Swakopmund

Swakopmund ist Namibias ‘deutscheste’ Stadt. Die wilhelminische Bauten im Zentrum bilden einen skurrilen Kontrast zur Kulisse der Namib-Dünenlandschaft im Hinterland und dem rauen Südatlantik vor dem Stadtpanorama.

Obwohl die Küstengewässer zu flach waren und keine geschützte Bucht einen Hafenbau begünstigt hätte, ließ die deutsche Kolonialverwaltung hier einen Landeplatz abstecken und 1893 unter abenteuerlichen Bedingungen 40 Siedler und 120 Angehörige der Deutschen Schutztruppe durch die Brandung an Land rudern. Schon zu Beginn des 20.Jahrhunderts wurde die gesamte Versorgung Deutsch Südwestafrikas über Swakopmund abgewickelt, und der 325 Meter lange Landungssteg erleichterte dies ebenso wie die 1902 in Betrieb genommene Schmalspurbahn zwischen Windhoek und Swakopmund.

Der alte Bahnhof wurde nach aufwändiger Renovierung zum Luxushotel samt Casino ungewidmet und ist heute eines der Wahrzeichen der Stadt. Weitere markante Bauten im Stadtpanorama sind: Das neobarocke, zwischen 1904 und 1906 als Hohenzollern Hotel errichtete Hohenzollernhaus, dessen Fassade zu den meistfotografierten Motiven der Stadt gehört;  das bereits 1894 im historisierenden Fachwerkstil als Sitz der Damara und Namaqua Handelsgesellschaft erbaute Woermannhaus, dessen markanter Damaraturm als Aussichtspunkt für einlaufende Schiffe, als Wasserturm und als Flaggenmast diente; das ursprünglich als Schule geplante, dann ob der Baukosten aber als Gerichtsgebäude genutzte Alte Amtsgericht, das früher als Lazarett und Krankenhaus dienende Prinzessin Rupprecht Heim, in dem heute ein Alten- und Pflegeheim sowie ein Hotel untergebracht ist; die Kabelmesse, einst Unterkunft von Angestellten, die ein Untersee-Kommunikationskabel von Europa nach Kapstadt im Auftrag der Swakopmunder Handelsgesellschaft verlegten, sowie das als Ritterburg bezeichnete frühere Wohnhaus einer Familie Ritter.

Überragt werden all diese Gebäude vom 21 Meter hohen alten Leuchtturm, dessen rot-weiße Bemalung weithin sichtbar die “Skyline” Swakopmunds dominiert. Unterhalb des Leuchtturms lohnt das Swakopmund Museum einen Besuch. Es wird privat betrieben und ist das größte seiner Art in Namibia. Zu seinen Exponaten zählen die Originaleinrichtung der historischen Swakopmunder Adler-Apotheke, Artefakte der verschiedenen ethnischen Gruppen Namibias, diverse Dioramen zu geschichtlichen Ereignissen, ein Ochsenwagen aus der Zeit der Angola-Trekker und schließlich eine umfangreiche Sammlung heimischer Insekten.

Hochinteressant ist der Besuch der ebenfalls privaten Kristall-Galerie. Zu den Ausstellungsstücken gehören u.a. die weltgrößten Kristalle, die bis zu 14 Tonnen wiegen, eine umfangreiche Mineralien- und Halbedelsteinsammlung sowie das nur an zwei Fundorten weltweit vorkommende Trümmer-Tigerauge, umgamgsprachlich nach seinem Entdecker Pietersit genannt. Eine relativ neue Attraktion stellt das 1995 eröffnete Aquarium in der Strand Street dar. Es zeigt in mehreren großen Becken die Unterwasserwelt der namibischen Küste, darunter Stachelrochen und Haie, die täglich um 15 Uhr von Tauchern handgefüttert werden.

Der Name Sawakopmund geht auf eine phonetische Umformung des Khoenkhoen – Begriffs Tsaokhaub zurück, der ‘Durchfall’ bedeutet und von den Khoi Khoi auf die schlammig schwarzen Fluten des Swakop bezogen wurde, wenn dieser nach heftigen Niederschhlägen Wasser führt.