Hintergrund

Im Laufe der 1990er Jahre wurde der Tourismus zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor für Costa Rica.

Doch anders als viele andere Ländern verstanden es die costaricanischen Regierungen, ungeachtet ihrer jeweiligen politischen Ausrichtung, die Entwicklung des Tourismus zu steuern und dabei den Erhalt der Natur ebenso zu berücksichtigen wie die ökonomische Beteiligung der lokalen Bevölkerung. Unter enormen finanziellen Anstrengungen wurde ein dichtes Netz von Nationalparks aufgebaut und annähernd ein Viertel der Landesfläche unter Naturschutz gestellt. Dennoch sind aufgrund des Tourismus-Booms heute vielerorts die Grenzen der Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus überschritten. Immer mehr Bauern und Landbesitzer wehren sich dagegen, dass ihr Land Nationalparks zugeschlagen wird und sie vielfach seit Jahren auf die versprochenen finanziellen Entschädigungen warten.

An den Brennpunkten der – überwiegend nordamerikanischen – Touristenströme haben längst auch die großen, internationalen Tourismuskonzerne Fuß gefasst. Zu Beginn des neuen Jahrtausends zog vor allem das hohe Bildungs- und Ausbildungsniveau der Costaricaner ausländische Investitionen an und trugen dem Ballungsraum um San José den Beinamen als „Silicon Valley Lateinamerikas“ ein. Einige der damaligen Investoren, darunter Intel und die Bank of America, haben ihr Engagement in Costa Rica seit 2010 wieder heruntergefahren, und Panama hat in den letzen Jahren Costa als am schnellsten wachsende Volkswirtschaft Lateinamerikas abgelöst.

Laura Chinchilla (2006), By US Embassy, Costa Rica. Photo caption is merely "Presidenta Electa de Costa Rica Laura Chinchilla". [Public domain], via Wikimedia Commons

Laura Chinchilla (2006), By US Embassy, Costa Rica. [gemeinfrei], via Wikimedia Commons

Auf der politischen Ebene folgten Präsident Arías Sanchez bemerkenswerterweise die Söhne der einstigen Bürgerkriegs-Rivalen von 1948 nach: 1990 gewann Calderóns Sohn Rafael Calderón die Wahlen, und 1994 wurde mit Jose Maria Figueres Olsen der Sohn Figueres Ferrers zum Präsidenten gewählt. 2006 wurde Arías Sanchez, nach Miguel Ángel Rodríguez und Abel Pacheco, erneut zum Präsidenten des Landes gewählt, bevor 2010 mit Laura Chinchilla erstmals eine Frau Staatsoberhaupt des konservativen Landes wurde.

Außenpolitische Problemfelder sind die anhaltenden Grenzstreitigkeiten mit Nicaragua, vor allem entlang des Río San Juan, sowie die hohen Fallzahlen von Menschenhandel und erzwungener Prostitution von häufig minderjährigen Costaricanerinnen, Nicaraguanerinnen, indigenen Panamerinnen und Frauen aus anderen lateinamerikanischen Ländern, während Jugendliche und Männer aus diesen Ländern sowie aus Asien in der Landwirtschaft ausgebeutet werden und quasi Zwangsarbeit leisten. Die Bekämpfung des Sextourismus durch Nordamerikaner und Europäer wird weitgehend entsprechenden Nichtregierungsorganisationen überlassen, ein staatliches Hilfsangebot für Betroffene existiert – außerhalb der Hauptstadt – faktisch nicht.