Hintergrund

Für die ersten Spanier, die vier Jahrzehnte nach Kolumbus in das Territorium des späteren Chile vordrangen, hielt das Land am vermeintlichen Ende der Welt einige Überraschungen bereit.

Als erster Europäer in Chile gilt der portugiesische Seefahrer Hernando de Magallanes. Dieser entdeckte im Rahmen seiner Weltumsegelung im Auftrag der spanischen Krone 1520 jene Meerenge, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet und später seinen Namen tragen sollte.

Aufbruch der Expedition Almagros nach Chile

Aufbruch der Expedition Almagros nach Chile, Bild: [Public domain], via Wikimedia Commons

15 Jahre später machte sich der Spanier Diego de Almagro – angetrieben von der Gier nach Gold – mit 500 Mann auf den Weg vom damaligen Vizekönigreich Peru nach Chile. Die mühselige Überquerung der Anden auf Höhe der Atacama-Wüste, ausbleibende Goldfunde und das Fehlen von Städten wie sie die Spanier bereits von den Inka gesehen hatten, frustierte die Teilnehmer der Expedition zunehmend. Angesichts der Feindseligkeiten der Einheimischen beschlossen die Spanier schließlich, nach Peru zurückzukehren, obwohl sie bereits bis rund 400km südlich Santiagos vorgedrungen waren.

1540 unternahm Almagros Landsmann Pedro de Valdivia einen neuen Versuch, das Gebiet Chiles zu erobern. Er taufte das Land Nueva Extremeadura und im Februar 1541 gründete er die Stadt Santiago de Nueva Extremeadura. Der Ort der Gründung wurde wegen seiner Insellage im Río Mapocho ausgewählt, die es ermöglichen sollte, ihn gegen Angriffe der Mapuche besser zu verteidigen.

Bereits im September des Gründungsjahres kam es zum Angriff der Mapuche auf die neugegründete Stadt, bei dem mit Inés Suárez eine der schillerndsten Figuren der so genannten Conquista eine entscheidende Rolle spielte.

Doña Inés de Suarez bei der Verteidigung der Stadt Santiago, Gemälde des Historienmalers José Mercedes Ortega

Gemälde des Historienmalers José Mercedes Ortega aus dem Museo Histórico Nacional in Santiago, Bild: [Public domain], via Wikimedia Commons

Nachdem tausende, in den Wäldern um Santiago zusammengezogene Mapuche-Krieger die spanische Siedlung in Brand geschossen hatten und die Niederlage der Spanier unmittelbar bevorstand, schlug Inés Suárez vor, die bereits gefangenen Kaziken zu enthaupten, um mit dem Anblick der abgeschlagenen Köpfe ihrer Führer die Mapuche in die Flucht zu schlagen.

Nachdem Inés Suárez den ersten der Kaziken persönlich mit dem Schwert enthauptet hatte, warf sie sich selbst in Rüstung und auf einem Schimmel reitend in die Schlacht. Der Plan ging auf, und die Angreifer zogen sich zurück.

Obwohl es den Spaniern zunächst gelang, Stadtgründungen südlich des Bio Bio vorzunehmen, darunter Concepción und Valdivia, wurden die Kolonisierungsbestrebungen durch Aufstände der Mapuche und anderer indigener Gruppen immer wieder zurückgeworfen. So führte ein massiver Aufstand der Mapuche, der 1553 begann, zum Tod von Valdivia und zur Zerstörung vieler wichtiger Siedlungen.

Der als Arauco-Krieg in die Geschichte eingegangene Konflikt zwischen Kolonisten und Mapuche wurde erst 1881 beendet, als es chilenischen und argentinischen Truppen gelang, das Mapuchegebiet zu kontrollieren.

Im Norden durch die Wüste, im Süden durch die Mapuche, im Osten durch die Anden und im Westen durch den Ozean begrenzt, wurde Chile zu einer der zentralistischsten und gleichzeitig homogensten Kolonien Spaniens. Chile wurde zu einer Art Grenzposten und hatte die Aufgabe, Angriffe sowohl der Mapuche als auch der europäischen Feinde Spaniens, insbesondere der Briten und Holländer, zu verhindern. Dies gelang nur bedingt, wie Francis Drakes Überfall auf Valparaíso, den Haupthafen der Kolonie, 1578 zeigte. Chile unterhielt eine der größten stehenden Armeen Amerikas, war daher eines der am stärksten militarisierten spanischen Besitztümer und eine Belastung für die Schatzkammer des Vizekönigs von Peru.

Die spärlichen Goldvorkommen der Kolonie waren bald erschöpft und ab dem frühen 17.Jahrhundert lebte die Kolonie von der Landwirtschaft und der Viehzucht.

Großgrundbesitzer, deren Ländereien auf der Grundlage von Sklaven- oder de facto Sklavenarbeit im Encomienda-System bewirtschaftet wurden, dominierten das Land über Jahrhunderte sowohl ökonomisch als auch politisch.

Einen Wendepunkt für Chiles Wirtschaft stellte das Jahr 1687 dar, das für Peru zwei Katastrophen bereit hielt: Das große Erdbeben des Jahres zerstörte die Vorräte und Lagerstätten des peruanischen Weins, und eine Getreideschwarzrost-Epidemie vernichtete die Getreideernte.

Als Konsequenz begann der Weinbau in Chile und die Weizenproduktion wurde forciert.

Das 18.Jahrhundert stand unter den Vorzeichen eines massiven Bevölkerungswachstums, der Neugründung zahlreicher Siedlungen und der zunehehmenden Bedeutung des Weizenanbaus in großem Stil für den Export.