Hintergrund

Der Isthmus von Panama war auch während des wirtschaftlichen Niedergangs ein wichtiger Verkehrsweg geblieben.

Doch erst als Mexiko Kalifornien nach der Niederlage im “Mexikanischen Krieg” (1846-48) an die Vereinigten Staaten abtreten musste, stieg das Passagieraufkommen. Viele Reisende zogen das Überqueren der Landenge dem beschwerlichen und gefährlichen Landweg über den nordamerikanischen Kontinent vor. Einen Boom erlebte die Route im Zuge des kalifornischen Goldrauschs 1849. Eine Gruppe New Yorker Finanziers hatte sich von der kolumbianischen Regierung die Exklusivrechte zum Bau einer Eisenbahnlinie über den Isthmus zusichern lassen. Als Gegenleistung erkannte die US-Regierung die kolumbianischen Hoheitsrechte über Panama an.
Die Bahnstrecke folgte im wesentlichen dem heutigen Kanalbett. Der erste Zug verband das nach einem der Geldgeber benannte Aspinwall (das spätere Colón) mit Panama Stadt am 28.Januar 1855. Zwischen 1848 und 1869 überquerten 375.000 Passagiere die Landenge vom Atlantik zum Pazifik, während 225.000 die umgekehrte Richtung einschlugen.

Die immensen Profite aus dem Transport- und Beherbungsgeschäft kamen jedoch nicht Panama zugute, sondern wanderte in die Taschen us-amerikanischer Geschäftsleute und Aktionäre. Mit der Fertigstellung der Bahnlinie waren die meisten derer, die zuvor an ihrem Bau gearbeitet hatten, arbeitslos geworden. Alle bessere Posten im Betrieb der Strecke waren mit US-Amerikanern besetzt worden. Zudem verringerte sich die Aufenthaltsdauer der Durchreisenden so weit, dass kaum jemand länger als einen Tag in Panama blieb.
Die Aversionen weiter Teile der panamaischen Bevölkerung gegen die “Yankees” waren ebenso groß wie ihre Frustration über die unerfüllte Hoffnung einer Besserung der wirtschaftlichen Situation. Beide Faktoren brachen sich in einem als “Wassermelonenkrieg” bekannt gewordenen Gewaltexzess vom 15.April 1856 bahn. Auslöser war ein us-amerikanischer Goldsucher, der sich angetrunken weigerte, ein Stück Wassermelone zu bezahlen, die er einem schwarzen Straßenverkäufer weggenommen hatte. Dieser bedrohte ihn daraufhin mit einem Messer und die Situation eskalierte, als Jack Oliver, so der Name des Betrunkenen, auf den Schwarzen anlegte. In dem Handgemenge mit einem anderen Schwarzen, der Oliver in den Arm fiel, löste sich ein Schuss, der einen der Beobachter verletzte. Daraufhin brach ein Mob los, der in Hotels und das Bahnhofsgebäude Panamas eindrang, in denen sich die ebenfalls bewaffneten Reisenden verschanzt hatten. Nach stundenlangem Wüten blieb die Bilanz von 16 Toten, 14 von ihnen US-Amerikaner, sowie zahlreiche geplünderte und verwüstete Gebäude.
Ein Beauftragter der US-Regierung, der die Vorfälle anschließend untersuchte, kam zu einem Fazit, das später zur Leitlinie us-amerikanischer Politik in Panama werden sollte: “Die Regierung Neu Granadas ist nicht in der Lage, für Ordnung zu sorgen und den Transitverkehr in adäquater Weise zu schützen … Ich empfehle daher die sofortige Besetzung des Isthmus, von Ozean zu Ozean, durch die USA, solange, bis Neu Granada für angemessenen Schutz sorgt und eine weitreichende und schnelle Wiedergutmachung leistet.”