Index

1. Nationale Symbole

Offizieller Landesname: Republic of Namibia

Flagge NamibiaNamibias Nationalflagge wurde mit der Erlangung der Unabhängigkeit am 21. März 1990 offiziell angenommen.
Obwohl mit ihrer Farbgebung/ Gestaltung keine offizielle Bedeutung einhergeht, werden die Elemente folgendermaßen interpretiert: Rot steht für Namibias Bevölkerung, deren heldenhaftes Verhalten und den gemeinsamen Willen eine Zukunft mit Chancengleichheit für alle zu gestalten. Weiß steht für das friedliche Zusammenleben und die Einheit. Grün repräsentiert die Vegetation und Fruchtbarkeit. Das Blau schließlich symbolisiert den Himmel und den Atlantik, sowie die wertvollen Wasserressourcen und den Regen. Die goldgelbe Sonne steht für Leben, Energie und Wärme, und die 12 Sonnenstrahlen stehen für die verschiedenen ethnischen Gruppen des Landes. (Grafik: public domain)

 

Wappen NamibiaNamibias Nationalwappen wurde gemeinsam mit der Flagge zur Unabhängigkeit am 21.März 1990 angenommen.
Der Wappenschild beinhaltet die Flagge Namibias und hat auch deren Symbolik. Er steht im Sand der Wüste Namib und wird von zwei Spießböcken gehalten. Darunter wurzelt eine Welwitschie.
Der Schreiseeadler über dem Schild repräsentiert den Norden Namibias und dessen Wasserressourcen.
Im Wappenband steht das Motto des Staates: „Unity, Liberty, Justice“ (Einheit, Freiheit, Gerechtigkeit). (Grafik: FXXX (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons)

 

Oryx Antilope, Namibias NationaltierNationaltier: Spießbock (Oryx gazella, Gemsbok) Die größte unter den Oryxantilopen steht symbolisch für Genügsamkeit und Zähigkeit und ist das aus dem Wappen abgeleitete Nationaltier Namibias.

 

 

Schreiseeadler (Haliaeetus vocifer), Nationalvogel NamibiaDer mittelgroße Schreiseeadler (Haliaeetus vocifer), dessen charakteristischer Ruf auch als “Stimme Afrikas” bezeichnet wird, gilt als Namibias Nationalvogel. (Bild: Muséum de Toulouse [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons)

 

 

Welwitschie, Nationalpflanze NamibiaDie als einzige Art ihrer Gattung endemisch in der Namib-Wüste vorkommende Welwitschie (Welwitschia mirabilis) ist Namibias Nationalpflanze. Die zweihäusig, d.h. als weibliche und als männliche Pflanze vorkommende Welwitschie hat nur zwei Blätter (eigentlich Nadeln), die jedoch im Laufe der Jahre verfransen. Welwitschien werden mehrere hundert bis über tausend Jahre alt.

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2. Staat und Gesellschaft

Staats- und Regierungsform Republik
Präsident und Regierungschef Präsident Hage Gottfried Geingob (seit März 2015), Premierministerin Saara Kuugongelwa-Amadhila (seit März 2015)
Nächste Wahlen 2020
politisches System Semipräsidentielles System mit Präsident und Premierminister, jedoch ernennt der Präsident (und entlässt ggf.) die Minister des Kabinetts und kann auch die Nationalversammlung auflösen. Lediglich für die Ausrufung des Ausnahmezustands bedarf es einer Zweidrittelmehrheit der Nationalversammlung. Die Legislative ist als Zweikammernsystem aus Nationalversammlung und Nationalrat (~ Oberhaus) organisiert.
Wahlrecht ab 18 Jahre (aktiv); ab 21 Jahre (passiv)
Hauptstadt Windhoek ( ca. 400 000 Einwohner)
Einwohner 2 606 971 (2017)
ethnische
Zusammensetzung
Owambo 50%, Kavango 10%, Damara 10%, Herero 5%, San 1,5%, Himba 0,5%, Nama 4%, Caprivianer 3,5%, Rehobother Baster 1,5%, Weiße (Buren, Deutsche, Portugiesen) 6%
Religion 80% bis 90% werden dem Christentum zugerechnet (mindestens 50% Lutheraner), indigene Glaubensvorstellungen 10% to 20%

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3. Geographie

Mit seiner Fläche von 824 116 km² ist Namibia ein Land von enormer Größe, mehr als dreimal so groß wie Großbritannien und doppelt so groß wie Deutschland.
Es liegt an der südwestlichen Atlantikküste des afrikanischen Kontinents und grenzt an Angola, Botswana und Südafrika. Im äußersten Nordosten befindet sich der Caprivi-Streifen, ein länglicher Pfannenstiel, der aus tropischen Flusssumpfgebieten besteht, die im Norden von Simbabwe und Sambia begrenzt werden.
Namibia lässt sich in vier topographische Regionen unterteilen. Die bedeutendste stellt die Namibwüste dar, die Namibia den Namen gab. Sie gilt als eine der ältesten Wüsten der Welt und war schon vor mindestens 80 Millionen Jahren trocken. Die Namibwüste bedeckt etwa 15% der Landesfläche mit Dünenmeeren, Kiesebenen und tief erodierten Schluchten wie dem Fish River Canyon, der 160 km lang, bis zu 27 km breit und 550 m tief ist.
Das zentrale Plateau, das von Norden nach Süden verläuft, hat eine durchschnittliche Höhe zwischen 1000 und 2000 m, mit Landschaften, die von zerklüfteten Gebirgszügen und Felsvorsprüngen bis hin zu sandigen Tälern und endlosen Ebenen geprägt sind. Dieses Plateau fällt allmählich nach Osten ab, bis es als ein Sandstreifen in die Ebene der Kalahari-Wüste übergeht. Im Norden verbreitert sich das Kalahari-Sandveld erheblich und umfasst die Ebenen um Etosha sowie Kavango und Caprivi. Aufgrund ihrer Größe kann die Etoshapfanne sogar als Salzwüste eingestuft werden.
Karte Namibia FlußläufeZum so genannten Damaraland-Gesteinskomplex gehören mit dem Brandbergmassiv, den Erongo-Bergen und der großen und kleinen Spitzkoppe Namibias höchste Erhebungen (Königstein 2579 m). Sie sind vulkanischen Usrprungs und stehen inselgleich isoliert in den Ebenen der inneren Namib.
Die einzigen ganzjährig Wasser führenden Flüsse befinden sich an Namibias Grenzen. Im Norden sind dies Kunene, Kavango, Sambesi und Kwando. An der südlichen Grenze liegt der Oranje River. Keiner dieser Flüsse entspringt in Namibia. Flüsse innerhalb des Landes – selbst die längsten, führen nur temporär und nur nach den Regenfällen Wasser, können dann jedoch zu reißenden Strömen werden. Sie werden Rivier, genannt nach dem Afrikaans-Ausdruck für Flussbett. Die Größeren unter ihnen halten das Wasser nach einer Überschwemmung einige Monate in Pools, der Rest ist jedoch fast das ganze Jahr über trocken mit weißem Sandboden. (Grafik: Peter Christener [ODbL, CC BY-SA 3.0 or ODbL], via Wikimedia Commons)

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4. Die Bevölkerung Namibias

Die Owambo stellen die mit Abstand größte Bevölkerungsgruppe Namibias dar. Sie machen rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung aus. Owambo ist ein Sammelbegriff für zwölf Stammesgruppen, die vor allem im Norden Namibias und im Süden Angolas leben. Den größten dieser Stämme bilden die Kwanyama (etwa 35% aller Owambo, die in Namibia leben). Die nächstgrößeren Gruppen sind die Ndonga und Kwambi mit jeweils 30% bzw. 12% der Owambo-Bevölkerung Namibias. Die Ngandyela, Mbalanhu, Nkolonkadhi und Unda vervollständigen die acht Owambo-Stammesgruppen in Namibia .
Das einstige Owamboland ist heute in die Regionen Omusati, Ohangwena, Oshana und Oshikoto unterteilt, weshalb diese Regionen heute oft als die vier “O”-Regionen bezeichnet werden.
Traditionell wurde jede der Stammesgruppen von einem erblichen Häuptling geleitet, der von mehreren Stammesführern unterstützt wird. Landbesitz wird vom Häuptling oder Stammesführer zugeteilt, es ist nie Eigentum und nach dem Tod eines Pächters wird es neu zugeteilt. Der neue Pächter muss nicht unbedingt mit dem Verstorbenen verwandt sein.
junge Owambo FrauIn ländlichen Gebieten lebt jede Owambo-Familie in einem eigenen Kral (Eumbo), der von einem Holzzaun umgeben ist. Die Häuser befinden sich innerhalb dieses Zauns und können entweder runde oder quadratische Strohhütten sein, außerhalb des Zauns liegen die Ländereien der Familie. Im Zentrum des Krals steht das heilige Familienfeuer (omulilo gwoshilongo), das immer brennt.
Die Owambo betreiben sowohl Landwirtschaft (Mahangu bzw. Perlhirse) als auch Viehzucht, ergänzt durch Fischfang aus den flachen Becken (Oshanas), die die Region charakterisieren.
Eine weitere Einnahmequelle für viele Owambos sind die Cuca-Shops (kleine, inoffizielle Kneipen) und große Lebensmittelmärkte.
Traditionell hatten die Owambo ein matrilineales Familiensystem, vor allem in Erbschafts- und Nachfolgefragen, doch in den letzten Jahren hat sich das System in Richtung einer patrilinealen Gesellschaft verschoben. (Bild: Lfpelser (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons)

Der Kavango Fluss im Nordosten Namibias als Teil der Grenze zwischen Namibia und Angola und stellt als Region auch das traditionelle Siedlungsgebiet der Kavango Bevölkerung dar. Das Zentrum dieser Region ist die Stadt Rundu. In Namibia leben etwa 150 000 Kavango, die in fünf Gruppen unterteilt werden : Mbukushu, Sambiyu, Kwangari, Mbunza und Geiriku.
Kawambo verkaufen Ihre Holzschnitzereien in WindhoekTraditionell leben die Kavango vom Fischfang, Viehhaltung und vom Anbau von Hirse und Mais. Die Kavango sind eng mit den Owambo verwandt und es wird angenommen, dass beide einen gemeinsamen Ursprung in Ostafrika haben.
Die Kavango gelten zudem als begabte Holzschnitzer.
Jeder Stamm wird von einem traditionellen Häuptling geleitet, der von Stammesführern unterstützt wird. Der Häuptling hat die Macht über den gesamten Stamm und ist für die Verteilung des Landes verantwortlich. Obwohl die Kavango Häuptlinge immer männlich sind, ist das System meist matrilineal. (Bild: aj82 [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons)

Die Herero in Namibia sind ein Volk von Viehzüchtern. Man geht davon aus, dass sie vor ca. 350 Jahren aus dem Gebiet der ostafrikanischen Seen ins heutige Namibia eingewandert sind. Dort siedelten sie ursprünglich in Kaokoland in der Nähe des Kunene Flusses, doch vor etwa 150 Jahren zog ein großer Teil der Herero-Bevölkerung nach Süden und ließ die Himba- und Tjimba-Stämme im Norden zurück.
In Namibia leben etwa 250 000 Herero, heute vor allem in den zentralen und östlichen Landesteilen. Die Herero sind in mehrere Untergruppen unterteilt, von denen die Tjimba- und Ndamuranda-Gruppen, die im Kaokoland leben, die größten sind. Die Mahereo-Gruppen leben in der Umgebung von Okahandja und die Zeraua in der Umgebung von Omaruru. Die Mbandero-Gruppe siedelt im Osten Namibias, rund um die Stadt Gobabis.
Bis zur Kolonialzeit lebten die Herero in den zentralen Graslandgebieten, wo es reichlich Weideflächen für ihre Rinder gab, doch eine Reihe von Kämpfen mit den nach Norden ziehenden Nama, und weitaus schlimmer, die Konfrontation mit der Ausrottungspolitik der deutschen Kolonialtruppen führten zur Vernichtung von etwa 75% der Herero-Bevölkerung. Schätzungen gehen davon aus, dass von den 80 000 Herero in Namibia im Jahr 1900 fünf Jahre später nur etwa 16 000 überlebt hatten. Während dieser Zeit flohen viele Herero in die Sicherheit Botswanas, von wo seit der Unabhängigkeit einige nach Namibia zurückgekehrt sind.
Herero Frau, NamibiaDie Herero sind Viehzüchter, die ihren Reichtum an der Zahl ihrer Rinder messen. Deren Bedeutung für die Menschen zeigt sich auch in der typischen Tracht der Herero-Frauen.
Das von einem viktorianischen Frauenkleid abgeleitete Kleid besteht aus einer riesigen Krinoline, die über mehreren Unterröcken getragen wird, während der ausladende Hut aus gerolltem Stoff die Hörner einer Kuh darstellen soll.
Das wichtigste Fest der Herero findet in Okahandja am Maherero-Tag statt, der immer am letzten Wochenende des August begangen wird. Dann paradieren die verschiedenen paramilitärischen Gruppen vor ihren Häuptlingen, während die Herero-Frauen, die die Straßen säumen, ihre Festtagstracht tragen. (Bild: Yves Picq http://veton.picq.fr (Own work) [GFDL or CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons)

Die OvaHimba (Plural von Himba) leben als nomadische Hirten in Namibias Kaokoland. Sie sind Nachkommen einer Gruppe von Herero-Hirten, die nach der Vertreibung durch die Nama in den entlegenen Nordwesten flohen.
Die OvaHimba sind überwiegend Viehzüchter, die Fettschwanzschafe und Ziegen züchten, aber ihren Reichtum an der Zahl ihrer Rinder messen. Außerdem bauen sie Mais und Hirse an. Ergänzt wird ihre Ernährung durch Maismehl, Hühnereier, Wildkräuter und Honig. Nur gelegentlich und vereinzelt werden Tiere gegen Bargeld verkauft. Nicht landwirtschaftliche Betriebe, Löhne und Gehälter, Renten und andere Geldtransfers machen nur einen sehr kleinen Teil des Lebensunterhalts der OvaHimba aus, der hauptsächlich durch ihre Arbeit in Naturschutzgebieten, Altersrenten und Dürrehilfen der Regierung erwirtschaftet wird.
Mitglieder einer Großfamilie wohnen typischerweise in einem Gehöft (onganda), das aus kreisförmig um das Okuruwo (heiliges Ahnenfeuer) und einen Kral für die Kälber angeordneten Hütten und Arbeitsunterkünften besteht. Sowohl das Feuer als auch das Vieh sind eng mit ihrer Ahnenverehrung verbunden.
Himba Häuptling vor seiner HütteKleidung, Schmuck und Haartracht der OvaHimba zeugen vom jeweiligen Alter, Initiationsstufe und dem sozialen Status einer Person.
Männer und Frauen reiben ihre Körper mit rotem Ocker und Fett ein, um sich vor der Sonne, Moskitos und Parasiten zu schützen.
Der bei Touristen beliebte Himba-Schmuck wird aufwändig aus Eisen oder Muscheln gearbeitet.
Wer Kaokoland und ein Himbadorf besuchen möchte, sollte letzteres nicht ohne lokalen Führer unternehmen, um die zentralen Kulturelemente der OvaHimba zu verstehen. (Bild:  http://www.benjaminrennicke.com [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons)

Die heutigen Damara in Namibia stellen rund 8% der Bevölkerung.
Sie teilen eine gemeinsame Sprache mit den Nama, sind aber nicht mit diesen verwandt.
Anthropologen geben die Damara Rätsel auf, da sie einerseits ethnisch zu den Bantu-Gruppen gehören, jedoch einen Khoisan-Dialekt sprechen.
Aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit einigen Bantu-Gruppen Westafrikas wird spekuliert, dass die Damara die ersten Menschen waren, die aus dem Norden nach Namibia zogen.
Es gibt Belege dafür, dass die Damara seit Jahrhunderten kleine Herden halten, zudem bauen sie Tabak und Kürbisse an, in jüngerer Zeit auch Gemüse und Mais.
Justus Uruhe Garoëb, König der DamaraVor 1870 besetzten die Damara den größten Teil Zentralnamibias, doch als die Nama und Herero auf der Suche nach besseren Weidegründen in das Gebiet drängten, wurden viele Damara vertrieben oder getötet.
Beim Kulturkontakt mit den ersten Europäern lebten die Damara als halbnomadische Gartenbauer, Hirten und Jäger und Sammler. Bekannt waren sie für ihre Fähigkeiten im Bergbau und in der Metallbearbeitung.
Als die südafrikanische Regierung 1960 die Damara ins heutige Damaraland zwangsumsiedelte, ein Gebiet mit kargen Böden und unregelmäßigen Regenfällen, zogen nach und nach immer mehr Damara in die Städte, so dass heute nur noch etwa ein Viertel von ihnen in Damaraland lebt.
Die Damara sind in Clans organisiert, denen jeweils ein Clanhäuptling vorsteht. Allen Clans übergeordnet ist ein König (Gaob), derzeit (seit 1994) amtiert Justus ǀUruhe ǁGaroëb. (Die Schreibweise des Namens gibt auch die in den Khoisan-Sprachen enthaltenen Klick-Laute wieder). Bild: von R I Gaob Kawango (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons.

Die Nama, eine ethnische Gruppe, die im heutigen Namibia ca. 5% der Bevölkerung ausmacht, unterteilt sich in zehn Unterstämme und die Oorlam genannten gemischtrassigen Nachkommen der indigenen Khoikhoi aus Verbindungen mit Europäern und Sklaven aus Madagaskar, Indien und Indonesien.
Die Nama besitzen mit den San dieselben sprachlichen Wurzeln und äußere Merkmale wie eine helle Haut und eine eher kleine, zierliche Statur. Sie gelten als eines der ersten aus Schwarzafrika ins südliche Afrika eingewanderten Völker.
Im Unterschied zu den als Jäger und Sammler lebenden San waren die Nama Viehzüchter auf der Basis eines kommunalen Landbesitzes.
Im Bereich der immateriellen Kultur spielt die orale Tradition eine maßgebliche Rolle, da Geschichten und Wissen über Generationen durch mündliche Überlieferung weitergegeben wurden.
Von den weißen Siedlern am Kap verächtlich “Hottentotten” genannt und aus der Kapregion nach Norden abgedrängt, lebten die Nama bis Mitte des 19. Jahrhunderts zu beiden Seiten des Grenzflusses Oranje im so genannten Namaqualand.
Hendrik Witbooi, Anführer der WitbooiWährend des 19.Jahhrunderts kam es immer wieder zu bewaffneten Konflikten mit den Herero um Weidegebiete und Wasserrechte. Buchstäblich befeuert wurden diese Konflikte von den weißen Kolonisten und Händlern durch den Verkauf von Waffen und Alkohol auf Kredit gegen Wucherzinsen.
Erst unter dem Eindruck des menschenverachtenden Vorgehens der deutschen Truppen gegen die Herero wechselte der legendäre Anführer der nach ihm benannten Witboois, Hendrik Witbooi, 1904 die Fronten und schloss sich dem Aufstand gegen die deutsche “Schutztruppe” an.
Sein Konterfei ziert seit der Unabhängigkeit Namibias die meisten Banknoten.
Nach dem Tode Hendrik Witboois kapitulierten die Witbooi 1905; der Aufstand wurde jedoch von den Anführern Marengo und Kooper bis 1907 bzw. 1909 fortgeführt. (Bild: Regierung von DSWA [Public domain], via Wikimedia Commons)

Die San im heutigen Namibia gelten Nachfahren des ältesten Volkes der Welt und als kleinste ethnische Gruppe des Landes.
Ihre traditionelle Lebensweise als schweifende Jäger und Sammler, die jenseits der erweiterten Großfamilie keine übergeordnete soziale Organisationsform und damit auch keine Interessnvertretung kennen, ließ die San unter dem Siedlungsdruck durch zugewanderte afrikanische Stämme und später durch weiße Siedler zunehmend in die Marginalisierung geraten.
In den letzten Jahrzehnten wurde ihr Lebensraum durch die Gründung und Vergrößerung von Naturschutzgebieten, in denen die Nutzung natürlicher Ressourcen (z.B. durch Jagd) verboten ist, weiter eingeschränkt.
Von den heute noch in Namibia lebenden San, deren Zahl auf etwa 40000 geschätzt wird, lebt nur noch ein Bruchteil traditionell.
Diese Lebensweise lässt sich als jahrezeitlich nomadisierend beschreiben, je nach der Verfügbarkeit von Ressourcen wie Wasser, Wildtieren und essbaren Pflanzen werden bestimmte Gebiete aufgesucht.
Der frühe Frühling ist die härteste Jahreszeit: Eine heiße Trockenzeit nach dem kühlen, trockenen Winter. Die meisten Pflanzen sind noch tot oder in der Winterruhe, während die Vorräte an Herbstnüssen erschöpft sind. Fleisch und damit der Anteil der Jagd an der Subsistenz, wird besonders wichtig in den trockenen Monaten, wenn sich die Jagdtiere nicht weit von den wenigen, dauerhaften Wasserlöchern entfernt aufhalten.
Während die Jagd überwiegend den Männern vorbehalten ist, die dazu lange, mühsame Verfolgungsjagden unternehmen, um die Jagdtiere schließlich mittels Pfeilen und Speeren zu erlegen, die in Diamphotoxin, ein langsam wirkendes Pfeilgift getaucht sind, das von Käferlarven der Gattung Diamphidia produziert wird.
Frauen sammeln Früchte, Beeren, Knollen, Buschzwiebeln und andere Pflanzen für den Verzehr. Auch Straußeneier werden gesammelt und die leeren Schalen als Wasserbehälter verwendet. Insekten liefern vielleicht 10% der tierischen Proteine, die am häufigsten während der Trockenzeit verzehrt werden.
San Familie in NamibiaTraditionell stellen die San eine egalitäre Gesellschaft dar. Zwar kennen sie erbliche Häuptlinge, doch deren Autorität ist begrenzt. Entscheidungen werden im Konsens getroffen, wobei Frauen gleichberechtigt sind. Ökonomisch stellen die San eine Geschenkökonomie dar, bei der Waren und Dienstleistungen nicht gehandelt oder verkauft, sondern regelmäßig geschenkt werden.
Die meisten San leben heute im nordöstlichen Kerngebiet der Kalahari, an der Grenze zu und in Botswana, ein Großteil arbeitet auf Farmen oder als touristische Fährtenleser in Lodges. (Bild: Aino Tuominen [gemeinfrei], via Wikimedia Commons)

Etwa 55 000 Baster leben heute in Namibia. Sie sind die Nachkommen von Nama und holländischen Siedlern (Buren). Diese Kinder wurden Coloureds oder Baster genannt. In den späten 1860er Jahren wanderte eine Gruppe von etwa 90 Familien unter zunehmendem Druck der Buren aus Südafrika nach Namibia. Sie ließen sich zunächst im Süden des Landes nieder, doch um 1880 siedelten sie sich in der Gegend der Kleinstadt Rehoboth an.
Die Baster sprechen Afrikaans und tragen ihren Namen “Baster” mit Stolz, auch wenn er “Bastard” bedeutet. Durch ihre einzigartige Geschichte und die Tatsache, dass sie seit mehr als 100 Jahren in ihrem eigenen Gebiet leben, grenzen sie sich selbstbewusst von anderen Coloureds ab.
Die Mehrheit von ihnen lebt noch immer im Gebiet von Rehoboth, aber viele arbeiten in Windhoek, häufig im Baugewerbe.
Im Unterschied zu den Bastern war die Gruppe der Coloureds in Namibia nie homogen.
Auch lehnen sie “Coloureds” als Eigenbezeichnung ab.
Während der Apartheid machten sie meist die Erfahrung, von keiner der ethnischen Gruppen als zugehörig akzeptiert zu werden. Als Nachkommen aus Verbindungen zwischen (meist Männern) Europäern, Indern und Malaien, die während der südafrikanischen Mandatszeit nach Namibia gekommen waren, und afrikanischen Frauen, haben Namibias Coloureds ihre Wurzeln in der Kapprovinz. Wie die Baster sprechen sie Afrikaans, jedoch mit eigenem Akzent und Dialekt.
Die meisten Coloureds leben in Städten und gelten im Unterschied zur Mehrheit der schwarzen Bevölkerung als gut ausgebildet, weshalb sie in einem breiten Spektrum von Berufen, z.B. in Bildung oder dem öffentlichen Dienst, arbeiten.

Es gibt etwa 75 000 Namibier europäischer Abstammung. Rund zwei Drittel von ihnen sprechen Afrikaans, ein Viertel Deutsch und der Rest größtenteils Englisch sowie einige wenige Portugiesisch. Vor der Unabhängigkeit waren Afrikaans und Englisch die offiziellen Landessprachen, seit der Unabhängigkeit ist Englisch die einzige Amtssprache Namibias.
Die rund 4500 weißen Farmer, viele davon deutscher Abstammung, besitzen mehr als die Hälfte des kommerziellen Farmlandes.
Der größte Teil der Afrikaans sprechenden Gemeinschaft Namibias kam in einer Reihe von Trecks aus Südafrika. Die deutsche Gemeinschaft besteht mehrrheitlich aus Nachkommen der frühen deutschen Siedler, obwohl es noch immer einige Deutsche gibt, die nach Namibia auswandern.
Die englische Gemeinschaft ist größtenteils aus Südafrika eingewandert, während es sich bei den portugiesischsprachigen Menschen um Flüchtlinge aus den Anfängen des angolanischen Bürgerkriegs handelt.
Der Einfluss deutschsprachiger Namibier ist umgekehrt proportional zu ihrer Zahl, denn obwohl die Zeitspanne als deutsche Kolonie nur relativ kurz währte, blieb der Einfluss der deutschen Gemeinschaft in vielen Aspekten des städtischen Lebens in Namibia spürbar. Viele der Industrien und Einzelhändler befinden sich in deutschem Besitz, das Bier wird nach deutschem Reinheitsgebot gebraut und beim Blick auf Speisekarten oder in die Auslagen von Bäckereien wähnt man sich in Deutschland.
Die weiße Bevölkerung lebt (mit Ausnahem der Farmer) hauptsächlich in den größeren Städten Windhoek, Swakopmund, Walvis Bay und Tsumeb.

 

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