Hintergrund

Die Geographie Chiles ist angesichts dessen enormer Nord-Südausdehnung über nahezu 30 Breitengrade und einer extremen Topographie zwischen dem Meeresspiegel des pazifischen Ozeans und dem nahezu 7000 Meter hohen Ojos de Salado äußerst vielfältig. (Bild: NASA, public domain)

Das lange, schmale Land erstreckt sich von 17° südlicher Breite in der Region Arica bis zum sturmumtaosten Kap Hoorn bei 56° südlicher Breite (bezieht man die chilenischen Ansprüche auf die Antarktis mit ein, reichte Chile bis zum Südpol) und erstreckte sich anstatt 4.270 km über nahezu 8000 km.
Die Grenze zu Argentinien im Osten ist mit 5.150 km die drittlängste der Welt.
Chiles Ost-West-Ausdehnung beträgt im Durchschnitt nur 177 km, an der breitesten Stelle bei Antofagasta sind es immerhin 450km.

Die nördlichen zwei Drittel Chiles liegen auf der tektonischen Nazca-Platte, die sich etwa zehn Zentimeter pro Jahr ostwärts bewegt und sich unter die Kontinentalplatte Südamerikas schiebt. Diese Bewegung hat zur Bildung des Peru-Chile-Grabens geführt, der jenseits des schmalen Küstengewässers vor den nördlichen zwei Landesdritteln liegt. Er is ca. 150 km breit und ca. 5000m (auf der Höhe von Antofagasta fällt er auf 8.066 m) tief.
Die Oberfläche des Ozeans verdeckt die Tatsache, dass der größte Teil Chiles am Rande eines tiefen Abgrunds liegt.
Dieselben Kräfte, die den Peru-Chile-Graben geschaffen haben, machen das Land sehr erdbebengefährdet. Allein im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts wurde Chile von achtundzwanzig schweren Erdbeben heimgesucht.
Der Zusammenstoß zwischen der Nazcaplatte und der südamerikanischen Kontinentalplatte hat auch zur Bildung der Anden geführt, jener geologisch jungen Gebirgskette, die allein auf chilenischem Territorium 620 Vulkane umfasst, von denen viele aktiv sind. Mehr als die Hälfte der chilenischen Landfläche ist vulkanischen Ursprungs.

Naturräumlich ist Chile in fünf Großregionen unterteilt:
Den großen Norden (Norte Grande), den kleinen Norden (Norte Chico), die Zentralregion (Zona Central), den kleinen Süden (Sur Chico) und schließlich den großen Süden (Sur Grande, Zona Austral).
Jede dieser Regionen besitzt ihre eigene charakteristische Vegetation, Fauna, Klima und, trotz der Allgegenwart der Anden und des Pazifiks, ihre eigene Topographie.

Der große Norden (Norte Grande)

erstreckt sich von der peruanischen Grenze bis zum Flusslauf des Copiapó und ist extrem trocken. Er umfasst hauptsächlich die Atacama-Wüste, eines der trockensten Gebiete der Welt. Für diese Trockenheit sind folgenden Gründe verantwortlich:
Die Wüste liegt auf der Windschattenseite des chilenischen Küstegebirges, so dass nur wenig Feuchtigkeit aus dem Pazifik in die Atacama gelangt. Im Osten verhindern die Anden, dass Wolken bzw. Niederschläge aus dem Amazonasbecken in die Wüste eindringen.
Im schmalen Küstenstreifen bildet sich durch den vom kalten Humboldt-Strom verursachten Nebel, der an der Klippe des Küstengebirges hängen bleibt, ein Mikroklima, bei dem die Luftfeuchtigkeit in den Stacheln und Blättern der Vegetation kondensiert, so dass Tröpfchen auf den Boden fallen und die Wurzeln der Pflanzen bewässern.
Im hohen Norden gedeihen dieselben Obstsorten, die auch in den trockenen Tropen gut gedeihen, zudem können alle Arten von Gemüse ganzjährig angebaut werden. Wichtigste wirtschaftliche Grundlage der Region sind jedoch deren Bodenschätze.
So beherbergt der Norte Grande mit Chuquicamata die weltgrößte Kupfermine im Tagebau. Seit den frühen 1970er Jahren hat sich zudem in den wichtigsten Häfen der Region (Iquique und Antofagasta) die Fischereiindustrie zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor entwickelt.

Der kleine Norden (Norte Chico)

erstreckt sich vom Copiapó-Fluss bis nördlich Santiagos. Es handelt sich um eine semiaride Region, in deren Zentralgebiet in jedem der vier Wintermonate durchschnittlich etwa 25 mm Regen fallen, während es im Rest des Jahres nur selten zu Niederschlägen kommt. Auch der nahe Norden ist von Dürren betroffen. Die Temperaturen sind moderat, mit durchschnittlich 18,5 °C im Sommer und etwa 12 °C im Winter auf Meereshöhe. Der Winterregen und die Schneeschmelze in den Anden führt den Flüssen, die alle ganzjährige Wasser führen, zusätzlich Wasser zu. Ihre tiefen Quertäler bieten weite Flächen für die Viehzucht und vor allem für den Obstanbau, der sich seit Mitte der 1970er Jahre stark entwickelt hat. Fast der gesamte chilenische Pisco wird im kleinen Norden produziert.
Wie im hohen Norden haben die Küstengebiete des nahen Nordens ein ausgeprägtes Mikroklima. In den Bereichen, in denen die Luftfeuchtigkeit des Meeres von hohen Klippen des Küstengebirges eingeschlossen wird, entwickeln sich gemäßigte Regenwälder. Da die Flusstäler Durchbrüche durch die Küstenhöhen darstellen, kann jedoch maritime Feuchtigkeit ins Landesinnere eindringen.

Zentralchile (Chile Central)

Zentralchile (Chile Central), in dem die Mehrheit der Bevölkerung lebt, umfasst die drei größten Ballungsräume Santiago, Valparaíso und Concepción. Sie erstreckt sich zwischen etwa 32° südlicher Breite und etwa 37° südlicher Breite. Das Klima ist gemäßigt mediterran, wobei die Niederschlagsmenge von Nord nach Süd stetig zunimmt. Während in der Gegend von Santiago die Durchschnittstemperaturen im Sommer (Januar und Februar) bei 19,5 °C und im Winter (Juni und Juli) bei 7,5 °C liegen, sind die Niederschläge im Sommer kaum messbar, erhöhen sich im Winter auf ca. 70 mm pro Monat. In Concepción dagegen sind die durchschnittlichen Monatstemperaturen im Sommer etwas niedriger, im Winter dafür etwas höher, bei wesentlich höheren Niedersschlagsmengen von 253 Millimeter pro Monat im Winter. Auch die zahlreichen Flüsse der Region verändern ihr Gesicht im Jahreszeitenwechsel erheblich.
Die Topographie Zentralchiles umfasst ein Küstengebirge, das parallel zu den Anden verläuft. Zwischen den beiden Gebirgszügen liegt das so genannte Valle Central, in dem sich einige der reichsten landwirtschaftlichen Flächen des Landes befinden.
Im Gebiet nördlich und südlich Santiagos werden Früchte und Weintrauben im industriellen Maßstab angebaut. Die Obsternten werden in den Norden des Doppelkontinents und auch nach Europa exportiert, wo sie im dortigen Winter auf eine große Nachfrage treffen.
Ein beachtlicher Teil Zentralchiles war einst von uralten Wäldern bedeckt. Ihre Rodung für die Landwirtschaft ließ die Böden auslaugen und erodieren.
Große Teile dieses ausgelaugten Landes wurden mit Nutzhölzern für die Zellstoff- und Papierindustrie aufgeforstet, während viele der Gebiete mit altem Baumbestand als Nationalparks ausgewiesen wurden.

Der kleine Süden (Sur Chico)

ist das am stärksten von Seen geprägte Gebiet des Landes. Er erstreckt sich vom Fluss Bío-Bío auf etwa 37° südlicher Breite bis zum Chacao-Kanal auf etwa 42° südlicher Breite. In dieser Region liegt das Tal zwischen den Anden und der Küste tiefer, so dass die Hunderte von Flüssen, die von den Anden herabfließen, Seen bilden. Vile dieser Seen sind ausgesprochen malerisch, ein Eindruck, der durch sie umgebende alte Wälder und die schneebedeckte Andenkulisse noch verstärkt wird.
Auch einige der Flüsse, so z.B. der durch Valdivia fließende Calle Calle sind im Unterschied zum Rest des Landes durchgehend schiffbar.
Der südlichste Teil des Valle Central verschwindet unter dem Meeresspiegel und wird zum Golf von Ancud, während die Insel Chiloé die letzte wichtige Erhebung des Küstengebirges darstellt.
Der kleine Süden ist eines der regenreichsten Gebiete der Welt, eine Tatsache, die sich in den Wintermonaten als wahre Sintflut erweisen kann.
Wirtschaftlich dienen die Weideflächen in der Gegend von Osorno der Viehzucht als Milch-, Käse- und Butterproduktion, und die reichliche Versorgung mit klarem fließendem Wasser hat zu einem Boom der Süßwasserzucht verschiedener Forellen- und Lachsarten geführt. Auch die Holzindustrie spielt nach wie vor eine bedeutende Rolle. Chiles Seenregion ist zudem eine beliebte Sommerfrische, vor allem bei Chilenen und den Nachbarn aus Argentinien.

Der große Süden (Sur Grande, Zona Austral)

Den äußersten Süden Chiles (Chile Austral), der sich von 42° südlicher Breite bis zum Kap Hoorn, den Anden und dem Südpazifik erstreckt, bedecken Kanäle, Fjorde, schneebedeckte Berge und Inseln.
Während der nördliche Teil im allgemeinen kühl und nass daherkommt, erhält der südliche Teil der Zona Austral wie etwa die Gegend um Punta Arenas, weniger Niederschläge. So fallen im gesamten Jahr in Punta Arenas nur wenig mehr Niederschläge als in Valdivia allein im Monat Juni.
Die Temperaturen sind kälter als im Rest des Landes, im Sommer durchschnittlich 11,1 °C und im Winter nur noch 2,5 °C, die bei konstantem Wind vom Südapzifik wesentlich kälter wirken.
Im äußersten Süden dient die patagonische Steppe oft als Weidefläche vor allem für Schafherden, so dass Überweidung in manchen Gebieten ein Problem darstellt.
Ein anderer, wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist die Förderung von Erdöl und Erdgas aus den Gebieten rund um die Magellanstraße.
Die Meerenge ist eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt, denn sie stellt eine Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik dar, die die raue offene See vor Kap Hoorn meidet.
Der Tourismus spielt nur in den Monaten Dezember bis April eine wichtige Rolle.