Skeleton Coast

Namibias Skelettküste ist zwischen der Mündung des Ugab im Süden und der Kunenemündung im Norden, die gleichzeitig die Grenze zu Angola markiert, als Nationalpark ausgewiesen.

An der Küste verursacht das aufsteigende kalte Tiefenwasser des Benguela Stroms während eines Großteils des Jahres dichten Nebel, den die Angolaner im Norden ‘Cassimbo’ nennen. Die Niederschläge bleiben meist bei unter zehn Millimetern pro Jahr, starke Brandung peitscht die Ufer und es weht ein konstant ablandiger Wind. Zu Zeiten der nichtmotorisierten Schifffahrt war es zwar möglich, an der Küste zu landen, aber ein Ablegen gegen die Brandung war nicht mehr möglich.

Ihren furchteinflößenden Namen erhielt sie, als sich der Journalist Sam Davis 1933 auf die Suche nach dem Schweizer Piloten Carl Nauer machte, der beim Versuch, einen neuen Alleinflugrekord auf der Strecke Kapstadt London zu markieren, über der Küste verschollen war.

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts hatte die Küste nördlich des späteren Swakopmund die Aufmerksamkeit der niederländischen Ostindien-Gesellschaft auf sich gezogen, doch nachdem erste Erkundungs-Expeditionen nur kahle Landschaften vor undurchdringlichen Nebelwänden vorgefunden hatten, erlahmte das Interesse. Im 19.Jahrhundert waren es britische und amerikanische Walfangschiffe, die von Lüderitz aus operierten, jedoch diesen Küstenabschnitt, den die Portugiesen “Sand der Hölle” getauft hatten, mieden. Gefährliche Strömungen und unkartierte Sandbänke, die sich wie die Dünen im Inland verschoben, ließen dennoch immer wieder Schiffe auf Grund laufen. Ihre Überreste gesellten sich mit zunehmendem Schiffsverkehr und gewerblichem Fischfang zu den Skeletten gestrandeter Wale, die im salzigen Wüstensand verblichen. Seeleute, die eine solche Havarie überlebt hatten, stand das Schlimmste noch bevor. Sie fanden sich an einer unbewohnten, weit über 1000 km langen und offenkundig lebensfeindlichen Küste wieder, die kaum Süßwasser zum Überleben bot. Lediglich die vier ephemeren Flussläufe, die von Ost nach West diesen Teil der Namibwüste durchschneiden, boten nach Regenfällen im Landesinneren Wasserstellen und -tümpel, die jedoch auch gefährliche Wildtiere wie Löwen, Leoparden und Elefanten anzogen und eine weitere Bedrohung für die Schiffbrüchigen darstellten.

Was die Seeleute einst abschreckte – Einsamkeit, Abgeschiedenheit und vordergründige Lebensfeindlichkeit – macht für heutige Besucher den Reiz der ‘Skeleton Coast’ aus. Während der südliche Streckenabschnitt zwischen Ugabmündung und Torra Bay von grauer Felsenlandschaft geprägt ist, beginnen nördlich von Torra Bay ausgedehnte Dünenlandschaften, die weit ins Landesinnere reichen. Torra Bay selbst ist ein saisonaler Campingplatz für leidenschaftliche Angler und nur in den Wintermonaten geöffnet.

Einen weitaus einladenderen Halt stellt das Uniab Delta dar, ungefähr auf halber Strecke zwischen Torra Bay und Terrace Bay gelegen. Das Delta bildet an der Meeresmündung einen kleinen, von Schilf bewachsenen Canyon und ist ein Mekka für Ornithologen, Fotografen und Geologen. Das Gebiet ist auch reich an Wild, darunter Springböcke, Schakale, Oryx-Antilopen und sogar die seltene braune Hyäne. Das Uniab-Delta besteht aus fünf Hauptarmen, und der erste ist unschwer am üppigen Grün seiner Vegetation zu erkennen. Der zweite Arm ist breiter. Von hier führt ein insgesamt sechs Kilometer langer Wanderweg zu einer engen Schlucht, durch die über rote und gelbe Felsen Wasser in einen Weiher in unmittelbarer Nähe des Meeres plätschert. Hier, direkt am Atlantik, halten sich häufig Springböcke, Oryx-Antilopen und Strauße auf. Am dritten Arm des Uniab-Deltas trifft man häufig ganze Herden von Springböcken an, und auch in diesem Teil des Flusslaufes gibt es eine Wasserstelle, die Antilopen ebenso wie Schakale, Braune Hyänen und Löwen lockt. Von einem versteckten Unterstand kann man das Wild bequem und unbemerkt beobachten. Der Parkplatz auf der Anhöhe am fünften Delta-Arm überblickt gleich mehrere Wasserstellen, die von Wasservögeln aller Art bevölkert sind und natürlich ebenfalls von Wild frequentiert werden. Der Wanderweg durch bzw. entlang des kleinen Canyons des Uniab ist sehr zu empfehlen und stellt eine willkommene Abwechslung im Rahmen der Fahrt dar. Von hier ist es bei normaler Witterung noch eine halbe Stunde bis zum Restcamp von Terrace Bay.

Terrace Bay, das auf ankommende Besucher einen recht unwirtlichen Eindruck macht und so gar nicht einem Hotelbau ähnelt, blickt auf eine interessante Geschichte des Scheiterns zurück. In den frühen 1960er Jahren schürfte ein gewisser Ben du Preez gemeinsam mit Colonel Jack Scott hier nach Diamanten. Um den griechischen Reeder und Milliardär Onassis als Geldgeber zu gewinnen, soll er der Legende nach fünf Diamanten an der Schürfstelle ‘gepflanzt’ haben, die dann auch prompt gefunden worden… . Da Onassis du Preez nicht auf den Leim ging und auch keine weiteren Diamanten gefunden wurden, ging letzerer pleite und die Gebäude bei Terrace Bay fielen als Konkursmasse an den Staat. In Terrace Bay gibt es – außer für Brandungsangler – nicht viel zu tun, und vierzehn Kilometer nördlich des Restcamps endet die Küstenstraße im Nichts. Bei einem kurzen Strandspaziergang lohnt der Blick auf den Boden: Er ist übersät mit Kieseln aus Quarzen verschiedenster Farben, darunter Achate, sowie Granit und Lava.