Hintergrund

Die ersten Jahrzehnte der peruanischen Republik standen unter dem Eindruck von Instabilität, Seuchen, Erdbeben und dem Caudillismo genannten Prinzip der Herrschaft eines (militärisch) starken Führers.

Einem dieser Caudillos, Ramón Castilla (1844-1863) gelang die Konsolidierung des peruanischen Staates.

Unter seiner Regentschaft wurden auch die Sklaverei, die indigene Zwangsarbeit und die Todesstrafe abgeschafft.

Perus Guano-Insel Chincha

Die Guano-Insel Chincha in einer Zeichnung Mitte des 19.Jahrhunderts, public domain

Mitte des 19.Jahrhunderts bezog Peru einen Großteil seiner Staatseinnahmen aus dem Export von Guano, der sich an seinen regenarmen Küsten oft meterhoch türmte. Zwischen 1850 und 1870 wurden allein aus Peru 30 Millionen Tonnen Guano nach Europa verschifft und brachten dem Land insgesamt 2 Milliarden Dollar ein.

Peru verlor im Salpeterkrieg (1879 – 1884), in den es gemeinsam mit Bolivien gegen Chile zog, u.a. seine Salpetervorkommen in der Atacamawüste an Chile, Bolivien seinen Zugang zum Meer.

In der Folgezeit stagnierte die peruanische Wirtschaft, und viele Gesellschaften und Betriebe gelangten in ausländische Hand.

Das erste Drittel des 20. Jahrhunderts prägte Augusto B. Leguía (1908-12, 1919-30), der für einen Großteil seiner Amtszeiten diktatorisch regierte trotz der von ihm selbst verabschiedeten, liberalen Verfassung. Indem er weiter ausländisches Kapital ins Land holte, modernisierte er Peru nach den Interessen einer herrschenden Oligarchie, der er selbst angehörte.

Augusto B. Leguia

Augusto B. Leguia auf dem Titel des TIME Magazines, public domain

Als die Weltwirtschaftskrise die Geldströme nach Peru versiegen ließ, wurde Leguía in einem Staatsstreich gestürzt und unter dem Vorwurf der Unterschlagung von Regierungsgeldern inhaftiert, bis er 1932 in einem Marinehospital starb.

1924 hatte der Philosophieprofessor Victor Raul Haya de la Torre, ausgehend von Forderungen nach einer Reform der Universitäten, mit der Alianza Popular Revolucionaria Americana (APRA) eine neue politische Partei gegründet. Sie forderte soziale Gerechtigkeit, die politische Einheit Lateinamerikas und wandte sich gegen den Einfluss des US-amerikanischen Kapitals.
Die Partei wurde mehrmals verboten, blieb aber eine prägende politische Kraft der peruanischen Politik des 20. Jahrhunderts.

Bis in die 1950er Jahre wechselten sich gewählte Regierungen und Militärjuntas an der Spitze Perus ab.

Juan_Velasco_Alvarado_1971

Juan Velasco Alvarado 1971
Quelle: Nationaal Archief, Hauptarchiv der Niederlande, public domain

Eine Sonderrolle unter den Diktaturen, die Peru erlebt hat, nahm die revolutionäre Militärregierung unter Juan Velasco Alvarado zwischen 1968 und 1975 ein.
Anlass für den Putsch der Militärs war ein Skandal der Vorgängerregierung, die im Streit mit Standard Oil um die geplante Verstaatlichung von Ölfeldern der Öffentlichkeit die hohe Entschädigung verschwiegen hatte, mit der der US-Konzern besänftigt werden sollte.
General Velasco übernahm am 3. Oktober 1968 in einem unblutigen Militärputsch die Macht und setzte die demokratisch gewählte Regierung von Fernando Belaúnde ab, unter der er als Kommandeur der Streitkräfte gedient hatte.
Maßnahmen wie die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien, eine Landreform sowie eine Bildungsreform kamen zwar vielen der ärmeren Bevölkerungsschichten zugute, doch letztlich scheiterte diese Wirtschaftspolitik an einer durch die wachsende Verschuldung verursachten Hyperinflation und der Energiekrise der frühen 70er Jahre. Der gesundheitlich schwer angeschlagene General wurde schließlich in einem weiteren Coup vom Militär im August 1975 abgesetzt.

Als die Militärregierung im April 1980 wieder Wahlen zuließ, wurde Fernando Belaúnde wieder gewählt. Seine zweite Amtszeit stand unter den Vorzeichen wirtschaftlicher Depression sowie dem Aufkommen der Guerilla-Bewegung des Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) und war geprägt von der Zurücknahme der Reformen der Velasco-Regierung und einer Wiederannäherung an die USA.

Belaúndes Regierung wurden zahlreiche Menschrechtsverstöße vorgeworfen; so schätzen Organisationen wie APRODEH (Asociación Pro Derechos Humanos), dass während seiner zweiten Amtszeit 1230 Menschen verschwanden.

Bei den Wahlen 1985 wurde Belaúnde vom APRA-Kandidaten Alan García besiegt.
Dessen Partei hatte sich bereits zu diesem Zeitpunkt weit von ihrer ursprünglichen Programmatik entfernt.

Der Leuchtende Pfad wurde in den späten 1960er Jahren von Abimael Guzmán, einem ehemaligen

Aufruf zum Wahlboykott des Sendero Luminoso

Aufruf zum Wahlboykott des Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad), public domain

Philosophieprofessor, gegründet (Kampfname Presidente Gonzalo). Seine Lehren folgten einer militanten maoistischen Doktrin.

Auftakt des mehr als eine Jahrzehnt dauernden Kampfes war ein Wahlboykott, bei dem Anhänger des Leuchtenden Pfades 1980 im kleinen Dorf Chuschi bei Ayacucho Wahlurnen verbrannten. Da die peruanische Regierung die Organsation zunächst nicht ernst nahm, gelang es ihr mühelos, in den abgelegenen Andendörfern um Ayacucho Fuß zu fassen. Der Leuchtende Pfad griff in gezielten Anschlägen insbesondere peruanische Streitkräfte, Politiker und andere linke Bewegungen an. Die Regierung, sowohl die unter Alan García als auch die von Alberto Fujimori, ging mit aller Härte gegen die Bewegung vor und schreckte auch vor Massakern, Folter und systematischen schweren Menschenrechtsverletzungen nicht zurück.

Die mehrheitlich indigene Landbevölkerung geriet dabei immer wieder zwischen die Fronten und hatte die meisten Todesopfer zu beklagen. Während des bewaffneten Konfliktes kamen nach Angaben der 2001 eingesetzten Wahrheitskommission insgesamt etwa 70.000 Menschen ums Leben.

Der japanisch-peruanische Politiker Alberto Fujimori folgte im Juli 1990 auf Alan García als Präsident, nachdem er sich als politischer Außenseiter überraschend gegen den Mitte-Rechts- Kandidaten und späteren Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa durchgesetzt hatte.

Der mit dem Spitznamen “El Chino” belegte Fujimori wurde zu einer der kontroversesten Figuren in der jüngeren Geschichte Perus. Seine erste Amtszeit wurde oft als “Fujischock” charakterisiert.

Mit weitreichenden neoliberalen Reformen bekämpfte er die während der Präsidentschaft Alan Garcías eingetretene Hyperinflation durch Privatisierungen und eine radikale Sparpolitik, die zwar zu einer Stabilisierung der reformierten Währung und einem beträchtlichen Wirtschaftswachstum führte, jedoch zu Lasten der ärmeren Bevölkerungsmehrheit ging.

Mittels eines “Selbstputsches” (autogolpe) vewandelte Fujimori Peru 1992 von einer Wahldemokratie in ein autoritäres System, indem er den Kongress auflöste und die Verfassung außer Kraft setzte.

Zwar setzte er diese Institutionen ein Jahr später wieder ein, doch in der Verfassung von 1993 blieben erweiterte Kompetenzen des Präsidenten bestehen.

Festnahme Abimael Guzmans

Schlagzeilen anlässlich der Festnahme Abimael Guzmans, © Archivo Histórico de El Comercio

Wesentliches Element und größter Erfolg seiner Regierungszeit war der radikale Kampf gegen die Aufstandsbewegungen des Sendero Luminoso und des Movimiento Revolucionario Túpac Amaru (MRTA, Revolutionäre Bewegung Túpac Amaru), während dem im September 1992 die Festnahme Abimáel Guzmáns („Presidente Gonzalo“) gelang. Der Erfolg wurde jedoch um den Preis schwerer Menschenrechtsverletzungen wie Massaker an Dorfbevölkerungen durch Todesschwadrone (wie z.B. die Grupo Colina) erreicht. Eine zentrale Rolle spielte der de facto Geheimdienstchef und enge Vertraute Fujimoris Vladimiro Montesinos.

Bereits während seiner Wiederwahlkampagne im Jahr 2000 tauchten zahlreiche Betrugsvorwürfe auf, die auch nicht entkräftet wurden, nachdem Fujimori die Wahl gewonnen hatte. Letztlich führte aber der so genannte der Montesinos-Skandal zu seiner Entmachtung. Ein Video zeigte die Übergabe von Bestechungsgeld durch Montesino an den Oppositionspolitiker Alberto Kouri für dessen Übertritt in die Partei des Präsidenten. Fujimori kündigte Neuwahlen für 2001 an, setzte sich dann jedoch nach Japan ab, von wo er per Fax als peruanischer Präsident zurücktrat, jedoch war ihm zu diesem Zeitpunkt bereits ein von der Opposition durchgesetztes Amtsenthebungsverfahren zuvorgekommen.

Seiner Verhaftung bzw. Auslieferung nach Peru konnte er trotz internationalen Haftbefehls bis September 2007 entgehen. 2009 wurde Fujimori wegen Korruption, begangenen Massakern und Folter zu 7 bzw. 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

Proteste gegen die Begnadigung Fujimoris

die landesweiten Proteste gegen die Begnadigung Fujimoris halten an © pressenza.com, unter https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

An Weihnachten 2017 wurde Fujimori als Teil eines schmutzigen Deals zwischen dem amtierenden Präsidenten Pedro Pablo Kuczynski und der Fujimori-Familie begnadigt, und Kuczynski entging einem Amtsenthebungsverfahren, da Abgeordnete der Fujimori-Partei, darunter dessen Sohn Kenji, der entscheidenden Abstimmung überraschend fernblieben… .

Im Jahr 2004 schätzte Transparency International Fujimoris unrechtmäßig angehäuftes Vermögen während seiner zehn Jahre an der Macht auf etwa 600 Millionen Dollar.