Hintergrund

100000 v.u.Z.

Knochenfunde dieses Alters an der Westküste der Kapprovinz belegen die Existenz des Homo sapiens in Südafrika.

30000 v.u.Z.

San siedeln als Jäger und Sammler im Südwesten Afrikas.

Sarah Baartmann, eine um 1789 geborene Khoikhoi, wurde jahrelang in Europa wie ein exotisches Zirkustier herumgezeigt und auch nach ihrem Tod 1815 (u.a. als Gipsabruck oder konservierte Körperteile) im späteren Musée de L’Homme ausgestellt. Nach langjährigen Verhandlungen gab Frankreich 2002 ihre sterblichen Überreste frei, um sie nach Südafrika zu überführen und in Hankey (Provinz Ostkap) beizusetzen.

0 u.Z.

Khoikhoi, vermutlich in Botswana zu Viehzüchtern gewordene Jäger und Sammler, siedeln im südlichen Afrika. Nach Ankunft der europäischen Kolonisten, die sie u.a. zwingen wollten, ihr Vieh an sie zu verkaufen, kam es zu dauernden Konflikten mit den Europäern. Im 18. Jahrhundert starb die große Mehrheit der Khoikhoi an Pocken und anderen eingeschleppten Infektionskrankheiten, gegen die sie keine Abwehrkräfte besaßen.

500

Bantuvölker wandern aus Zentralafrika ein und beginnen das Land am Kap zu besiedeln.

1488

Der Portugiese Bartolomeu Dias umsegelt das Kap und geht als erster Europäer im späteren Mossel Bay an Land.

1497/ 1498

Vasco da Gama umrundet auf seinem Weg nach Indien das Kap der guten Hoffnung und landet u.a. an der Küste von Natal, das er am Weihnachtstag Terra do Natal nennt.

Jan van Riebeeck landet im April 1652 in der Tafelbucht ©Public domain, via Wikimedia Commons

1652

Der Holländer Jan van Riebeeck landet mit 3 Schiffen und etwa 90 Personen in der Tafelbucht und gründet am 6. April Kapstadt als Versorgungskolonie für die Vereenigde Oost Indische Companie (VOC).

1657

Sklaven aus Indien, Asien und anderen Teilen Afrikas werden ins Land am Kap verschleppt.

1659

Beginn des Weinbaus am Kap.

1688

Nach Aufhebung des Edikts von Nantes, das ihnen Religionsfreiheit versprach, fliehen die Hugenotten aus Frankreich. Manche von ihnen lassen sich in Südafrika (Franschhoek) nieder.

1790 – 1879

Zulukrieger und Briten in der Schlacht bei Isandhlwana (1879) © Public Domain, Project Gutenberg

Das zu den Bantuvölkern gehörende Volk der Zulu wird unter König Shaka (1787-1828) zu einer militärischen Großmacht. Seine Strategie des Mfecane (isiZulu: ~ Zerquetschen) führte zur Unterwerfung der Nachbarstämme und dem Aufbau eines großen stehenden Heeres, da dank des Maisanbaus die Arbeitskraft der jungen Männer nicht mehr für die Subsistenzsicherung benötigt wurde. Shakas militärischer Taktik des Büffelhorns (i’mpondo zankhomo) war auch der spätere Sieg über britische Truppen in der Schlacht bei Isandhlwana (22.1.1879) zu verdanken, bevor die Zulu-Armee den Briten am 4. Juli 1879 endgültig unterlag.

1779

Kriegerische Auseinandersetzungen in der östlichen Kapprovinz am Fish River zwischen den Xhosa und den weißen Siedlern (Treckburen).
Bis 1878 folgen weitere Konflikte um Land bzw. Weideflächen zwischen beiden Gruppen.

1795

Nach dem vierten Englisch-Niederländischen Krieg (1780 –1784) gerät die Ostindien-Kompanie in finanzielle Schwierigkeiten und wird 1798 liquidiert. Die Briten übernehmen am 11. Juni 1795 die Herrschaft am Kap. Um zu verhindern, dass die Stadt zerstört und geplündert wird, ergeben sich die Holländer.

1803

Nach dem (kurzlebigen) Friedensvertrag von Amiens, der Großbritannien mit wenigen Ausnahmen zur Rückgabe seiner Kolonien verpflichtete, fällt die Kapkolonie wieder an die Niederlande.

1814

Die Kapregion wird britische Kronkolonie.

1820

Die ersten britischen Siedler landen in der Algobaai und gründen Port Elizabeth.

1824

Die Buren gründen eine Siedlung in Port Natal, dem heutigen Durban.

1834

Verbot der Sklaverei im britischen Machtbereich. Dies wird von den Buren als Verstoß gegen die in ihrer calvinistischen Ideologie als gottgewollt angesehenen Sozialordnung betrachtetet. Zusammen mit der wachsenden britischen Dominanz in der Kapregion und mangelnder Unterstüzung der britischen Kolonialtruppen in den burischen Auseinandersetzungen mit den Xhosa, machen sich 10000 “Voortrekker” genannte Bauern (Holländer, Hugenotten und Deutsche) 1835 schließlich auf den „Großen Treck“ aus der Kapkolonie ins Landesinnere nach Norden und Nordosten, wo sie wieder „freie Bauern“ sein wollen.

Schlacht am Bloedrivier (Blood River)

Darstellung der Schlacht am Bloedrivier © Public Domain, via Wikimedia Commons

1838

In der Schlacht am Bloedrivier (Blood River) am 16. Dezember werden die Streitkräfte der Zulu von den Voortrekkern geschlagen. Zuvor hatte Zulukönig Dingane, Halbbruder Shakas, der diesen 1828 ermordet hatte, 500 unbewaffnete Buren unter Piet Retief ermorden lassen. Unter der Führung Andries Pretorius’ gründen Buren die erste Republik Natal. Ihre Hauptstadt nennen sie Pietermaritzburg – zur Erinnerung an die Voortrekker Führer Piet Retief und Gerrit Maritz. Die Buren gründen auch im Transvaal und Oranje-Freistaat eigene Staaten.

1852

England erkennt die Burenrepublik Transvaal, offiziell Zid-Afrikaansche Republiek (ZAR) und die Unabhängigkeit des Oranje-Freistaats an.

1869

Nach ersten Diamantenfunden in Kimberley annektiert England diesen Teil von Oranje-Freistaat.

1880 – 1881

Krieg zwischen Buren und Briten. Die Buren unter ihrem Führer Paul „Ohm“ Kruger siegen.

1883

Kruger wird Präsident der Burenrepublik Transvaal.

1886

Goldfunde am Witwatersrand. Gründung von Johannesburg.

1899-1902

2.Burenkrieg Konzentrationslager

Kleiner Junge im Konzentrationslager ‚Irene‘ © James Ball [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Auslöser des zweiten Burenkriegs war auf der einen Seite das Streben der britischen Kolonialmacht, ein geschlossenes Kolonialreich zwischen dem Kap und Kairo zu schaffen sowie die Kontrolle über die Bodenschätze zu gewinnen. Dem stand auf der anderen Seite die ausländerfeindlliche Politik der Burenrepubliken gegenüber, die sich weigerten, den ‘Uitlanders’ gleiche Bürgerrechte einzuräumen.
Der Guerillakrieg der Burenkommandos gegen die Briten endete mit der Internierung zehntausender burischer Frauen und Kinder in “concentration camps”, wo 26000 von ihnen an Unterernährung, Masern und anderen Krankheiten starben, bevor es zum Frieden von Vereeniging kam, der Transvaal und Oranje Freistaat in das Britische Empire eingliederte.

1894

gründet Mohandas Karamchand Gandhi den Natal Indian Congress (kurz: NIC) in Durban, der sich für die Rechte der indischen Minderheit einsetzt. Am 3. September 1894 wird Gandhi vom Obersten Gerichtshof in Natal als erster indischer Anwalt zugelassen. Er vertritt Kaufleute ebenso wie die indischen Vertagsarbeiter.

1910

Gründung der südafrikanischen Union, bestehend aus Transvaal und Oranje-Freistaat sowie den britischen Kolonien Natal und Kap. Erster Premierminister wird Louis Botha, Stellvertreter Jan Smuts, beide pro-britisch eingestellte Buren.
Die schwarze Bevölkerung wird nicht in die Bildung des neues Staates eingebunden und erhält auch keine politischen Rechte.

1911

Der „Mines and Works Act“ verpflichtet Schwarze, ausschließlich niedere Arbeiten zu verrichten und garantiert damit die Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte.

Gründungsmitglieder des South African Native National Congress

Gründungsmitglieder des South African Native National Congress ©Unknown photographer (ZAR.co.za) [Public domain], via Wikimedia Commons

1912

Die Wahlrechtsregelung der südafrikanischen Union führt zu Protestkundgebungen unter Farbigen und Schwarzen und zur Entstehung nicht-weißer politischer Organisationen, deren wichtigste bald der 1912 in Bloemfontein gegründete South African Native National Congress (seit 1923 African National Congress / ANC) werden sollte. Erster Vorsitzender wird der in den USA ausgebildete Theologe John Langibale Dube, der 1937 zum Ehrendoktor der Universität von Südafrika ernannt wird. Zu diesem Zeitpunkt beschränkte sich die politische Aktivität Schwarzer noch weitgehend auf ältere Akademiker und Intellektuelle, die jegliche Form des aktiven Widerstands ablehnten.

1913

Nach dem „Natives Land Act“ dürfen Schwarze nur innerhalb eines bestimmten Gebietes Land erwerben. Weißen, die damals weniger als 20% der Bevölkerung ausmachten, wurden 80 % des Landes zugesprochen, für Schwarze wurden Reservate geschaffen.

1923

Sol Plaatje

Sol Plaatje, Gründungsmitglied und erster Generalsekretär des SANNC, führte die Proteste gegen den Native Land Act © Sol Plaatje Educational Trust

Neben Englisch wird Afrikaans Amtssprache. Jan Smuts veranlasst mit dem “Native Urban Areas Act” die Schaffung separater Townships für Schwarze an den Stadträndern, um so den Zustrom Nichtweißer in die Städte zu kontrollieren bzw. zu verhindern.
Im selben Jahr erklärte sich die Generalversammlung des ANC überzeugt davon, dass es die Absicht der Regierung sei, alle schwarzen Südafrikaner zu versklaven.

1931

Südafrika erhält die volle Unabhängigkeit im britischen Commonwealth.

1939

Jan Smuts, überzeugt von der Überlegenheit der Weißen, wird Premierminister.

1948

Wahlsieg der Nationalen Partei. Die Politik der Apartheid wird zum offiziellen Regierungshandeln.

1949

Der „Mixed Marriages Act“ untersagt Ehen zwischen Angehörigen verschiedener Rassen.

1950

Gemäß des „Group Areas Act“ (eigene Wohngebiete für jede Volksgruppe) werden hunderttausende Schwarze zwangsumgesiedelt.

1953

Die Bevölkerung Südafrikas wird in vier Rassen eingeteilt. Weiße, Schwarze, Farbige (Coloureds) und Asiaten. Volle Bürgerrechte genießen nur Weiße.

1958

Nach einem erneuten, überwältigenden Wahlsieg der Nationalen Partei wird der zuvor bereits als Minister für Eingeborenenfragen tätige Chefideologe der Apartheid, Hendrik Frensch Verwoerd, Premierminister.
Seine verschärfte Segregationspolitik schafft scheinbar unabhängige Homelands für 9 verschiedene Bantu-Ethnien mit dem Ziel, die schwarze Bevölkerung ihrer Bürgerrechte zu berauben, indem man sie faktisch zu Ausländern mit einer entsprechenden Homeland-Staatsbrügerschaft erklärte.

1959

Die militante Bewegung „Pan-Africanist Congress“ (PAC) spaltet sich vom „African National Congress“ (ANC) ab.

1960

Mandela verbrennt Pass

Nelson Mandela 1960 beim Verbrennen seines Passes © Public Domain

Im Rahmen der Protestaktionen gegen die neuen Passgesetze kommt es im Johannesburger Township Sharpeville zu einem Massaker, bei dem 69 Demonstranten von der Polizei erschossen werden.
Der ANC und PAC werden verboten und operieren von nun an aus dem Untergrund.
Einer der führenden Aktivisten des ANC ist Nelson Mandela.

1961

Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften fordert in einem Memorandum an die UN wirtschaftliche Sanktionen gegen Südafrika.
Südafrika verlässt den Commonwealth und wird Republik.

1962

Nelson Mandela, Führer des ANC, wird nach einem Tipp der CIA an die südafrikanische Polizei verhaftet und später zu lebenslanger Haft verurteilt.

1966

Am 6. September ersticht der Parlamentsbote Demetrius Tsafendas, Sohn griechisch-mosambikanischer Eltern, Premierminister Hendrik Frensch Verwoerd während einer Sitzung im im Parlament.

1967

Im „Groote Schuur Hospital“ in Kapstadt führt Christiaan Barnard die erste Herzverpflanzung an einem Menschen durch.

1976

Der Schüleraufstand in Soweto gegen die Einführung von Afrikaans als Unterrichtssprache wird von der Polizei blutig niedergeschlagen. In der Folge kommt es landesweit zu Unruhen, in deren Verlauf ca. 500 Menschen getötet werden, darunter auch der Aktivist der “Black Consciousness Movement”, Stephen “Steve” Biko, der 1977 in einer Gefängniszelle an Kopfverletzungen infolge von Folter stirbt.
Als erster Toter der Polizeigewalt gilt der 12jährige Hector Pieterson, an den seit 2002 das Hector-Pieterson-Memorial und Museum in Soweto erinnert.

1976 – 1981

Die Homelands Transkei, Bophuthatswana, Venda und Ciskei werden zu selbstständigen Staaten erklärt und aus Südafrika ausgegliedert.

1979

Pieter Wilhelm Botha wird Premierminister.

1984

Eine Verfassungsänderung gesteht Asiaten und Farbigen eingeschränkte politische Mitspracherechte zu.
Erzbischof Desmond Tutu erhält den Friedensnobelpreis für sein gewaltfreies Engagement gegen die Apartheid.

1986

Proteste und Unruhen werden in den achtziger Jahren zunehmend militanter, die Regierung verhängt den Ausnahmezustand und Südafrika wird zu einem Polizeistaat. Die Bilanz von September 1984 bis Ende 1987 waren nahezu 3000 Tote.

1987

Ein Streik schwarzer Eisenbahner führt zu den massivsten Gewaltausbrüchen seit Verhängung des Ausnahmezustands.
Immer mehr Staaten vehängen Sanktionen gegen Südafrika, dessen Wirtschaft unter dem Embargo einbricht. Die politischen und ökonomischen Kosten zur Aufrechterhaltung der Apartheid werden zu hoch. Die Townships werden unregierbar. Von außen wird Südafrika von der internationalen Staatengemeinschaft durch unterschiedlich starke Sanktionen unter Druck gesetzt. Das Ende des Kalten Krieges, die dramatischen Änderungen in Osteuropa und die Dekolonisierung des bis 1989 von Südafrika besetzten Namibias erhöhen den Reformdruck.

Bei dem so genannten “Purple Rain Protest” 1989 in Kapstadt wollte die Polizei Anti-Apartheid-Demonstranten mit Farbe für spätere Verhaftungen markieren. Einem Demonstranten gelang es, den Farbwerfer zu entern und dessen Strahl u.a. gegen den Sitz der Nationalen Partei zu richten.

1989

Mit dem Amtsantritt (nach dem Rücktritt Bothas) Frederik Willem de Klerks führt der Erosionsprozess des Apartheid-Systems auch zu politischen Konsequenzen: De Klerk erklärt die Apartheidpolitik für gescheitert.

1990

Das Verbot des ANC (African National Congress) und weiterer 33 Oppositionsgruppen wird aufgehoben. Wenige Tage später wird Nelson Mandela nach 27jähriger Haft freigelassen. In geheimen Verhandlungen zwischen ANC und Regierung hatte man sich zuvor darauf geeinigt, auf Gewalt zukünftig zu verzichten und gemeinsam auf einen friedlichen Übergang und eine neue Verfassung hinzuarbeiten.

1991

Mit der Abschaffung des „Natives Land Act“, des „Group Area Act“ und des „Population Registration Act“ fallen die drei Grundpfeiler der Apartheidpolitik.

1993

Präsident de Klerk und Nelson Mandela erhalten den Friedensnobelpreis.

1994

Am 27. April finden die ersten freien Wahlen in der Geschichte Südafrikas statt.
Der ANC geht mit 62% der Stimmen als Sieger hervor. Nelson Mandela wird erster schwarzer Präsident Südafrikas. De Klerk bleibt zunächst Mandelas Vizepräsident, bis er sich 1996 aus der Politik zurückzieht.

1995

Bildung der Wahrheits- und Versöhnungskommision unter Vorsitz von Erzbischof Desmond Tutu.
Am 24.Juni gewinnt das südafrikanische Rugbyteam im Johannesburger Ellis Park die Weltmeisterschaft und Präsident Mandela überreicht in einer großen Geste der Versöhnung Francois Pienaar, dem Kapitän der Springboks, die Trophäe im bei Schwarzen verhassten grün-gelben Trikot.

1996

Unterzeichnung der demokratischen Verfassung. Die Nationale Partei (NP) scheidet aus der Regierung der Nationalen Einheit aus und geht in die Opposition.

1997

Die neue Verfassung tritt am 4. Februar in Kraft. Nelson Mandela legt das Amt des Präsidenten nieder und übergibt an seinen Nachfolger Thabo Mbeki.

1999

In der ersten Wahl nach der neuen Verfassung wird Thabo Mbeki als Präsident gewählt. Der staatsmännisch und bedacht auftretende Mbeki kommt im Ausland besser an, als bei seinen Anhängern im ANC. Internationales Aufsehen erregt jedoch seine abstruse Haltung zum Thema HIV/ AIDS.

2005

Mandelas ältester Sohn stirbt an AIDS. Sein Vater machte die Erkrankung öffentlich und forderte seine Landsleute auf, endlich offen über HIV zu reden…

Am 5. Dezember 2013 stirbt Nelson Mandela nach langer Krankheit 95jährig an den Folgen einer Lungenentzündung.