Hintergrund

Die Maya auf dem Gebiet des heutigen Guatemala hatten in ihrer als klassische Periode bekannten Blütezeit eine hochdifferenzierte Kultur entwickelt.

Ab dem dritten nachchristlichen Jahrhundert entstanden mächtige Stadtstaaten. Hier wurden nicht nur Pyramiden und Tempel gebaut, sondern auch Bibliotheken und Observatorien.

Pedro Alvarado

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Die Maya-Gelehrten schufen Werke der Literatur, der Philosophie, Kunst und Architektur. Aber ihren wissenschaftlichen Höhepunkt erreichten sie auf dem Gebiet der Mathematik und der Astronomie.
Wissenschaftler der Maya entwickelten einen Kalender, dessen Präzision auch heute noch keinen Vergleich scheuen muss. Die Frage, warum fast alle dieser Stadtstaaten binnen eines Jahrhunderts, zwischen 800 und 900 n.Chr., untergegangen und verlassen waren, gibt bis heute Rätsel auf. Als plausibelste Erklärung gilt die Theorie, dass eine ökologischen Katastrophe, wie z.B. eine extreme Dürre als Folge eines “El Niño” artigen Phänomens, Ursache des annähernd synchronen Zerfalls war. Als die ersten Spanier zu Beginn des 16.Jahrhunderts in die Welt der Maya eindrangen, lebten diese verstreut in kleinen Dörfern auf der Basis ihrer Jahrtausende alten Landwirtschaft. Ihr Schicksal als indigene Gesellschaft war, so erscheint es im Rückblick, vom ersten Kontakt an besiegelt. Die spanischen Abenteurer, und diese stellten die Mehrzahl der sogenannten Konquistadoren, hatten ein hochmilitarisiertes Spanien verlassen, in dem sie auch nach dem Ende der Rekonquista keine Perspektive hatten. Auch wenn das spätmittelalterliche Europa in vielerlei Hinsicht weitaus weniger entwickelt war als Mesoamerika, die militärische Überlegenheit der Spanier war enorm. Ihrem Schießpulver, ihren Pferden, Stahlschwertern und Rüstungen standen die Mayakrieger buchstäblich barfuß gegenüber, mit Obsidian-Speerspitzen und Lederschilden bewaffnet. Binnen weniger Jahre waren sie, nach verheerenden Verlusten, zu Sklaven in ihrem eigenen Land geworden. Ihre Bibliotheken und Städte gingen in Flammen auf oder wurden auf andere Art dem Erdboden gleichgemacht, ihr Land enteignet und ihre Religion verboten. Sie fanden sich in einer spanischen Kolonialgesellschaft wieder, in der sie weder politisch noch sozial repräsentiert waren.

Die indigene Bevölkerung Guatemalas überlebte die Jahrhunderte der Kolonialgeschichte ebenso wie die Geschichte des unabhängigen Guatemalas, sie bewahrte, teilweise im Geheimen und trotz rassistischer Diskriminierung, die bis in die Gegenwart anhält, ihr kulturelles Erbe und ihre Sprachen.