Hintergrund

Die ökonomische Grundlage der Kolonialgesellschaft stellte das feudale Encomienda-System dar, in dem faktisch zu Leibeigenen gewordene Bauern den kolonialen Besitzern tributpflichtig waren.

Gott Maximón, ein “Lebemann”-Charakter, der die Schwächen der Menschen kennt und akzeptiert, sofern sie ihn mit teurem Schnaps und Zigarren besänftigen.

Gott Maximón, ein “Lebemann”-Charakter, der die Schwächen der Menschen kennt und akzeptiert, sofern sie ihn mit teurem Schnaps und Zigarren besänftigen. Photo: By Sstepper (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Wie im übrigen Kontinent auch, folgten den Konquistadoren die Mis- sionare. Die Dominikaner, Franziskaner und Augustiner änderten wenig an diesem Ausbeutungssystem und waren als Landbesitzer vielfach aktiv daran beteiligt. Ihrem religiösen Imperialismus fiel ein Großteil der indigenen Mayakultur zum Opfer. Deren Götter überlebten dennoch – ähnlich der kubanischen Santería – als Synkretismus unter der Oberfläche der katho- lischen Heiligenschar.

Nach Abschaffung des Encomienda-Systems durch Karl V. wurde die indigene Bevölkerung Städten zugeordnet und unterstand so direkt Repräsentanten der spanischen Krone. Die Tributpflicht blieb bestehen, jedoch wurden die Abgabemengen reduziert. Bis zum Beginn des 18.Jahrhundert waren 300 Pueblos nach dem Vorbild spanischer Städte, deren Mittelpunkt die Kirche bildete, entstanden.

Diese Reformen waren weniger zum Wohle der Mayabevölkerung durchgeführt worden, als vielmehr gegen die Macht der Encomienda-Besitzer gerichtet. Die soziale Schichtung der Kolonialgesellschaft sah die in Spanien geborenen “Spanier” oder Peninsulares in allen zentralen Positionen der politischen und religiösen Macht, während die in der Kolonie geborenen Criollos oder Ladinos, auch wenn sie rein spanischer Herkunft waren, nur nachgeordnete Funktionen in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft einnehmen konnten. Die nächstuntere soziale Stufe der Mestizos, “Mischlinge” spanisch-indigener Herkunft, war weitestgehend von der Teilhabe an politischer und ökonomischer Macht ausgeschlossen, während die Bevölkerungsmehrheit der Indígenas außerhalb der Gesellschaft stand. Dass einzelne Maya von ihrer Tributpflicht befreit wurden und geringfügige Zugeständnisse an eine lokale Autonomie der indigenen Gemeinden gemacht wurden, waren Beschwichtigungsversuche als Teil der Reaktion auf regelmäßig wiederkehrende Aufstände und Rebellionen der Maya.