Hintergrund

Die Regierungszeit der Konservativen (Partido Conservador) zwischen 1857 und 1893 gilt rückblickend als eine Periode relativen Wohlstandes. Sie stand im Zeichen verbesserter Transport- und Kommunikationswege, wie dem Bau einer Bahnlinie im Westen zum Pazifikhafen Corinto, sowie neuen Straßen und Telegraphenleitungen.
Der Kaffeeanbau und -export wuchs und war bis zum Jahr 1890 zum wichtigsten Exportgut überhaupt geworden.
Die konservative Gesetzgebung begünstigte die großen Kaffeeanbauer, die auf billige Arbeitskräfte setzte, und brachte damit die ökonomischen Eliten des Landes erneut gegeneinander auf.

José Santos Zelaya, Bild: unbekannt By Unknown, irrelevant due to age [Public domain], via Wikimedia Commons

José Santos Zelaya, Bild: unbekannt [gemeinfrei], via Wikimedia Commons

Die Zeit des relativen Friedens endete 1891 mit der Präsidentschaft Roberto Sacasas, eines Leoneser(!) Konservativen, dessen Wahl die Partei der Konservativen spaltete. Als Sacasa versuchte, über den Ablauf seiner Amtszeit hinaus an der Macht festzuhalten, nahmen die Liberalen ihre Chance wahr und starteten mit abtrünnigen Konservativen eine Revolte unter der Führung General José Santos Zelayas. Zelayas liberale Anhänger verließen im Juli 1893 die Regierung und initiierten einen erneuten Aufstand, der schon bald erfolgreich war. Eilig wurde eine verfassunggebende Versammlung einberufen, die antiklerikale Elemente in die Verfassung aufnahm, die Rechte von Ausländern auf diplomatischen Schutz beschnitt und die Todesstrafe abschaffte. Zelaya wurde Präsident und behielt dieses Amt bis 1909.

Die Diktatur des Liberalen öffnete Nicaragua ausländischem, vor allem us-amerikanischen Kapital. Konzerne wie die United Fruit Company kontrollierten zu Beginn des 20.Jahrhunderts annähernd die gesamte Kaffee-, Bananen-, Gold- und Holzproduktion des Landes.
Ungeachtet seiner liberalen Handels- und Wirt- schaftspolitik betrieb Zelaya eine strikt nationale Politik, die sich eine die us-amerikanische und britische Einmischung in Nicaragua verbat.
Als sich die USA von dem Projekt eines Kanals in Nicaragua abwandten, versuchte Zelaya, Deutsche und Japaner für diesen Plan zu begeistern.
Wie sein guatemaltekischer Amtskollege Barrios und andere liberale Politiker, strebte auch Zelaya eine Wiedereinsetzung der zentralamerikanischen Föderation an, womit er den Widerstand der Konservativen hervorrief.
Diese unternahmen 1903 einen ersten, erfolglosen Umsturzversuch. 1909 war eine weiterer Versuch erfolgreich, da er mit us-amerikanischem Geld finanziert und mit US-Truppen verstärkt war.
Die Hinrichtung zweier gefangengenommener us-amerikanischer Söldner nahmen die USA schließlich zum Vorwand, um 1912 in Nicaragua einzumarschieren.
Zelaya ging ins mexikanische Exil und die Besatzung des Landes durch US-Truppen hielt, mit einer kurzen Unterbrechung, bis 1933 an.
Als die US-Truppen unter Roosevelts Doktrin der „guten Nachbarschaft“ und „Nichteinmischung“ schließlich abzogen, hinterließen sie eine von US-Militärs ausgebildete Nationalgarde unter dem Kommando Anastasio Somoza Garcias.