Hintergrund

Der institutionalisierte Konflikt zwischen Konservativen und Liberalen wurde nach der Unabhängigkeit von Spanien noch unversöhnlicher ausgetragen, da die Schlichterrolle der Kolonialmacht entfiel. Er stellt eines der wichtigsten und zugleich destruktivsten Elemente der zentralamerikanischen Geschichte des 19. Jahrhunderts dar.

So war es auch innerhalb des nachfolgenden Staatenbundes, der zentralamerikanischen Konföderation, durchaus üblich, dass die beiden Parteien jeweils die ihnen nahestehende Partei eines Nachbarlandes unterstützten und zu deren Gunsten militärisch intervenierten. Mit der napoleonischen Invasion in Spanien verlor die spanischen Monarchie ihre Legitimität und ihre Kontrolle über die Kolonien. Ihr Versuch, zumindest die einträglichen Kolonien zu erhalten, führte dazu, dass die zentralamerikanischen Kolonien noch stärker vernachlässigt wurden als zuvor.
1811 kam es in der Provinz El Salvador zu einem ersten Aufstand der in der Kolonie geborenen Spanier (Criollos) gegen die privilegierten Peninsulares, die in Spanien geborenen Spanier. Obwohl sich Nicaragua dem offiziell nicht anschloss, kam es doch bald auch unter den nicaraguanischen Criollos zu einer Erhebung gegen die Peninsulares.

Das historische Wappen der “Vereinigten Provinzen Zentralamerikas”, dessen Motive sich noch heute in den Nationalwappen der fünf Einzelstaaten wiederfinden. Grafik: Anjelkaido, Rastrojo, HansenBCN (Own work) CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons

Das historische Wappen der “Vereinigten Provinzen Zentralamerikas”, dessen Motive sich noch heute in den Nationalwappen der fünf Einzelstaaten wiederfinden. Grafik: By Anjelkaido, Rastrojo, HansenBCN (Own work) CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons

Das folgende Jahrzehnt stand unter dem Eindruck dieses gewalttätig ausgetragenen Konflikts, der nur in Etappen zur nationalen Unabhängigkeit führte. Den ersten Schritt bildete die am 15.Septemebr 1821 gemeinsam mit Mexiko erklärte Unabhängigkeit des Generalkapitanats Guatemala von Spanien. Daraufhin versuchte Mexiko, unter seinem selbsternannten Kaiser und General Agustín de Iturbide, die ehemalige Kolonie dem mexikanischen Reich einzuverleiben. Der Versuch scheiterte am Widerstand der zentralamerikanischen Länder, die sich daraufhin 1823 zum Staatenbund der fünf „Vereinigten Provinzen von Zentralamerika“ zusammenschlossen. (Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica). Lediglich die Provinz Chiapas entschied sich für den Verbleib bei Mexiko.

Die Föderation scheiterte über die beiden folgenden Jahrzehnte an territorialen und politischen Konflikten, sowie an der Schwäche der föderalen Regierung.
Als die zentralamerikanische Föderation 1837 zerfiel, erklärte eine verfassunggebende Versammlung am 30.April 1838 die Unabhängigkeit Nicaraguas vom Staatenbund.