Hintergrund

Anastasio Somoza García, Gründer der Somoza-Dynastie, unterhielt seit seiner Ausbildung in den USA beste Beziehungen zu deren Vertretern in Nicaragua. Präsident Roosevelt war insofern von ihm angetan, als er über Somoza sagte: “He may be a son of a bitch, but he’s our son of a bitch”.

Anastasio Somoza

Anastasio Somoza (gemeinfrei)

Weniger als zwei Jahre nach dem Abzug der US-Truppen setzte Somoza den Liberalen Präsidenten Sacasa ab und machte sich selbst zum Präsidentschaftskandidat der Liberalen. Am 1.Januar 1937 war er der gewählte Präsident Nicaraguas. Eine seiner ersten Amtshandlungen bestand in einer Verfassungsreform, die ihm eine auf acht Jahre ausgedehnte Amtszeit zubilligte.

Zu Somozas formaljuristischem Arsenal des Machterhalts gehörte der vorübergehende Rücktritt, seine Ernennung zum Interimspräsidenten und die anschließende Neukandidatur zu einer Wahl, die er mittels Einschüchterung und Betrug mit 99 Prozent der Stimmen gewann. In anderen Fällen, wie der Präsidentschaftswahl von 1947, installierte er kurzfristig einen Marionettenkandidaten, dessen Wahlsieg er nach dem bekannten Muster inszenierte. Kaum einen Monat nach dessen Amtsübernahme kam Somoza dann mittels Umsturz wieder die Macht. Als die USA sich genötigt sahen, diese skandalöse politische Praxis zu kritisieren, machte Somoza kurzerhand seinen Onkel, Victor Roman Y Reyes, zum Präsidenten, ein Zugeständnis, mit dem sich Washington zufrieden gab. So wurde Somoza 1951 nach altem Muster für 6 Jahre wiedergewählt, nicht ohne sich mit einer erneuten Verfassungsänderung auch die mögliche Kandidatur in den 57er Wahlen gesichert zu haben.
Als Somoza 1956 einem Attentat des Dichters Rigoberto Lopez Perez zum Opfer fiel, hatte der Spuk der Familien-Diktatur gerade erst begonnen.
Umgehend wurde Luis Somoza, ältester Sohn Anastasios, vom Nationalkongress zum Präsidenten ernannt und mit dem Mandat versehen, die Amtszeit des Vaters zu vollenden. Nach dem väterlichen Vorbild wurde Luis anschließend selbst Kandidat der Liberalen. Er gewann die Wahl und regierte bis 1963. Sein Bruder, Anastasio Somoza Jr., war Chef der Nationalgarde. 1963 hatte der Somoza-Clan Rene Schick zum Kandidaten erkoren, um die lauter werdende nationale und internationale Kritik zu zerstreuen. Schick wurde Präsident, Luis saß im Senat und Anastasio Junior behielt weiterhin die Kontrolle über die Streitkräfte.

Anastasio Somoza Jr., Bild: DemonSabre (Own work) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAnastasio_Somoza_DeBayle.jpg">via Wikimedia Commons</a>

Anastasio Somoza Jr., Bild: DemonSabre (Own work) CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Im März 1966 kündigte Anastasio Somoza Jr. seine Kandidatur für die 67er Wahlen an, die er gewann. Im selben Jahr erlag Luis einem Herzinfarkt, so dass die ‘logische’ Ablösung zwischen den Brüdern nicht erfolgen konnte. Bis zur Verfassungsänderung, die Anastasio eine weitere Amtszeit ermöglichen sollte, übernahm eine ihm treue Junta die Regierung. 1974 war es schließlich wieder so weit, Somoza wurde – dieses Mal für 6 Jahre – gewählt. In der Zwischenzeit durchlief sein Sohn alle Dienstgrade der Nationalgarde im Eiltempo, um rechtzeitig zum Ablauf der väterlichen Amtszeit bereitzustehen. Der Triumph der Sandinista Revolution im Juli 1979 durchkreuzte diese Pläne dann aber doch aufs Dramatischste.