Hintergrund

Nach der Machtübernahme durch die Putschisten kam es zu einer beispiellosen Welle von Repressionen, die prototypisch für den lateinamerikanischen Staatsterrorismus in den 1970er-Jahren stehen: Inhaftierungen in Lagern, Verfolgung, Folter und das Verschwindenlassen Tausender, die seitdem als Verschwundene (desaparecidos) gelten.

Zu den berüchtigtsten Internierungs- und Folterlagern gehörte Santiagos Nationalstadion, das als Villa Grimaldi bekannte Hauptquartier der chilenischen Geheimpolizei, und auch in stillgelegten Salpeterminen des Nordens wurden politische Gefangene interniert.

National Library of Chile/La Nacion Newspaper Archive

Pinochet (rechts) verabschiedet General Sergio Arellano Stark, den Chef der Todeskarawane kurz vor deren Aufbruch.

Ein besonders perfides Handwerk betrieb die “Karawane des Todes”(caravana de la muerte), die als mobiles Folter- und Mordkommamdo von Süd nach Nord durch Chile flog, um politische Gefangene bestialisch zu foltern und zu ermorden (Bild: National Library of Chile/La Nacion Newspaper Archive).

Aussagen bundesdeutscher CSU/ CDU-Politiker wie Franz Josef Strauß (“Angesichts des Chaos, das in Chile geherrscht hat, erhält das Wort Ordnung für die Chilenen plötzlich wieder einen süßen Klang”) oder der damalige CDU-Generalsekretär Bruno Heck (“Das Leben im Stadion ist bei schönem Wetter ganz angenehm”) machen angesichts ihres Zynismus noch heute sprachlos.

Rund 250000 (manche Quellen gehen von nahezu einer Million aus) der 10 Millionen Chilenen flohen ins Ausland, viele ließen sich auch in beiden deutschen Staaten nieder.

Wirtschaftspolitisch verwandelte Pinochet Chile in den kommenden Jahren in ein neoliberales Laboratorium nach dem Credo us-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, der so genannten “Chicago Boys” um Milton Friedman, der Pinochet 1975 persönlich gegen ein Honorar von 30 000 Dollar beraten hatte. Steuern und Zölle wurden gesenkt, der Mindestlohn abgeschafft und Gewerkschaften verboten.

Die Bilanz dieser Politik bis 1989 verzeichnete einen Rückgang der Löhne um 8%, Sozialleistungen, die sich auf 28% des Wertes von 1970 (also noch vor Allendes Reformen) beliefen sowie um durchschnittlich 20% gesunkene Budgets für Bildung, Gesundheit und Wohnen.

Die Junta setzte zu ihrem Machterhalt auf die Mittelschicht, die Oligarchie, ausländische Unternehmen und ausländische Kredite. Die meisten der enteigneten oder umverteilten Industrie- und Landwirtschaftsbetriebe wurden den ursprünglichen Eigentümern zurückgegeben oder an private Käufer veräußert. Lediglich die Kupferminen blieben im Staatsbeseitz und finanzierten den Verteidigungshaushalt.