.
Als Madero dem General eine Kostenaufstellung seiner militärischen Kampagne abverlangte, zog sich dieser mit dem erbosten Hinweis, er sei schließlich kein Buchhalter, ins Zivilleben zurück, um sich insgeheim dem Sturz Maderos zu verschreiben.
Der Umsturz war sorgfältig und mit tatkräftiger Unterstützung des us-amerikanischen Botschafters Henry Lane Wilson, einem Strohmann des US-Kapitals und einer der zwielichtigsten Figuren der US-Diplomatie, geplant. Sogenannte “Rebellen” unter dem Díaz-Neffen Félix Díaz inszenierten Scheingefechte in Mexico Stadt, um eine Atmosphäre der Gewalt und des Terrors zu schaffen. Gleichzeitig griffen andere Einheiten die loyalen Madero-Truppen an. Madero selbst traf, nachdem sein loyaler General Villar verwundet worden war, eine fatale Entscheidung: Er machte den insgeheim mit den Konterrevolutionären paktierenden Huerta zum Kommandanten seiner Verteidigungs-truppen. Am 18. Februar 1913 gelang es Huerta, Madero zu verhaften. Wenige Tage später, am 22. Februar, ließ er ihn während eines Transports zu einem Gefängnis von einem der Bewacher ermorden. Huerta war zuvor von Botschafter Wilson indirekt zu dieser Tat aufgefordert worden. Nach diesen “zehn tragischen Tagen” (la decena trágica) des Februars, die Hunderte Zivilisten das Leben kosteten und große Zerstörungen in der Hauptstadt anrichteten, übernahm Huerta die Macht, die er für ein Jahr, unter Einsatz brutalster Mittel, halten konnte.
Doch die Revolution „von unten“ ging weiter. Die regionalen Bewegungen im Norden und Süden nahmen an Intensität zu.
Obwohl die Namen Francisco Villa und Emiliano Zapata oft in einem Atemzug genannt werden, unterschieden sich deren revolutionäre Bewegungen in wesentlichen Punkten. Die Anhänger des “Villismo” stellten eine sozial heterogene Gruppe aus Industriearbeitern, Viehhirten, Eisenbahnarbeitern und landloser Bevölkerung dar, deren Interessen sich nicht in einem Programm bündeln ließen. Der Katalog der Forderung reichte von der Verstaatlichung der Eisenbahnen über die Verbesserung der Lebensbedingungen von Industriearbeitern bis zu Forderungen nach einer Beschlagnahme und Neuverteilung von nicht kultiviertem oder staatlichem Land. Ungeachtet ihrer programmatischen Defizite verfügte die Bewegung mit der “Ejercito del Norte” jedoch über eine schlagkräftige Armee, die zahlreiche militärische Erfolge erzielen konnte.

Im Unterschied zum Norden, in dem die indianische Landbevölkerung kaum mehr exisitierte, war der “Zapatismo” des Südens letztlich die Fortsetzung des jahrhundertelangen Kampfes um indigene Landrechte und gegen die Privatisierung von “ejidos”, der kommunal genutzten Anbauflächen. Zapatas Anhänger hatten im Plan von Ayala die Rückgabe geraubter Ländereien an die indianischen Dorfgemeinschaften und die Enteignung derjenigen Haciendas gefordert, deren Besitzer Gegner der Revolution waren. Die starke regionale und bäuerliche Ausrichtung der Bewegung verhinderte aber sowohl die Integration anderer ausgebeuteter Bevölkerungsgruppen in die eigene politische Programmatik, als auch die Schaffung einer schlagkräftigen Armee. Alle militärischen Aktionen der Revolutionsbewegung des Südens blieben auf die Ebene eines Guerillakrieges begrenzt.
Die Allianz der Huerta-Gegner um Venustiano Carranza zerfiel mit dem militärisch erzwungenen Exil des Despoten, ihre politischen Gemeinsamkeiten hatten sich erschöpft.
Die Kräfte um Carranza (Constitucionalistas), die wie zuvor Madero lediglich für politisch institutionelle Reformen und die Wiedereinsetzung der Verfassung von 1857 gekämpft hatten, sahen die Revolution als beendet an. Ein Bürgerkrieg innerhalb des Revolutionslagers begann. Die Ansprüche der mobilisierten bäuerlichen Massen wurden politisch gespalten und militärisch niedergeschlagen. Zunächst brachte Carranza durch graduelle Zugeständnisse einen Teil der Bauern auf seine Seite. (Dekret über die Agrarreform im Januar 1915). Unter dem Druck der Agrarrevolutionäre näherte er sich dann der Arbeiterbewegung an. Es kommt zu einem Bündnis zwischen den städtischen Arbeitern und den bürgerlichliberalen Konstitutionalisten. In den „Roten Bataillonen“ bekämpften die Arbeiter die Zapatisten und Pancho Villa. Nachdem die Gefahr durch die Agrarbewegungen militärisch gebannt war, wandte sich Carranza gegen die städtischen Arbeiter und ihre Ansprüche. Als Ende 1916 eine verfassunggebende Versammlung in Querétaro einbrufen wurde, repräsentierte diese die Besitzenden. Die aus ihr hervorgehende Verfassung bedeutete einerseits eine Festlegung auf ein bürgerlich-kapitalistisches Mexiko, andererseits bewirkte der Druck der Agrarbewegung mit Streiks und Demonstrationen während der Verhandlungen die bis dahin konsequenteste und fortschrittlichste Verfassung der Welt. Besonders drei Artikel spiegeln dies wider:

Venustiano Carranza mit der neuen Verfassung

Venustiano Carranza mit der neuen Verfassung

Artikel 3 vollzog die völlige Trennung von Staat und Kirche und garantierte eine säkulare und kostenlose Grundschulbildung; Artikel 27 regelte die Nationalisierung der Bodenschätze und schuf die Verfassungsgrundlage für eine Agrarreform; in Artikel 123 schließlich wurde eine umfangreiche Sozialgesetzgebung festgelegt und das damals progressivste Arbeitsrecht festgeschrieben. Zu den Neuerungen gehörte u.a. das Verbot von Kinderarbeit, der Achtstundentag, die Einführung eines wöchentlichen Ruhetags, das Recht zur Gründung von Gewerkschaften und zur Durchführung von Streiks, Mutterschutz, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, ungeachtet von Geschlecht oder Nationalität.

Als Venustiano Carranza 1917 nachträglich als Präsident legitimiert wurde, hatte sich der Flügel der Konstitutionalisten endgültig durchgesetzt und machte schnell deutlich, dass er nicht gewillt war, die sozialpolitischen Forderungen der Verfassung umzusetzen. Stattdessen wurde die agrarrevolutionäre Bewegung um Zapata noch entschiedener unterdrückt.
Der Revolutionsführer selbst wurde schließlich von einem der Generäle um Carranza in eine Falle gelockt und am 10.April 1919 ermordet.

Alvaro Obregón, By Aurelio Escobar Castellanos (Aurelio Escobar Castellanos Archive) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.5">CC BY 2.5</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAlvaro_obregon.jpg">via Wikimedia Commons</a>

Alvaro Obregón, By Aurelio Escobar Castellanos (Aurelio Escobar Castellanos Archive) CC BY 2.5via Wikimedia Common

Doch zu diesem Zeitpunkt war Carranza in seinem Mitstreiter Alvaro Obregón, Kichererbsen-Farmer und mächtiger General der Nordost-Armee aus Sonora, ein neuer Gegner erwachsen, der 1919 seine Kandidatur für die folgende Präsidentenwahl ankündigte.

Um mit Ignacio Bonillas, einem in den USA ausgebildeten Zivilisten, seinen eigenen Kandidaten für die Nachfolge durchzusetzen, startete Carranza eine massive Einschüchterungskampagne gegen die Obregón-Anhänger, beschuldigte sie der Verschwörung und schickte Truppen nach Sonora.
Die Provinzregierung Sonoras entzog Carranza daraufhin ihre Anerkennung und Obregón entging seiner Verhaftung nur knapp. Ende April 1920 riefen führende Obregonisten im Plan von Agua Prieta offen zum Sturz Carranzas auf.
Dessen Niedergang vollzog sich daraufhin in atemberaubendem Tempo. Bereits am 7.Mai floh er mit seinen engsten Gefolgsleuten im “goldenen Zug” aus der Hauptstadt. Der Zug verdankte seinen Namen einem Großteil des Nationalschatzes, mit dem er beladen war. Rebellentruppen zwangen Carranza, den Zug zu verlassen und seine Flucht auf sich allein gestellt fortzusetzen. Ein lokaler Indianerführer, der Carranza Schutz zugesagt hatte, verriet ihn, und am 20.Mai 1920 wurde der Gestürzte ermordet.