Hintergrund

Trotzdem die USA Panamas Protektorats-Status 1939 beendeten und ihr Interventionsrecht auf die unmittelbare Kanalzone beschränkten, waren die sozialen Spannungen damit nicht beseitigt.

Dramatisch unterschiedliche Lebensverhältnisse zwischen Kanalzone und dem „Landesinneren“ sorgten immer wieder für antiamerikanische Proteste und Unruhen, die 1964 schließlich gewaltsam ausbrachen.
Seit den Kriegsjahren des Zweiten Weltkrieges hatte eine nationalistische Bewegung um Arnulfo Arias, der
sogenannte Panameñismo, zunehmende Unterstützung in der hispanischen Bevölkerung Panamas gefunden. Diese Bewegung richtete sich nicht nur gegen die us-amerikanische Präsenz im Lande, sondern auch gegen andere, nicht hispanische Bevölkerungsgruppen wie Schwarze, Chinesen, Hindus und Juden. Arias wurde zwischen 1940 und 1984 mindestens dreimal zum Präsidenten gewählt, 1964 und 1984 vermutet man, dass manipulierte Stimmenauszählungen seine Wahl verhinderten.
Anlass der Unruhen vom Januar 1964 war das alleinige Hissen der US-Flagge vor einer us-amerikanischen High School in der Kanalzone.

Balboa High School ROTC building. October 14, 1955, By Ernest Hallen (University of Florida Digital Collections) [Public domain], via Wikimedia Commons

Balboa High School ROTC building. October 14, 1955, By Ernest Hallen (University of Florida Digital Collections) [Public domain], via Wikimedia Commons

1960 hatten sich Panama und die USA darauf geeinigt, an mehreren Punkten der Zone beide Fahnen zu hissen. Die US-Bürger der Kanalzone widersetzten sich jedoch der Vereinbarung. Die Nachricht von der provokanten Geste der Schüler verbreitete sich wie eine Lauffeuer, und am nächsten Abend marschierten 200 panamaische Studenten mit der Flagge Panamas in die Kanalzone. Im anschließenden Handgemenge, das zwischen den Panamaern und US-Amerikanern ausbrach, wurde die panamaische Flagge zerrissen. Daraufhin eskalierte die Situation. Tausende aufgebrachter Panamaer stürmten den Grenzzaun der Kanalzone. Die Unruhen hielten über drei Tage an. 23 Panamaer wurden getötet, Hunderte zum Teil schwer verletzt. Auf us-amerikanischer Seite zählte man vier Tote und einen Sachschaden von 2 Millionen US Dollar.
Als Arnulfo Arias 1968 zum dritten Mal zum Präsdidenten gewählt wurde, war der Wahl ein gescheitertes Absetzungsverfahren gegen seinen Vorgänger Robles vorausgegangen. Dieser hatte sich mit Hilfe der Nationalgarde an der Macht gehalten. Als nun Arias seine dritte Amtszeit mit einer Neubesetzung der militärischen Führung beginnen wollte, putschte die Nationalgarde Arias aus dem Amt und übernahm die Macht.
Starker Mann des Staates wurde General Torrijos, der die Politik eines sich durch einen “pragmatischen Nationalismus” auszeichnete.

Jimmy Carter und Omar Torrijos nach der Unterzeichnung der Torrijos-Carter-Verträge, By White House photo [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AJimmy_Carter_and_General_Omar_Torrijos_signing_the_Panama_Canal_Treaty.jpg">via Wikimedia Commons</a>

Jimmy Carter und Omar Torrijos nach der Unterzeichnung der Torrijos-Carter-Verträge, By White House photo [Public domain], via Wikimedia Commons

Er führte moderate Reformen durch, die weder die Oligarchie des Landes noch die US-Interessen bedrohten. Torrijos war es schließlich auch, der mit US-Präsident Jimmy Carter 1977 den Vertrag über die schrittweise Rückgabe des Kanals an Panama zum Jahresende 1999 unterzeichnete.
Mit der beiderseitigen Ratifizierung der Torrijos – Carter Verträge wuchs der politische Widerstand gegen Torrijos‘ Alleinherrschaft. Die Opposition ließ sich nicht mehr in einen antiamerikanischen Nationalismus kanalisieren. Torrijos‘ populistische Allianz begann zu bröckeln. Beschleunigt wurde dieser Prozess durch die Wiederzulassung politischer Parteien, die seit der Machtübernahme des Militärs verboten waren. Nach einer Verfassungsänderung Ende 1978 gab Torrijos sein Regierungsamt auf, blieb aber bis zu seinem Tod 1981 als Oberbefehlshaber der Nationalgarde ein wichtiger Entscheidungsträger panamaischer Politik. Torrijos‘ plötzlicher Tod bei einem Flugzeugabsturz hinterließ ein Machtvakuum in der politischen Landschaft Panamas.