Hintergrund

Als die Gedanken der europäischen Aufklärung und der Französische Revolution die „Neue Welt“ erreichten, spiegelte sich der europäische Interessengegensatz zwischen Adel und Bürgertum auf der kolonialen Ebene wider: als Konflikt zwischen Konservativen, die ihre politische und ökonomische Machtposition Privilegien der spanische Krone verdankten und den Liberalen Criollos, die ihre Rechte als im Land geborene „Spanier“ nur in einer national unabhängigen Gesellschaft nach bürgerlichem Vorbild einfordern konnten.
Ihre Forderungen schlossen die Entmachtung der katholischen Kirche ein, die die Kolonialherrschaft mit religiöser Legitimität versah.
Mit dem Legitimitätsverlust der spanischen Monarchie im Verlauf der napoleonischen Kriege verlor diese zunehmend auch die Kontrolle als Kolonialmacht.
Als Ferdinand VII. nach Napoleons Niederlage den Thron wiedererlangte und die liberale Verfassungsreform von 1812 suspendierte, brach, ausgehend von Mexiko, der offene Kampf um die Unabhängigkeit von Spanien aus. Mit der Unabhängigkeit von Spanien, die Mexiko und Zentralamerika am 15. September 1821 erlangten, war für Guatemala und seine südlichen Nachbarn zunächst keine nationale Unabhängigkeit verbunden. Bis 1823 erzwang Mexikos selbsternannter „Kaiser“ Agustín de Iturbide ihren Anschluss an Mexiko. Erst nach Iturbides Sturz bildeten Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica eine republikanische Föderation, die „Vereinigten Provinzen Zentralamerikas“, die ihren Regierungssitz in Guatemala Stadt hatte.

Die Föderation zerbrach nach weniger als zwei Jahrzehnten, die von Streitigkeiten und (Bürger) Kriegen geprägt waren, an zwischenstaatlichen Konflikten und dem nicht überwundenen Gegensatz von Liberalen und Konservativen, der die politische Klassen über nationale Grenzen hinweg spaltete.
1831 wurde der liberale und antiklerikal eingestellte Mariano Gálvez Präsident Guatemalas. Er reformierte das Bildungs-, Finanz- und Rechtssystem und beschnitt die Macht der katholischen Kirche, indem er Teile ihres Grundbesitzes enteignete. Erstmals konnten nun auch die Ladinos und Criollos Landbesitz erwerben. Die ersten deutschen Kaffeebauern ließen sich in der Provinz Verapaz nieder. Getrübt wurde Gálvez‘ Amtszeit jedoch von einer großflächigen Choleraepidemie, die 1837 mehrere hundert Tote forderte. Noch gravierender waren aber die Anfeindungen, denen sich seine Regierung ausgesetzt sah, als sie das heutige Belize als „Schuldenzahlung“ an Großbritannien abtrat. 1838 leitete der Bauernaufstand von La Montaña, unter Führung des konservativen und aufs Schärfste pro kirchlich eingestellten Rafael Carrera, den konservativen Umsturz ein. Noch im selben Jahr erhielt Guatemala mit Mariano Rivera Paz einen konservativen Präsidenten.