Hintergrund

Mit der Fertigstellung des Kanals, der von der Weltöffentlichkeit als imposante Leistung bestaunt wurde, nahm die politische Geschichte Panamas eine entscheidende Wende: sie wurde zur Geschichte des Kanals.

Der Slogan, unter dem das gigantische Bauprojekt zusammengefasst worden war, bewahrheitete sich in seiner ersten Hälfte auf’s Deutlichste: „the country divided – the world united“. Panama war ein geteiltes Land in physischer, gesellschaftlicher und ethnischer Hinsicht. Parallel zur Wasserstraße durchschnitt fremdes Hoheitsgebiet das eigene Land. In ihm hatten die USA eine Parallelwelt aufgebaut, in denen die vom Kanal lebenden US- Amerikaner die ihnen vertrauten Annehmlichkeiten vorfanden. Gleichzeitig waren weite Teile der Bevölkerung vom Wohlstand, den der Kanal vermeintlich bringen sollte, ausgeschlossen. Vor allem die schwarzen Kanalarbeiter, deren Arbeitskraft nicht mehr gefragt war, waren nicht nur der Armut, sondern auch einem offenen Rassismus ausgesetzt.
Ressentiments gegen die US-Präsenz und die fragwürdigen Umstände, unter denen ihre vertragliche Grundlage zustande gekommen war, hatte es seit Bekannt werden des Hay-Bunau-Varilla Vertrages gegeben.
Die USA unterhielten in der Kanalzone ihre eigenen Zollbehörden und Post, und legten die Tarife fest. Dieser Vertragsauslegung widersprach die panamaische Regierung und verhandelte den Vertrag nach.

Dennoch blieb die Situation für die panamaische Seite unbefriedigend. Panamas Wirtschaft war seit seiner „Entdeckung“ im frühen 16.Jahrhundert einseitig auf den Handel konzentriert. Die politischen Gegensätze zwischen Konservativen und Liberalen, die das übrige postkoloniale Lateinamerika bestimmten, prägten sich in Panama nicht entsprechend aus.
Stattdessen bestimmte eine weitgehend homogene Oligarchie die Geschicke des Landes. Politische Parteien waren weniger ideologisch als personalistisch organisiert. Bei tatsächlicher oder drohender Behinderung des freien Waren- und Personenverkehrs am Isthmus konnten jederzeit die US-Truppen auf den Plan treten. Nach mehreren Interventionen ersetzten die USA das panamaische Militär schließlich durch eine Nationalpolizei, die für die Aufrechterhaltung derjenigen Ordnung und Sicherheit zuständig war, die für den reibungslosen Ablauf der Geschäfte notwendig war.

Die wachsenden Sympathien für nationalsozialistische und faschistische Ideologien unter den lateinamerikanischen Nationalisten bewogen die USA in den 30er Jahren des 20.Jahrhunderts zu einem politischen Kurswechsel. Mit seiner „Politik der guten Nachbarschaft“ bekannte sich Präsident Franklin D. Roosevelt, der 1933 sein Amt angetreten hatte, zum Prinzip der Nicht-Einmischung, um sich der politischen Solidarität des lateinamerikanischen Kontinents gegen Nazideutschland und dessen Verbündete zu versichern.