Brandberg

Namibias ‘Bilderberg’ ist ein gewaltiges Granitmassiv, das sich als Teil der großen Randstufe auf einer ovalen Grundfläche von 760 km² aus dem flachen Teil der Felsen-Namib (~600 m ü.M.) erhebt und diese im Durchschnitt um fast 2000 Meter überragt.

Seine höchste Erhebung, der Königstein, ist mit seinen 2579 Metern auch der höchste Gipfel Namibias. Das im Klima der Halbwüste stehende Massiv profitiert an der Westflanke von Nebelschwaden, die aus der Namib heranziehen, und zu Niederschlägen führen. Der Granituntergrund ist in der Lage, das Wasser in Spalten und Kolken festzuhalten, weshalb man hier auch in der Trockenzeit offene Wasserstellen findet. Dank der besonderen Klimabedingungen ist der Brandberg schon seit 30000 Jahren besiedelt. Hiervon zeugen auch die etwa 50000 Felsmalereien, unter denen die fälschlich als solche bezeichnete “White Lady” die berühmteste ist.

Das von zahlreichen Tälern und Schluchten durchzogene Bergmassiv liegt südlich des Ugab, knapp 40 Kilometer nordwestlich von Uis, dem ehemaligen Minenort, der heute sogar in namibischen Relationen als verschlafenes Nest gilt. Uis bietet dem Durchreisenden wenig mehr als eine Tankstelle, zwei (unregelmäßig) geöffnete Restaurants sowie einen Supermarkt mit bescheidenem Sortiment. Zu den Felszeichnungen gelangt man vom Parkplatz am Ende der D2359 (über diese führt auch die Zufahrt zur Brandberg White Lady Lodge!). Für Hin- und Rückweg benötigt man ca. zwei Stunden. Die Begleitung eines Führers ist vorgeschrieben, um Vandalismus zu verhindern. Um den Weg nicht in der Mittagshitze gehen zu müssen, sollte man den Besuch auf den frühen Morgen oder den Nachmittag legen. Die letzte Tour startet um 16h.

In der Erforschung der Felszeichnungen ist das Kölner Instituts für Ur- und Frühgeschichte federführend. Tilman Lenssen-Erz fasst deren Stand folgendermaßen zusammen:

Die Malereien

Es gibt etwa 50.000 Bilder in ungefähr 1.000 Fundstellen; sie wurden vornehmlich in der Zeit vor 2000 bis 4000 Jahren gemalt. Die Motive zeigen zu 70% menschliche Figuren, 20% Tiere (fast ausschließlich großes Jagdwild, das im oberen Bereich des Berges nicht vorkommt) und 10% anderes. Gemalt wurde mit Erdfarben (Eisenoxyd-Mineralien), vor allem Rot, dazu Schwarz und Weiß und etwas Gelb.

Die Bedeutung der Malereien

Malen war bedeutender Bestandteil der Riten, zu denen auch Heilungszeremonien und soziales Management zählen. Daneben spielten Malereien eine wichtige Rolle als komplexes Kommunikationsmedium mit dem das gesamte kulturelle Wissen (das enzyklopädische Wissen) erinnert und von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Die Bilder von Menschen transportieren häufig die Ideale „Gemeinschaft, Gleichheit und Mobilität“ mit denen das Idealbild einer „Person“ ohne Rang, Status, Alter und sogar Geschlecht propagiert wird (etwa 80% der menschlichen Darstellungen fallen in diese Kategorie). Die Geschlechtszugehörigkeit spielt eine untergeordnete Rolle, und nur 20 Prozent der Figuren weisen eindeutige Geschlechtsmerkmale auf. Wenn sie identifiziert werden können, sind Männer eng mit der materiellen Kultur verbunden und Frauen werden mit Gemeinschaftsriten und –zeremonien assoziiert. Gelegentlich können Bilder mit veränderten Bewusstseinszuständen verbunden sein, so wie sie bei Schamanen im Trancezustand auftreten und wichtiger Bestandteil von Heilungsriten sind. Tiere sind mit ökologischem Wissen und Verständnis verknüpft und werden z.T. als Ideal einer intakten, reich ausgestatteten Natur verstanden. Nicht dargestellt werden Szenen der Jagd, des Kampfes und Frauen am Lagerplatz.

Fundorte

Felsbilder befinden sich meist unter Felsschutzdächern und in kleinen geschützten Grotten, oft auch an geraden Wänden. Normalerweise sind sie mit üblichen archäologischen Funden wie Steinartefakte, Keramik und Straußeneiartefakte vergesellschaftet, d.h. die Felsbildstellen waren auch die Wohnstätten der Menschen. Die Größe der Fundstellen reicht von unauffälligen Felsen mit nur einer Figur bis zu Stellen mit mehr als 1000 Malereien. Die meisten Fundstellen befinden sich im oberen Brandberg oberhalb von 1800 m ü.NN.

Die Maler

Jäger-Sammler, die in kleinen Gruppen (etwa 20 Personen) hohe Mobilität wahrten und selten länger als 3 Wochen an einem Lagerplatz blieben. Sie lebten in einer egalitären Gemeinschaft ohne Führerschaft und formale politische Macht. Ethnische Zuordnungen über mehr als 2000 Jahre sind höchst problematisch und negieren historische und kulturelle Entwicklungen. Alle Gruppen mit einer langen Jäger-Sammler Vergangenheit im südlichen Afrika – darunter besonders die San als die älteste Bevölkerung des südlichen Afrika – sind den prähistorischen Malern näher als irgendwer sonst.