Hintergrund

Zwar hatten spanische Schiffe schon im Jahre 1508 die Karibikküste Nicaraguas entdeckt, doch erst 1522 drang eine militärische Expedition unter der Führung Gil González Dávilas von Panama kommend in nicaraguanisches Gebiet vor. Nach einer von Krankheiten und Unwettern geprägten Reise stießen González und seine Begleiter auf Einheimische unter der Führung des mächtigen Kaziken Nicoya, die ihnen einen freundlichen Empfang bereiteten. Ebenso erging es den Spaniern im Zusammentreffen mit Nicarao und dessen Leuten. Wenig später traten Tausende aus beiden Gruppen, einschließlich ihrer Führer, zum katholischen Glauben über und wurden in einer achttägigen Massentaufe getauft.

Nicarao hatte González zudem reich mit Gold und Perlen beschenkt. Beim weiteren Vordringen ins Landesinnere stießen die Spanier dann aber doch auf Widerstand, den ihnen Niquiranos unter ihrem Führer Diriagén entgegensetzten. Die spanische Expedition trat daraufhin den Rückzug an, und González kehrte mitsamt seiner wertvollen Fracht nach Panama zurück.

Francisco Hernández de Córdoba, Bild: See page for author [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AFrancisco_Hern%C3%A1ndez_de_C%C3%B3rdoba.jpg">via Wikimedia Commons</a>

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Francisco Hernández de Córdoba gelang es 1524, die erste dauerhafte Siedlung auf nicaraguanischem Gebiet zu gründen. Er gab dem Land auch seinen heutigen Namen.
Um mögliche Ansprüche seines Vorgängers González abzuwenden, gründete er die beiden Städte Léon und Granada, die zum Zentrum des kolonialen Nicaragua werden sollten. León war auch Ausgangspunkt weiterer Expeditionen ins Landesinnere.

Während die Konkurrenz zwischen Hernández de Córdoba und González wuchs, klagte der Gouverneur Panamas, Pedrarias, Hernández de Córdoba der Misswirtschaft an. Dieser wurde zum Tode verurteilt, starb jedoch bald nach dem Urteil. Pedrarias wurde selbst zum Gouverneur Nicaraguas und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr 1531.

Nicaragua lag, wie das benachbarte Costa Rica auch, abseits der spanischen Machtzentren von Peru oder Mexiko und war weitgehend sich selbst überlassen.

Die Einwohnerzahl der Siedlungen schrumpfte, zum einen, weil viele der spanischen Siedler sich Pizarros Expeditionen zur Eroberung des Inka-Reiches anschlossen, zum anderen, weil ein substanzieller Teil der einheimischen Bevölkerung nach Peru, zur Zwangsarbeit in den dortigen Minen, verschleppt wurde. Man schätzt die Zahl derjenigen, die zwischen 1528 und 1540 dieses Schicksal teilten, auf 200.000.

Viele der neugegründeten Städte und Siedlungen verschwanden wieder von der Landkarte, so dass die spanische Kolonie in Nicaragua gegen Ende des 16.Jahrhunderts faktisch nur noch aus den beiden Städten León und Granada bestand.